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Wein
Weltrekord beim Festival der Weingourmets (Fotos)

Vor allem bei der Vorprobe geht es auch darum, Kontakte zu knüpfen Akos Forczek, Daniel Schweich, Shahazad Talukder und Carolin Maurer freuen sich über tollen Wein im Glas.
Vor allem bei der Vorprobe geht es auch darum, Kontakte zu knüpfen Akos Forczek, Daniel Schweich, Shahazad Talukder und Carolin Maurer freuen sich über tollen Wein im Glas. FOTO: Rainer Neubert
Trier. Liebhaber edler Rebensäfte und Händler aus 48 Ländern erleben eine beim Großen Ring eine Versteigerung der Superlative. Von Rainer Neubert
Rainer Neubert

Der bekannteste Gast in dem Hotel-Turm am Stadteingang ist am Freitag der Showmaster und Weingutbesitzer Günther Jauch. Gemeinsam mit seiner Frau Thea und dem Kellermeister und Geschäftsführer des Weinguts von Othegrafen, Andreas Barth, ist er zur Prädikatsweinversteigerung des Großen Rings gekommen. Sie gilt als weltweit wichtigste Veranstaltung für die Vermarktung von hochklassigen Rieslingweinen. Jauch fühlt sich unter den Spitzenwinzern sichtlich wohl. „Wir sind sehr gespannt“, sagt er am Vormittag, an dem alle Weine verkostet werden können, die am Nachmittag unter den Hammer kommen. „So eine Weinversteigerung ist schließlich immer eine Blackbox.“

Mit einer Sechs-Liter-Flasche Spätlese vom Altenberg hat er an diesem Tag eine Besonderheit zu bieten. „Das ist eine tolle Flasche Wein“, ist Jauch überzeugt. Seine Erwartungen haben sich einige Stunden später erfüllt, als er auf Bitte des anonymen neuen Besitzers mit einem Edding seine Unterschrift auf das Etikett setzt. 1720 Euro netto wurden dafür geboten. Hinzu kommen noch fünf Prozent Kommissionsgebühr und die Mehrwertsteuer.

Impressionen von der 131. Prädikatsweinversteigerung Großer Ring FOTO: Rainer Neubert

Die Sensation glückt an diesem Nachmittag aber wieder einem anderen bekannten Winzer. Auktionator Max von Kunow hatte mit seiner Vermutung recht behalten. Und auch Großer-Ring-Vorsitzender Carl von Schubert freut sich, weil sein Hohelied auf exquisite Riesling-Auslesen bestätigt wird. „Man kann einen solchen Wein noch in 20 bis 30 Jahren mit Gewinn verkaufen“, hatte er den 250 Gästen zu Beginn der Versteigerung versprochen. „Aber das Wichtigste ist der Genuss.“

Ob der bei einer Flasche Wein für mehr als 200 Euro steigt, ist nicht immer sicher. Für die 1200 Flaschen Weltrekordwein Scharzhofberg „Alte Reben“ Kabinett, die nun in privaten und kommerziellen Weinkellern reifen und darauf warten, von Kennern geöffnet zu werden, ist das allerdings garantiert. Egon Müller, der damit für sein Weingut in Wiltingen eine weitere Bestmarke erzielt hat, nahm das vom Publikum gefeierte Höchstgebot mit fast unbewegter Geste wahr. „Das ist schön“, war der einzige Kommentar.

Der Große Ring ist International: Sandy Ting und Tina Xie (rechts) aus Hong Kong freuen sich über exquisite Weine.
Der Große Ring ist International: Sandy Ting und Tina Xie (rechts) aus Hong Kong freuen sich über exquisite Weine. FOTO: Rainer Neubert

Für Experten wie Paula Bosch ist das keine Überraschung. Die ehemalige Weinchefin eines Tophotels in München kommt alle zwei Jahre zum Großen Ring nach Trier, um als Buchautorin und Chefin einer Beratungsfirma auf dem Laufenden zu bleiben. Sie schwärmt: „Hier kann ich im Umfeld auch alte Spitzenweine probieren.“

Shahazad Talukder ist im Hotel Lea Linster in Luxemburg der Mann für den Wein. „Das ist Weltklasse-Niveau hier“, ist er überzeugt. Von den weltbesten Rieslingen will er auch eine Auswahl mit ins Ländchen nehmen. „Der Große Ring hat sich in den vergangenen zehn Jahren toll entwickelt. Das hat dazu beigetragen, das Image des deutschen Weins deutlich zu verbessern.“

Tina Xie hat den weiten Weg aus Hongkong an die Mosel hinter sich gebracht, um „etwas sehr Spannendes zu erleben.“ Die Spezialistin für exklusive Weine lernt nach eigener Aussage noch dazu. „Ich war im vergangenen Jahr zum ersten Mal hier und habe meine Kenntnisse über Riesling seitdem deutlich verbessert. Gemeinsam mit ihrem Chef verfolgt sie gespannt die Auktion, bei der die Interessenten ausschließlich über fünf konzentriert arbeitende Kommissionäre bieten können.

Die einzige Ausnahme gilt für eine Benefiz-Weinkiste mit 16 Raritäten. Die darf schließlich Alphonse Leweck, Luxemburger Hotelier und 60-maliger Fußball-Nationalspieler, mit nach Hause nehmen. Sein Gebot von 5500 Euro ist das höchste. Über das Geld freut sich die Beratungsstelle Papillon für die Kinder krebskranker Eltern. Am Ende des Tages sind nur zufriedene Menschen zu sehen. Zumindest einige von ihnen werden heute auch bei der Versteigerung des Bernkasteler Rings dabei sein.