Wenn Pfleger zu Mördern werden, es gibt keine absolute Sicherheit in Kliniken

Keine absolute Sicherheit in Kliniken : Wenn Pfleger zu Mördern werden

Trotz verschiedener Maßnahmen gibt es keine absolute Sicherheit in den Kliniken. Fälle, wie die des Pflegers aus dem Saarland, der fünf Patienten ermordet haben soll, lassen sich kaum verhindern.

„Eigentlich“, sagt Heribert Frieling, „ist es unvorstellbar, dass jemand, der Menschen helfen will, Menschen tötet.“ Dass Pfleger zum Mörder werden, kann nicht nur der Sprecher der Marienhaus GmbH nicht verstehen. Doch immer wieder gibt es solche Fälle. Pfleger bringen Patienten um. Entweder, weil sie glauben, diese von ihrem Leid zu erlösen.

Oder weil sie sich als Retter aufspielen wollen. So wie der im Juni wegen 85-fachen Mordes verurteilte Pfleger Niels Högel. Oder wie mutmaßlich der Pfleger aus dem Saarland, dem derzeit mindestens fünf Patientenmorde und zwei versuchte Morde angelastet werden. Er soll Patienten nicht verordnete Medikamente in zu hohen Dosen verabreicht haben, um sie dann wiederzubeleben. Der schreckliche Verdacht: In einigen Fällen ist es ihm das wohl nicht gelungen. In wie vielen, das steht noch nicht fest.

Jenny Marmann, Pflegedirektorin des Bitburger Krankenhauses, das wie das in Hermeskeil und Gerolstein zur Marienhaus GmbH gehört, vergleicht das mit einem Feuerwehrmann, der zum Brandstifter wird, um dann das von ihm gelegte Feuer zu löschen. „Wenn ein Pfleger kriminelle Energie hat, dann findet er Möglichkeiten, Patienten zu schaden“, sagt sie. „Solche Vorfälle kann man in letzter Konsequenz nicht  immer verhindern“, heißt es auch aus dem Saarburger Krankenhaus. Eine absolute Sicherheit gebe es nicht, lautet die übereinstimmende Antwort aus Kliniken in der Region. Und das trotz der verschiedenen Sicherheitsvorkehrungen, die in den Häusern getroffen wurden. Auch als Konsequenz aus dem Fall Högel. Im Trierer Mutterhaus wird jeder Tod eines Patienten während des Klinikaufenthaltes auf Besonderheiten hin überprüft. „Auch werden einmal jährlich alle Todesfälle als Gesamtheit betrachtet und auf Auffälligkeiten hin kontrolliert“, sagt eine Sprecherin des Krankenhauses.

Das Richten und die Ausgabe der Medikamente erfolge ausschließlich nach dem Vier-Augen-Prinzip, heißt es aus dem Trierer Brüderkrankenhaus. Jedes Medikament, das Patienten verabreicht werde, müsse dokumentiert werden und der Eintrag mit dem Kürzel des jeweiligen Pflegers versehen werden, berichtet die Pflegedirektorin des Bitburger Krankenhauses. Zwei Mal pro Woche werde die Dokumentation kontrolliert.

Der Umgang mit Betäubungsmitteln ist in allen Kliniken streng geregelt. Sie werden überwiegend in abschließbaren Schränken aufbewahrt, Marmann spricht vom „Giftschrank“: Die Ausgabe von Betäubungsmitteln werde  erfasst, untypische Verbrauchsmengen oder Verabreichung von nicht verordneten Medikamenten würden  auffallen, sagt Mogendorf. Die Dokumentation werde einmal im Monat durch den jeweiligen Oberarzt oder Chefarzt kontrolliert.

Der Pfleger aus dem Saarland, der derzeit wegen Betrugs in Haft sitzt, hat sich vor drei Jahren zwei Mal hintereinander als Notarzt ins Saarburger Krankenhaus geschlichen. Einmal wollte er eine Patientin, die es aber gar nicht gab, nach Homburg verlegen. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurden die Mitarbeiter auf der dortigen Intensivstation misstrauisch. Sie informierten die Polizei und vereinbarten, die Beamten zu rufen, wenn der Mann wieder auftauche. In der Nacht drauf war es dann so.

Dieses Mal gab der Mann an, Untersuchungen an einem Patienten durchführen zu wollen. Die alarmierten Polizisten nahmen den Mann dann kurze Zeit später vorläufig fest. Das zeige, dass die Sicherheitsmaßnahmen im Saarburger Krankenhaus funktionieren, sagt ein Sprecher des Kreises Trier-Saarburg, der Träger der Klinik ist.

Anlässlich des Welttages der Patientensicherheit am 17. September informiert das Brüderkrankenhaus Trier von 11 bis 15 Uhr über das Thema Sicherheitskultur.

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