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Luftverkehr
Wie geht es weiter am Hahn? Unruhe wegen gestrichener Flüge

FOTO: dpa / Thomas Frey, dpa
Hahn. Möglicherweise über 200.000 Passagiere weniger durch Wegfall von Verbindungen. Die CDU will im Landtag darüber diskutieren. Ein Experte sieht vorerst keine Gefahr für den Airport. Von Bernd Wientjes und Florian Schlecht

Die Nachricht, dass die irische Fluggesellschaft Ryanair fünf Verbindungen vom Hahn aus streichen und eins der bislang fünf stationierten Flugzeuge aus dem Hunsrück abziehen will (der TV berichtete), sorgt für Unruhe. Die CDU will das Thema in den Landtag bringen. „Es ist offenkundig versäumt worden, Ryanair vertraglich klare Garantien abzuringen, sich an den Standort Hahn zu binden“, sagt Fraktionsvize Alexander Licht. Es sei erkennbar gewesen, dass der Hahn schweren Zeiten entgegengehe, seit Ryanair angekündigt habe, sich für große Flughäfen wie Frankfurt und Luxemburg zu öffnen. Er gibt, genau wie der Landesvorsitzende der Jungen Union, Johannes Steiniger, der Landesregierung die Schuld an der aktuellen Lage. „Wenn jetzt nichts geschieht, dann wird der Flughafen Hahn ausbluten“, sagte Steiniger.

Ryanair hat überraschend angekündigt, ab 25. März vier Strecken (Porto, Valencia, Treviso und Zadar) vom Hahn nach Frankfurt zu verlegen und eine komplett zu streichen.  Betroffen davon sind auch Passagiere, die bereits Flüge gebucht haben. Wie etwa Tia Loes aus Luxemburg. Sie habe am Donnerstagabend von Ryanair per Mail erfahren, dass ihr für  Juli gebuchter Flug ins kroatische Zadar „aus kommerziellen Gründen“ gestrichen worden sei, erzählt sie dem TV.  Bereits im vergangenen Jahr sind Verbindungen vom Hahn nach Frankfurt und Luxemburg verlegt worden. Im Sommer fliegt Ryanair vom Hunsrück aus noch 40 Ziele an, im vergangenen Jahr waren es noch 53.

Wie viel Passagiere durch die Streckenstreichung am Hahn wegfallen werden, darüber gibt es keine offiziellen Aussagen. Weder die Flughafengesellschaft noch Ryanair äußerten sich gestern auf Nachfragen unserer Zeitung. Die dem Flughafen gegenüber kritisch eingestellte Bürgerinitiative Nachtflughafen Hahn rechnet mit 270 000 Passagieren weniger und Umsatzeinbußen von rund zwei Millionen Euro. Bereits 2017 ist die Zahl der Passagiere um fünf Prozent auf rund 2,5 Millionen  zurückgegangen.

Für den Flughafen-Experten Christoph Brützel aus Bad Honnef ist die weitere Verlagerung von Flügen vom Hahn nach Frankfurt wenig überraschend. Der Konkurrenzflughafen biete den Iren „markante Vergünstigungen, um seine Abhängigkeit vom Lufthansa-Konzern zu reduzieren“. Er geht davon aus, dass sich die neuen Gesellschafter des Hahn — seit vergangenem Jahr gehört dieser mehrheitlich der chinesischen HNA — gegenüber Ryanair „rigider positionieren“. Trotzdem sieht Brützel vorerst keine Existenz-Gefahr für den finanziell angeschlagenen Flughafen. Allerdings steckt auch HNA selbst in finanziellen Schwierigkeiten. Auf über 100 Milliarden Dollar sollen sich deren Schulden belaufen. Es könne sein, dass der Konzern zwar seine für 15 Millionen Euro vom Land Rheinland-Pfalz gekauften Anteile am Hahn behalte, aber nichts mehr investiere, sagt der China-Experte Manuel Vermeer aus dem pfälzischen Wiesloch. „Ein Stopp weiterer Investitionen wäre für den Flughafen katastrophal.“ Der Verkauf der Anteile sei schwierig, sagt er, „da ja kein weiterer Käufer in Sicht ist.“