3-D-Möbel und E-Autos – Azubis aus der Region stellen prämierte Projekte vor

Nikolaus Koch Preis : 3-D-Möbel und E-Autos – Azubis aus der Region stellen prämierte Projekte vor

Ein Jahr lang haben sich Schüler an fünf Berufsschulen in der Region mit ihren Projektteilen beschäftigt. Jetzt ist das Projekt Zukunftsschmiede Berufsschule vorbei, aber die Schüler wollen weiterhin an ihren Ideen dranbleiben.

Moonika Pert hält einige der Puzzleteile hoch, die auf dem Präsentationstisch liegen und zusammengesetzt einen Kontoauszug ergeben. Es ist ein Teil des Projekts, das sie gemeinsam mit ihren Mitschülern der Trierer Berufsbildenden Schule Technik und Gestaltung (BBS GuT) entworfen hat. Insgesamt fünf Schulen haben sich an dem Projekt Zukunftsschmiede Berufsschule (siehe Info) beteiligt und je ein eigenes Projekt entwickelt (der TV berichtete). Nach einem Jahr Planen, Entwickeln und Umsetzen hat das Projekt nun in der Abschlussveranstaltung im Trierer Kasino am Kornmarkt geendet. Schüler und Lehrer laufen von Projektstand zu Projektstand und tauschen sich aus. Kleine Anekdoten werden erzählt und überwundene Hürden während der Projektarbeit diskutiert.

An der Berufsschule in Saarburg haben die Lehrlinge ihre eigenen Gesellenstücke, die in Form von eigenen Möbeln gestaltet werden, in 3-D entworfen. So konnten sie die Möbelstücke mit Hilfe einer Virtual Reality Brille (siehe Bild unten) im Raum stehen sehen, bevor sie die Entwürfe in die Tat umsetzten. Schüler Kevin Müller hat einen Schreibtisch als Gesellenstück entwickelt: „Es ist super interessant, einen Prototyp schon vorher in 3-D zu sehen.“ Die Berufsschüler haben für die digitale Entwicklung der Möbel mit der Hochschule Trier zusammengearbeitet. Kay Pascal Thömmes studiert dort Allgemeinen Maschinenbau und hat an dem Projekt mitgewirkt: „Es war neu für mich, mit Berufsschülern gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten.“ Lehrreich sei die Kooperation für beide Seiten gewesen.

An der Trierer Berufsschule für Gestaltung und Technik haben sich die Schüler der Aufgabe gestellt, einem benzinbetriebenen Audi A2 einen Elektromotor zu verpassen. Laut Berufsschullehrer Thomas Brach soll das Auto in Zukunft zugelassen und auch weiter zu Lernzwecken in der Schule eingesetzt werden. „Der Motor hängt schon dran, jetzt geht es noch um das Drumherum“, sagt er. Viele der Trierer Schüler führen das Projekt auch weiterhin in ihrer Freizeit fort. Lehrling Felix Wänke erzählt: „Ein Vorteil des Projekts war, dass wir wirklich viel praktisch gearbeitet haben, das ist anders als nur schreibend am Tisch zu sitzen.“

Die Wittlicher Berufsschule hatte es sich ebenfalls zur Aufgabe gemacht, ein benzinbetriebenes Auto zu einem Elektroauto umzubauen. Hier handelte es sich nicht um einen Audi, sondern um ein Nutzfahrzeug, das anschließend dem Hausmeister zur weiteren Nutzung übergeben werden soll. Da sich zunächst keine passende Hinterachse fand, ist das Projekt noch in Arbeit. Allerdings geben die Schüler das Vorhaben an die nachfolgende Klasse weiter. Lehrer Stefan Weiler sagt zum aktuellem Stand: „Wir suchen jetzt gerade einen passenden Elektromotor. Die fertige Hinterachse haben wir sogar mit hierhin gebracht.“ Berufsschüler Max Muszarsky sagt: „In meiner Firma kam ich bisher nicht mit der E-Mobilität in Berührung. Wir fangen hier bei den Grundlagen an – es ist super, dass wir das mitgestalten können.“

Das zweite Projekt an der Trierer Berufsschule für Gestaltung und Technik beschäftigt sich mit dem sogenannten Smart Home. Lehrer Peter Adam erklärt anhand eines Schaubilds, dass die Schule plant, einen kleinen Raum dazu zu nutzen, neue Techniken auszuprobieren: „Wenn man in den kleinen Raum dort 15 Schüler setzt, dann sinkt ziemlich zügig der Sauerstoffgehalt. Den misst man mit einem Gerät, das dann ein Signal weitergeben soll, wenn der Sauerstoffgehalt zu niedrig wird. Daraus würde dann folgen, dass die Smart Home Technik als Gegenmaßnahme selbstständig das Fenster öffnet, damit wieder mehr Sauerstoff in den Raum gelangt.“

Die Schüler der Trierer BBS für Gestaltung und Technik haben für Förderschüler ein Stationenlernen zum Finanzwesen entwickelt. Die Kiste, die Moonika Pert (Vierte von rechts) in der Hand hält, ist das fertige Paket, das nun an mehreren Förderschulen der Region verwendet werden soll. Foto: Marlene Bucher

Die Berufsschule für Wirtschaft in Trier ist die einzige, die seit Beginn der Zukunftsschmiede im Juli 2018 ein soziales Projekt auf den Weg gebracht hat. Die Lehrlinge haben gemeinsam mit den Förderschülern der Trierer Porta-Nigra-Schule eine Art Stationenlernen entwickelt, das den Förderschulen das Finanzwesen leicht erklärt näherbringen soll. Schülerin Moonika Pert zeigt bei der Präsentation die einzelnen Bestandteile aus der fertigen Kiste, die bald an mehrere Förderschulen gehen soll: ein Video zur Einführung, ein Puzzle, eine Din A4 große EC-Karte mit Streifen zum Aufklappen, wie in einem Kinderbuch, eine Überweisung und eine Jeans, die man zur Übung bestellen kann. Azubi Tim Laudwein, sagt: „Ich denke, es werden sich immer Schüler finden, die unser Finanzprojekt weitermachen wollen. Die Rückmeldung von der Porta-Nigra-Schule war auch sehr gut.“

Yvonne Anders vom Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz fasst während des Treffens zusammen: „An allen Arbeiten kann man sehr gut erkennen, dass die Schüler sich Gedanken über die Ziele des Projekts gemacht haben.“ Die Vorgaben der Zukunftsschmiede Berufsschule habe sich auch an der Digitalisierung orientiert. „An dem Projekt in Saarburg kann man zum Beispiel sehen, wie gut man die Digitalisierung in einen handwerklichen Beruf integrieren kann.“

Vanessa Agné, Programmleiterin der Zukunftsschmiede Berufsschule, ergänzt zum Thema Digitalisierung, dass zum Beispiel die Trierer Schüler ihre Eltern per Youtube-Videos zum Umbau ihres Autos auf dem Laufenden hielten, auch um den Fortschritt zu dokumentieren. Während der Projektzeit habe außerdem ein Workshop zum Thema Digitalisierung den Schülern einige Denkanstöße gegeben.

Mehr von Volksfreund