Was sagen die Bundestagsabgeordneten aus der Region zu Organspende-Regelung?

Kostenpflichtiger Inhalt: Gesundheit : Was sagen die Bundestagsabgeordneten aus der Region zu Organspende-Regelung?

Hunderte Menschen im Land warten auf Spenderorgane. Der Bundestag will nun darüber entscheiden, wie das verhindert werden kann. Volksfreund.de hat vorab mit den Abgeordneten aus der Region gesprochen.

Bei sechs Patienten wurden 2018 in den Krankenhäusern in Bitburg und Trier Organe entnommen, um sie anderen Menschen, die womöglich seit Jahren auf ein neues Herz, eine neue Niere oder eine Lungen warten, zu transplantieren. Das geht aus Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation hervor. Am häufigsten (53) wurden Leber und Nieren (38) transplantiert. Gleichzeitig warteten 2018 insgesamt 152  Patienten auf eine neue Niere und 64 auf eine Leber.

Der Präsident der Landesärztekammer, Günther Matheis, spricht sich dafür aus, Bürger bei der Entscheidung für eine Organspende stärker als bisher in die Pflicht zu nehmen. „Wenn es mehr Möglichkeiten gibt, Leben zu retten, ist dies für die Kranken und ihre Familien Ausdruck der Solidarität“, sagt der Chirurg im Trierer Brüderkrankenhaus unserer Zeitung. Er hofft, dass sich die Bundestagsabgeordneten in der für Donnerstag angesetzten Abstimmung  mehrheitlich für die sogenannte Widerspruchslösung (siehe nebenstehenden Text) aussprechen werden: „Aus medizinischer Sicht ist die Widerspruchslösung ein wichtiger Schritt, damit Schwerstkranken auf der Warteliste rascher geholfen werden kann und damit weniger Patienten sterben, während sie auf ein lebensrettendes Organ warten.“ Das Selbstbestimmungsrecht bleibe auch bei der Widerspruchslösung erhalten, denn, so Matheis, „schließlich kann jeder seinen Willen hinterlegen, wenn er keine Organe spenden möchte“.

Die Bundestagsabgeordneten in der Region sind jedoch mehrheitlich gegen die Widerspruchslösung. „Wir dürfen  das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper nicht einschränken“, sagt etwa die Trierer Grünen-Bundestagsabgeordnete Corinna Rüffer. „Wer sich mit höchstpersönlichen Fragen wie der Organspende nicht auseinandersetzen möchte, darf dazu nicht gezwungen werden“, so die Politikerin. Ähnlich lautet auch die Argumentation der Trierer Linken-Abgeordneten Katrin Werner: Der Staat sei in der Verantwortung, mehr für die Aufklärung und Stärkung der Bereitschaft zur Organspende zu tun. „Die regelmäßige Aufklärung in Ausweis­stellen und Arztpraxen scheinen mir dazu der richtige Weg“, sagt Werner.

Für den Trierer CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Steier ist das Selbstbestimmungsrecht des Spenders ein wichtiger Faktor. „Jeden – bis zum potenziellen Widerspruch – automatisch zum Organspender zu erklären, wäre aus meiner Sicht ein Eingriff in dieses Recht“, so Steier.

„Die Organspende muss auf einer bewussten und freiwilligen Entscheidung basieren“, sagt auch Peter Bleser. Der Cochemer CDU-Abgeordnete schlägt vor, dass jeder Bürger schon in jungen Jahren bei der Beantragung offizieller Papiere und bei Hausarztbesuchen regelmäßig und verpflichtend über die Möglichkeit der Organspende aufgeklärt werden soll.  „Ein bundesweites Onlineregister aller Organspender, auf das jeder Arzt zugreifen kann, würde im Bedarfsfall schnell eine Abklärung ermöglichen, ob einer Organentnahme zugestimmt wurde.“

Patrick Schnieder, CDU-Abgeordneter aus Arzfeld verweist darauf, dass bei der Zustimmungslösung „die Möglichkeit des Nichtentscheidens bestehen“ bleibe.