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Rheinland-Pfalz
Nach Massaker mit Schafen: Wie gefährlich ist der Wolf?

FOTO: SZ / Lorenz, Robby
Trier/Mainz. Ein Angriff in der Oberlausitz wühlt Schäfer auf, die eine Ansiedlung in Rheinland-Pfalz fürchten. Die Ampelkoalition streitet darüber, ob das Raubtier geschossen werden soll. Von Florian Schlecht
Florian Schlecht

Ein blutiges Massaker in der Oberlausitz befeuert die Debatte in Rheinland-Pfalz, wie gefährlich Wölfe für Tiere und Menschen sind. Die Trierer Wanderschäferin Lisa Vesely äußert sich entsetzt über Bilder aus Sachsen, wo ein Wolfsrudel in dieser Woche fast 40 Schafe und Ziegen getötet hat. Deutschlandweit gab es in diesem Jahr ähnliche Fälle. „Ich habe große Angst davor, dass sich der Wolf auch in Rheinland-Pfalz ausbreitet. Kommt es so weit, höre ich mit meinem Beruf auf, weil es für Herdentiere keinen wirksamen Schutz gibt“, sagt Vesely, die mit ihrer Mutter 750 Mutterschafe betreut und sich auf Facebook in einem emotionalen Appell für den Schutz von Schafen aussprach. Mehr als 200 Nutzer teilten den Beitrag.

Michael Horper vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau sagt: „Es ist höchste Zeit, Wölfe endlich in das Jagdrecht aufzunehmen.“ Der Eifeler prophezeit, die Gesellschaft werde sich entweder für den Wolf oder für die Nutztiere entscheiden müssen. „Setzt sich die Willkommenskultur für den Wolf fort, werden Halter von Schafen, Ziegen und Kühe ihre Betriebe aufgeben“, sagt Horper. Er warnt vor Wolfsansiedlungen im Hunsrück und in der Eifel, die bislang Fehlanzeige sind. Dennoch: Im Februar hatte ein Wolf in Luxemburg nur Kilometer vom Eifelkreis Bitburg-Prüm entfernt ein Schaf gerissen. Im Westerwald soll sich ein Wolf fest angesiedelt haben. Und in diesem Jahr gab es bereits acht Fälle, in denen ein Wolf im Land nachgewiesen wurde.

CDU-Rebell Michael Billen warnt: „Der Wolf ist kein Kuscheltier, sondern ein gefährliches Raubtier.“ Eine Gefahr für den Menschen, wie es der Eifeler behauptet, sei das Tier nicht, da es die Konfrontation scheue, meint Tatjana Schneider vom Wolfspark im saarländischen Merzig. Skeptisch ist Schneider, ob sich die Wölfe von Weidetieren abhalten lassen, die einfachere Beute seien als Jagdtiere im Wald: „Wenn ich abends von einem Drei-Sterne-Koch zu einem Menü eingeladen werden kann oder im Supermarkt selber einkaufen muss, fällt mir die Wahl auch leicht.“

Der Trierer Andreas Lindig, Landeschef des Tierschutzbunds, fordert von Schäfern, hohe Zäune zu bauen und spezielle Herdenschutzhunde einzusetzen. Das grün geführte Umweltministerium teilt mit, Bedenken von Schäfern ernst zu nehmen. Sichere Zäune fördere das Land mit bis zu 90 Prozent, Schäden an Tieren gleiche es vollständig aus. Eine aktive Wolfsansiedlung betreibe das Land nicht. Getötet werden darf ein Wolf in Rheinland-Pfalz nur, wenn er verhaltensauffällig ist. Das soll so bleiben – und entfacht Kritik aus Reihen der eigenen Ampelkoalition. Der Vulkaneifeler FDP-Landtagsabgeordnete Marco Weber sagt: „Ich fühle mich durch den Vorfall in Sachsen in meiner Position bestätigt, was für ein gefährliches Tier der Wolf ist.“ Der Lissendorfer fordert vom Ministerium, den Wolfsplan nachzubessern und das Tier ins Jagdrecht aufzunehmen. Bislang müssten sich Jäger vor Gericht verantworten, wenn sie einen Wolf erlegen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) sagt, die Ausbreitung des Wolfes bedrohe Existenzen. „Es reicht nicht, Präventionsmaßnahmen wie Zäune und Schutzhunde zu fördern und den Verlust gerissener Tiere finanziell auszugleichen.“

FOTO: dpa / Julian Stratenschulte