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2020 deutlich weniger Pleiten in der Region Trier

Insolvenzen : Insolvenzbilanz 2020: Die Ruhe vor dem Sturm

 In jedem anderen Jahr wäre die Bilanz der Auskunfttei Creditreform eine dicke Schlagzeile wert. Die Unternehmenspleiten in der Region Trier sind im vergangenen Jahr gegenüber 2019 um fast ein Viertel gesunken (siehe Grafik).

Nach 115 im Jahr 2019 waren es im vergangenen Jahr noch 88 Firmeninsolvenzen.

Die Zahl der Privatinsolvenzen ist auf 227 Verfahren und damit um über 40 Prozent gesunken. Diese Entwicklung in dem vielleicht schwierigsten Wirtschaftsjahr seit Ende des Zweiten Weltkriegs verlangt nach Erklärungen.

Creditreform-Chef Herbert Eberhard beobachtet das Insolvenzgeschehen in der Region seit Jahrzehnten. „Zur Abfederung der Folgen der Corona-Pandemie hatte die Bundesregierung zahlreiche Hilfs- und Stützmaßnahmen für die Wirtschaft beschlossen und die Insolvenzantragspflicht mehrere Monate lang ausgesetzt.“ Das trage zu dieser außergewöhnlichen Entwicklung bei.

„Nachdem die Insolvenzantragspflicht bei Zahlungsunfähigkeit – nicht bei Überschuldung – demnächst wieder in Kraft treten wird, dürften das Ende der Eindämmungsmaßnahmen und die Auswirkungen der Wirtschaftskrise die Insolvenzen ab Herbst 2021 deutlich ansteigen lassen“, mutmaßt Herbert Eberhard.

Auch für den Rückgang bei den Privatinsolvenzen sieht der Experte einige Gründe: „Coronabedingte Einschränkungen, wie beispielsweise bei Schuldnerberatungen und Behörden, aber vor allem die Pläne der Bundesregierung zur Reform des Insolvenzrechts wirken sich hemmend auf die Zahl der Privatinsolvenzen aus (siehe Artikel oben).“

Bundesweit sind 45 800 private Insolvenzen (2019: 62 810) gemeldet worden, dies entspricht einem Rückgang von 27,1 Prozent.

Davon losgelöst ist allerdings die regionale Entwicklung bei Unternehmen und Privathaushalten deutlich besser als im Bundesdurchschnitt.

So ist die Zahl der Unternehmenspleiten im vergangenen Jahr bundesweit um 13,4 Prozent gesunken. 16 300 Unternehmen mussten Insolvenz anmelden. Das ist der niedrigste Wert seit der Einführung der Insolvenzordnung im Jahr 1999.

Nach Branchen aufgeschlüsselt ist die Entwicklung in der Region unterschiedlich. Im Bereich der Dienstleistungsunternehmen ging die Zahl der Pleiten von 81 auf   72 (-11,11 Prozent) zurück, bei Handel von 14 auf 4 (-71,43), in der Baubranche von 19 auf 11 (-42,11), während das verarbeitende Gewerbe 2019 und 2020 nur eine Insolvenz meldete.

Von den Insolvenzen waren  2020 rund 427 Arbeitsplätze betroffen. Im Vorjahr waren dies noch rund 1200.

Unter den Unternehmen, die 2020 den Weg in die Insolvenz beschreiten mussten, zählt unter anderem die Firma Eifelwerk Systemtechnik GmbH in  Malbergweich (Eifelkreis Bitburg-Prüm) mit einem Umsatzvolumen von 2,15 Millionen  Euro und  13 Mitarbeitern, die Firma Benedum GmbH, Trier (1,18 Millionen Euro, 31 Mitarbeiter) und die Firma Divendo Integration gGmbH, Bernkastel-Kues (1,1 Millionen Euro, 19 Mitarbeiter).