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Gesundheit: Weil in Trier Ärzte und Pflegekräfte fehlen, müssen junge Krebspatienten nach Homburg

Gesundheit : Weil in Trier Ärzte und Pflegekräfte fehlen, müssen junge Krebspatienten nach Homburg

Das Trierer Mutterhaus versucht, den Aufnahmestopp auf der Kinderkrebsstation zu erklären. Es spricht von einem personellen Umbruch. Dass die Situation besser wird, kann die Klinik nicht garantieren.

Erst durch einen offenen Brief des Fördervereins krebskranker Kinder wird öffentlich, dass es seit Monaten einen Missstand auf der Kinderkrebsstation des Trierer Mutterhauses gibt. Der Verein unterstützt die Arbeit der Pfleger und Ärzte auf der Station. Er bietet Kindern, die dort behandelt werden, Lernhilfen an, damit sie während des Klinikaufenthaltes nicht komplett den schulischen Anschluss verlieren. Und er organisiert die psychologische Betreuung von krebskranken Kindern und ihren Eltern. Eine wichtige Arbeit, die die Mitarbeiter auf der Kinderkrebsstation entlastet. Der Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin, Wolfgang Thomas, sprach 2014 anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Vereins von einer „fruchtbaren Zusammenarbeit“.

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Daher kann man den Ärger des Vereinsvorsitzenden Eugen Schuh nachvollziehen, der nur durch Zufall davon erfahren hat, dass seit geraumer Zeit, genauer seit Anfang des Jahres, keine Kinder mehr stationär auf der Krebsstation des Mutterhauses behandelt werden. Offiziell informiert worden sei sein Verein darüber nicht, teilt Schuh mit. Er spricht von einer „traurigen Situation“, dass die betroffenen Kinder nun unter anderem an der Uniklinik im saarländischen Homburg behandelt werden müssten. Ausschlaggebend dafür sei, dass mehrere Krankenschwestern und leitende Ärzte in den vergangenen Wochen aufgrund „struktureller und hausinterner Vorkommnisse“ ihre Arbeitsverträge gekündigt hätten und wegen fehlender Bewerber keine Neueinstellungen vorgenommen worden seien.

Daher, so Schuh, sei eine „adäquate medizinische Betreuung von Neuerkrankungen“ nicht mehr möglich.

Das Mutterhaus selbst spricht von einem personellem Umbruch in der Pflege – und von Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Planstellen. Derzeit seien mehrere junge Pflegekräfte auf der Station eingesetzt, die noch Einarbeitungszeit benötigten, sagt Kliniksprecherin Helga Bohnet auf Anfrage unserer Zeitung. Einige Pfleger hätten gekündigt, daher sei es zu dem Engpass gekommen. Derzeit arbeiten nach Informationen unserer Zeitung zwei Fachkinderkrankenschwestern, die speziell für die Betreuung krebskranker Kinder ausgebildet sind, auf der Station. Eine weitere befindet sich in der Ausbildung, die im Frühjahr kommenden Jahres endet.

Drei Krebsärzte arbeiten in der Kinder- und Jugendmedizin der Klinik, eine weitere Ärztin absolviert derzeit eine Weiterbildung als Kinderkrebsmedizinerin in Homburg.

Man erfülle die bundesweit einheitlichen und vorgeschriebenen Qualitätsanforderungen für die Behandlung krebskranker Kinder, heißt es in einer Stellungnahme der Klinikleitung unter anderem an Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Das Schreiben ist eine Reaktion auf einen am Samstag versendeten offenen Brief des Fördervereins an Dreyer und andere regionale Politiker. Im Einzelfall würden noch krebskranke Kinder stationär behandelt, „bei denen der therapeutische Aufwand vertretbar und in der jetzigen personellen Situation umsetzbar ist“, so die Klinik.

Man nehme die Sorgen des Fördervereins sehr ernst, heißt es in der Stellungnahme, die unserer Zeitung vorliegt. „Seien Sie versichert, dass das Mutterhaus der Borromäerinnen sich weiterhin engagieren wird, eine qualitativ hochwertige, eine möglichst heimatnahe Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit bösartigen Erkrankungen aus unserer Region sicherzustellen.“ Allerdings heißt es einen Satz weiter, es sei unklar, ob das angesichts des „absehbar eher zunehmenden Fachkräftemangels“ zu erfüllen sei.