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Warum Teams & Co. für Schulen tabu sind

Bildung : Warum Teams & Co. für Schulen tabu sind

Warum das Land nicht will, dass der Online-Unterricht über Plattformen von US-Herstellern läuft.

Seit Beginn der Pandemie sind in vielen Unternehmen Videokonferenzen nichts Ungewöhnliches mehr. Statt sich persönlich zu Besprechungen zu treffen, konferieren die Mitarbeiter über Online-Plattformen miteinander. Zumeist werden dafür Plattformen wie Teams des US-Konzerns Microsoft oder des ebenfalls aus den USA stammende Zoom verwendet.

Auch einige Schulen im Land nutzen diese Plattformen für den Fernunterricht. Doch Ende des Schuljahres ist damit Schluss. Das kündigte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) vergangene Woche an, als sie auf der Facebook-Seite der Landesregierung Fragen von Eltern und Schülern zum Start des Wechselunterrichts in den Grundschulen beantwortete. Aus Datenschutzgründen dürften außereuropäische Plattformen nicht genutzt werden. Schulen seien staatliche Stellen und müssten sich damit an „Gesetz und Ordnung“ halten, sagte Hubig via Facebook, das bekanntlich ja auch ein amerikanisches Unternehmen ist. Für den Fernunterricht hat das Land mit Moodle und BigBlueButton eigene Plattformen zur Verfügung gestellt. Zu Beginn des Homeschoolings Anfang des Jahres gab es jedoch erhebliche Probleme wegen Überlastung. Laut Bildungsministerium waren die Server überlastet. Außerdem hat ein 14-Jähriger zugegeben, gezielt BigBluButton lahmgelegt zu haben. Möglicherweise hat es noch weitere Hacker gegeben, die dafür gesorgt haben, dass der Fernunterricht Mitte Januar mehr schlecht als recht funktionierte.

Eine Schule, die auf Teams statt auf BigBlueButton setzt, ist das Staatliche Eifel-Gymnasium in Neuerburg (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Das System funktioniere reibungslos, sagt Schulleiter Jens Kemper. Bereits nach den Sommerferien, als alle Schüler im Präsenzunterricht in der Schule waren, hätten er und seine Kollegen Teams getestet. „Daher konnten wir im Januar von jetzt auf gleich umschalten und mehr als die Hälfte des Unterrichts als Videokonferenzen halten“, sagt Kemper. Er ärgert sich, dass das Land Schulen wie seiner ab kommenden Schuljahr den Einsatz von Teams verbieten will. „Mit der Logik dürften in Ministerien auch keine Rechner mit dem  Betriebssystem Windows verwendet werden.“ Außerdem sieht er die Verwendung von Teams oder anderen in Unternehmen üblichen Systemen als Training für die Schüler. Im späteren Berufsleben würden vermutlich eher diese Plattformen verwendet als BigBlueButton, meint Kemper.

Landesdatenschutzbeauftragter Dieter Kugelmann warnt, bei der Nutzung von außereuropäischer Videokonferenzsoftware durch Schulen sei nicht auszuschließen, dass Daten darüber, „wer von wo aus, wie lange, mit welchem Endgerät und auf welche Weise an einer Videokonferenz teilgenommen hat“ zweckwidrig verwendet würden. Ziel sollte daher sein, dass mit Beginn des kommenden Schuljahres alle Schulen auf BigBlueButton nutzten.  In der derzeitigen „Ausnahmesituation“ sei es vertretbar, wenn   vorerst weiter außereuropäische Plattformen verwendet würden, „um dem Bildungsauftrag nachzukommen“.