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4800 Euro für Riesling-Senior

4800 Euro für Riesling-Senior

Die Liebhaber guter Tropfen haben bei der Weinversteigerung der VDP-Weingüter in Trier wieder tief in die Tasche gegriffen. Mehrere Flaschen fanden für über 1000 Euro pro Stück einen Abnehmer - und einige von ihnen dürften tatsächlich auch getrunken werden.

Trier. Die Spitzenweingüter der Region haben gerufen, die finanzkräftigen Weinliebhaber haben geantwortet. Bei der 123. Ausgabe der traditionellen Versteigerung der Mitglieder des Verbandes Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter (VDP) von Mosel, Saar und Ruwer ("Großer Ring") in der Trierer Europahalle sind die Preise erwartungsgemäß zum Teil auf mehrere Tausend Euro pro Flasche gestiegen. Alle 70 Posten wurden verkauft. "Ich hatte vor der Aktion schon ein gutes Gefühl. Der Jahrgang ist gut, die wirtschaftliche Konjunktur hat sich verbessert, und auch der Eurokurs stand günstig. Zudem haben wir gut geworben", sagt der Vorsitzende des Großen Rings, Egon Müller: "Es gab schon im Vorfeld viele Interessenten aus Deutschland, den USA, England, Frankreich und Asien."

Unter den Hammer kamen größtenteils edelsüße Weine des 2009er-Jahrgangs und historische Raritäten aus den Kellern der VDP-Güter. Besonders starke Preissteigerungen erzielten die Weine von Saar und Mosel. Die sieben Magnum-Flaschen (1,5 Liter) einer Scharzhofberger Auslese Goldkapsel des Weingutes Müller-Scharzhof waren bei 240 Euro pro Flasche angesetzt. Ihr Preis stieg aber auf 1068 Euro (alle Preise zuzüglich Mehrwertsteuer). Für eine 1,5-Liter-Flasche einer Auslese der Lage Brauneberger Juffer Sonnenuhr des Brauneberger Weinguts Fritz Haag bezahlten die Bieter am Ende 983,13 Euro. Der Einstiegspreis lag bei 180 Euro. "Es gab einige Interessenten, die ohne Limit mitgeboten haben", erklärt Müller den Preisschub. "Vor allem die begrenzt verfügbaren Magnum-Flaschen sind bei privaten Sammlern sehr beliebt." Wer genau den Wein gekauft hat, ist noch nicht bekannt. Traditionell geben die Interessenten ihre Gebote bei einer Handvoll Kommissionäre vor Ort ab, die sich dann stellvertretend Bietwettkämpfe liefern. Die spektakulärsten Preise der Versteigerung erzielten vor rund 350 Besuchern naturgemäß die Raritäten: Eine Flasche 1959er-Riesling vom Karthäuserhof in Eitelsbach war den Weinliebhabern 2427 Euro wert.

Deutliches Signal, dass es aufwärts geht



Der Jubiläumswein, ein 1911er-Riesling des Weingutes S.A. Prüm aus Wehlen (Kreis Bernkastel-Kues), erzielte den Tages-Höchstpreis von 4855,20 Euro. "Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass jemand diese Flasche tatsächlich aufmacht und trinkt", sagt Müller. Zwar gebe es auch einzelne Weine, die als Investition weiter gelagert werden, aber: "Die Weine der Region haben sich allgemein noch nicht als Wertanlagen etabliert." Jahrelang hätte die Mosel "am Boden gelegen". "In den vergangenen 20 Jahren gab es einen massiven Strukturwandel, die Anbauflächen sind um ein Viertel zurückgegangen. Und niemand wollte unsere Weine", sagt Müller. Die hohen Preise der Versteigerung seien ein "deutliches Signal, dass es wieder nach oben geht".

Trotz der Kometenpreise: Die Rekordmarke aus dem Jahr 1985 wurde nicht geknackt. Der höchste Preis, der jemals für eine Flasche Wein in Trier bezahlt worden ist, liegt bei 11 200 Mark (rund 5600 Euro). Damals ließ das Weingut von Hugo Thanisch aus Bernkastel-Kues eine 1921er Trockenbeerenauslese versteigern.