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Kriminalität
„Wenn ich Angst hätte, wäre ich falsch im Job“

Ein gewalttätiger Demonstrant schlägt einen Polizeibeamten nieder.
Ein gewalttätiger Demonstrant schlägt einen Polizeibeamten nieder. FOTO: dpa / Carsten Rehder
Trier. Ein Trierer Polizist erzählt, wie er Opfer eines brutalen Angriffes geworden ist. Der Polizeipräsident zeigt sich besorgt über täglich zunehmende Gewalt gegen seine Beamten.

Thomas Hillen wird jenen Tag im Oktober 2016 wohl nie vergessen. Aus einem Einsatz, wie er ihn schon mehrmals erlebt hat, wird beinahe eine persönliche Katastrophe. Sein Kollege und er werden zu einer Trierer Diskothek gerufen, weil ein Mann dort auf der Tanzfläche Gäste angepöbelt und Sicherheitsleute angegriffen hat. Als sie angekommen seien, sei der stark angetrunkene Mann, den die Sicherheitsleute vor der Diskothek auf dem Boden festhalten, äußerst aggressiv gewesen, erinnert sich Hillen. Er habe die Beamten aufs Übelste beschimpft und beleidigt. Als sie den Mann mit großer Kraftanstrengung in den Streifenwagen bugsiert hätten, sei er völlig ausgerastet, habe immer wieder gegen den Vordersitz getreten und diesen demoliert. Auf der Fahrt zur Wache habe der an Händen und Füßen gefesselte Mann dann versucht, ihm den Kopf ins Gesicht zu stoßen, sagt Hillen. Seinem Kollegen habe er in die Augen gespuckt.

Vor der Wache hätten sie zu viert den Mann aus dem Wagen zerren müssen. Er habe sich so stark gewehrt, dass alle vier Beamten gestürzt seien. Bei der Vernehmung sei er dann zunächst ruhig gewesen. Plötzlich, ohne Vorwarnung, habe ihn der Mann mit seinem linken Fuß ins Gesicht getreten, sagt Hillen. Der Schuh habe ihn mit voller Wucht am Kiefer getroffen. „Ich habe einen starken Schmerz gefühlt, konnte nicht mehr reden, der Kiefer hing schief im Gesicht.“

Hillen musste ins Krankenhaus. Der Verdacht auf Kieferbruch hat sich zwar nicht bestätigt, aber der Kiefer war ausgerenkt. Außerdem hat der Oberkommissar eine Gehirnerschütterung davongetragen. Eine Woche war er krankgeschrieben. Zwar sei er nach dem Vorfall nicht ängstlicher geworden („Wenn ich in meinem Job Angst hätte, wäre ich fehl am Platz“), aber bei Einsätzen sei er vorsichtiger geworden.

Polizisten müssten ständig damit rechnen, Opfer von Gewalt zu werden, sagt der Trierer Polizeipräsident Rudolf Berg. Und genau das macht ihn betroffen, Seine Beamten hätten es mit einer zunehmenden Respektlosigkeit zu tun. Sie würden immer häufiger beleidigt, beschimpft, bedroht oder bespuckt. „Das kann nicht hingenommen werden“, sagt Berg. Das sagt auch Benno Langenberger, Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft: „Wer eine Polizistin oder einen Polizisten attackiert, greift einen Repräsentanten des Staates an und bringt damit seine Ablehnung gegenüber staatlicher Autorität zum Ausdruck.“

Um solche Attacken auf Polizisten zu verhindern und Angreifer außer Gefecht zu setzen, hat die Trierer Polizei ein Jahr lang Elektroschocker, sogenannte Taser, getestet. Dabei habe sich gezeigt, dass bereits die Androhung, den Taser einzusetzen, in einigen Fällen abschreckend gewirkt habe, sagt Berg.

Viele seiner Kollegen zeigten Beleidigungen und Körperverletzungen überhaupt nicht mehr an, sagt Langenberger. In aufwendigen und belastenden Gerichtsverfahren müssten sie oft miterleben, „wie solche Verfahren eingestellt oder Täter minimal bestraft werden“.

Der Trierer Jurist Mark Zöller erklärt in einer Stellungnahme für den Innenausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags, dass besonders hohe Strafen weniger abschreckend wirken als eine „konsequente und zeitnahe Verfolgung“. Die Politik, so die Empfehlung Zöllers im vergangenen Jahr, sollte darüber nachdenken, die Polizisten besser zu entlohnen. Das sei ein „ganz einfacher Weg, den Polizeibeamten die ihnen gebührende Wertschätzung auszudrücken“.