210 sichere Stellen bei der Telekom

210 sichere Stellen bei der Telekom

Der Neujahrsempfang des Arbeitskreises Trier stand unter einem guten Stern: 2008 stand das Telekom Callcenter in Trier mit 120 Arbeitsplätzen vor dem Aus. Gut ein Jahr später sind dort 210 Menschen beschäftigt, dank einer seltenen, überparteilichen Allianz von Politik und Gewerkschaft - dem Arbeitskreis Trier.

Trier. In der momentanen wirtschaftlichen Situation gibt es nur wenige Erfolgsgeschichten wie diese: Im Herbst 2008 teilte die Deutsche Telekom mit, dass die meisten der über 60 Call-Center bundesweit dichtgemacht werden. Allein in Rheinland-Pfalz standen vier der fünf Standorte auf der Streichliste, unter anderem Trier mit rund 120 Mitarbeitern. Doch an der Mosel wollten die Verantwortlichen den Kahlschlag nicht hinnehmen. Manfred Fritschen und Manfred Tölkes vom Verdi-Bezirk Fachbereich Telekommunikation, setzten alle Hebel in Bewegung, um die Jobs zu retten.

Außergewöhnliche Allianz



"Vielen Mitarbeitern standen die Tränen in den Augen, als sie erfuhren, dass ihre Arbeitsplätze nach Bonn verlagert werden sollten. Wir waren alle verzweifelt und ratlos. Umgehend haben uns Politiker bei der großen Protestaktion vor der Porta Nigra in Trier Hilfe zugesagt", erinnert sich Manfred Fritschen. Die rheinland-pfälzische Sozialministerin Malu Dreyer (SPD, der Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster (CDU), Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen, Trier-Saarburgs Landrat Günther Schartz (CDU) oder die Bundestagsabgeordnete Ulrike Höfken (Grüne) und viele mehr stiegen für das Trierer Callcenter in den Ring. "Diese engagierte und überparteiliche Aktion hat sich ausgezahlt. Heute, nachdem unser Arbeitsplatz gesichert ist, erkennen wir, wie erfolgreich sich die dort engagierten Politiker für unsere Belange eingesetzt haben", zieht Fritschen eine Bilanz. Die gemeinsame Aktion aller Kräfte überzeugte den Konzern: Im November 2008 trat die Telekom von ihren Schließungsplänen zurück und entschied, den Standort Trier zum Service-Center auszubauen.

Seit Anfang Dezember sitzen nun die Mitarbeiter im neuen Service-Center am Wasserweg in Trier. Der Arbeitskreis konnte beim Neujahrsempfang einen ersten Rundgang machen. Der Konzern hat sich den Ausbau einiges kosten lassen, von einem siebenstelligen Euro-Betrag ist die Rede. Die 166 Arbeitsplätze könnten im Drei-Schicht-Betrieb nach Ansicht von Experten von bis zu 300 Mitarbeitern genutzt werden. Derzeit arbeiten in Trier rund 210 Mitarbeiter.

Sozialministerin Malu Dreyer ist beim Empfang sehr erfreut: "Wenn man an die schwierige Ausgangslage von damals denkt, so ist es umso erfreulicher, wie die Sache heute aussieht." Für die Arbeitskreis-Mitglieder Malu Dreyer, Klaus Jensen, Bernhard Kaster und Hans-Peter Simon (Grüne) war vor allem die reibungslose Zusammenarbeit zwischen den Vertretern des Bundestages, des Landes und von Stadt und Kreis das Erfolgsrezept bei den schwierigen Verhandlungen. "Es war auch wichtig, dass uns die Gewerkschaft mit den entsprechenden Informationen gefüttert hat", sagte die Ministerin.

Verdi-Vertreter Tölkes hofft, dass auch bei anstehenden Problemfällen der erprobte Arbeitskreis helfen kann. Schon gebe es im Konzern neue Pläne, die Telefonvermittlung soll ab 2014 ausschließlich über die sogenannte IP-Telefonie laufen. Dies gefährde auch Arbeitsplätze in Trier. "Wir können und wollen den technischen Fortschritt nicht aufhalten, aber wir wollen ihn so begleiten, dass möglichst viele Jobs hier erhalten bleiben", sagte Fritschen. Derzeit beschäftigt die Deutsche Telekom noch rund 600 Menschen in der Region. Vor der Privatisierung waren es noch 2000, erklärt Fritschen. Auch bei der Ausbildungs-Situation hofft der Arbeitskreis auf eine Verbesserung. 2009 stellte der Konzern in Trier noch 15 Azubis ein, 2010 sind es nur noch sieben.