| 20:03 Uhr

Politik
Was bedeuten die Wechsel in der Landes-CDU für die Wahl 2021?

FOTO: Florian Schlecht / TV
Mainz. Christian Baldauf war Vorgänger von Julia Klöckner als rheinland-pfälzischer CDU-Fraktionschef, nun tritt er auch die Nachfolge an. Die 45-Jährige bleibt aber Landesvorsitzende. Was bedeutet die Doppelspitze für die Wahl 2021? Von Florian Schlecht
Florian Schlecht

Einträchtig sitzen Christian Baldauf und Julia Klöckner nebeneinander und lächeln vergnügt in die Kameras. Der Pfälzer, nach einem Friseurbesuch, mit einem feschen Haarschnitt. Die Bad Kreuznacherin im Bemühen, die Gummibärchenschale von sich zu schieben, weil sie fastet und Süßes meidet. Die Landes-CDU ist am Mittwoch um Harmonie bemüht. Aus gutem Grund: Ein letztes Mal nimmt Klöckner als rheinland-pfälzische CDU-Fraktionschefin vor der Presse Platz, ehe sie nach Berlin geht, als Bundeslandwirtschaftsministerin. Vorher schlägt sie aber auch öffentlich noch den Mann als ihren Nachfolger vor, dessen Namen die Spatzen ohnehin schon lange von den Dächern pfiffen: Christian Baldauf (zum Porträt).

Läuft alles glatt, wählen die CDU-Landtagsabgeordneten am 16. März den Pfälzer zu ihrem Chef, der die Fraktion bereits von 2006 bis 2011 führte. Klöckner will ihr Mandat Ende März abgeben: „Ich kann guten, beruhigten Herzens Christian Baldauf vorschlagen, der viele Schlachten geschlagen hat, ein unglaublich gewinnbringendes Wesen hat, Menschenfreundlichkeit und Sinn für subtilen Humor.“ Beide agieren als Doppelspitze. Denn Klöckner wird aus Berlin weiter die rheinland-pfälzischen Fäden ziehen und im Herbst erneut als CDU-Landesvorsitzende kandidieren.

Klöckner und Baldauf wissen um die bohrenden Fragen, die sie sich bis zur Landtagswahl 2021 gefallen lassen müssen. Wer geht für die CDU als Spitzenkandidat ins Rennen? Da dürften am häufigsten die Namen des Fraktionsvorsitzenden und der Landeschefin fallen. Wird es Baldauf, der vor der Wahl 2011 schon einmal Klöckner den Vortritt überließ? Oder wagt Klöckner gar als profilierte Bundesministerin einen dritten Anlauf, obwohl sie schon in zwei Wahlen der SPD unterlag? Der Lan­dauer Politikforscher Ulrich Sarcinelli hält die Frage „für pure Spekulation“. Momentan, so sagt er aber auch, fehle es ihm an der Vorstellung, „dass Julia Klöckner 2021 noch mal gegen Malu Dreyer antritt“.

Baldauf hingegen, so heißt es aus Parteikreisen, müsse nun erst einmal aus dem großen Schatten von Klöckner treten, die in Rheinland-Pfalz als das Gesicht der CDU bekannt sei. Und gegen Vorurteile ankämpfen, er sei manchmal zu flapsig, nicht so akribisch wie Klöckner und habe – freiwilliger Rückzug hin oder her – eben doch schon mal bei einer Spitzenkandidatur nur in der zweiten Reihe gestanden, nicht in der ersten. SPD-Landesgeneralsekretär Daniel Stich hält es für eine „besondere Note, dass der ewig-glücklose Prinz Charles der Landes-CDU nun das Glück zurückbringen soll“. Das spreche für eine „dünne Personaldecke“. Sarcinelli erklärt das damit, dass die CDU gut 27 Jahre in der Opposition ist, die nunmal „kein politischer Jungbrunnen für Parteien auf der Landesebene“ ist. Und doch hält der Politikforscher Baldauf für die logische Wahl als Klöckner-Nachfolger im Parlament: „In der Fraktion gibt es niemanden, der ähnlich in Gewicht, Reputation und Vertrauensvorschuss ist“, sagt Sarcinelli.

Ins gleiche Horn stoßen CDU-Kenner. Selbst Baldauf-Kritiker sagen hinter vorgehaltener Hand, es fehle noch an echten Alternativen in der Fraktion. Und nach wie vor rechnen dem Pfälzer viele Landtagsabgeordnete hoch an, das Ruder der Fraktion 2006 schon mal übernommen zu haben, als die nach einer Spendenaffäre leckgeschlagene CDU durch stürmische Gewässer steuerte, die Mannschaft an Deck arg zerstritten war und, um nicht unterzugehen, Baldauf das Wasser abschöpfen musste. Der Pfälzer erwarb sich den Ruf des Mannes, der den Dampfer wieder sanierte und auf Kurs brachte. „Ich bin demütig, dankbar und freue mich auf die Aufgabe“, sagt der Kaiserslautern-Fan und leidenschaftliche Chorsänger nun zu seiner Rückkehr auf das Kapitänsdeck.

Geht es aber um die Spitzenkandidatur für die Wahl 2021, lässt sich Baldauf nicht ködern. „Die Frage ist klasse, Sie können sie auch fünfmal stellen“, sagt der Pfälzer dem TV-Reporter. Nichts sei so kurzlebig wie das politische Geschäft, findet Baldauf, der mit der Fraktion nun Duftmarken setzen will. „Dann werden wir uns so aufstellen, dass wir die Landesregierung bei der nächsten Wahl schlagen.“

Kommentar: Warum Christian Baldauf zur großen Überraschung werden kann