50 Cent und kein bisschen schadenfroh

50 Cent und kein bisschen schadenfroh

43 statt 34 Cent pro Kilogramm Milch - mit dieser Forderung gingen unlängst Tausende Landwirte bundesweit auf die Straße. Wären sie schadenfroh, könnten die Öko-Bauern über die Protest-Aktionen ihrer konventionell wirtschaftenden Kollegen nur schmunzeln: Sie bekommen schon seit Monaten 50 Cent pro Kilogramm.

Herscheid. Hermann-Josef Weber kann sich noch gut daran erinnern, wie es war Anfang der 80er Jahre, als er sich nach einer schweren Erkrankung dazu entschloss, den anderthalb Jahrzehnte zuvor von seinen Eltern übernommenen Bauernhof in einen ökologisch wirtschaftenden Betrieb umzurüsten. "Da bin ich von vielen Kollegen angeschaut worden, als wäre ich zu den Zeugen Jehovas übergetreten", sagt der heute 61-Jährige. Der mit seiner Familie in der kleinen Eifelgemeinde Herscheid nördlich von Prüm lebende Landwirt hat sich davon nicht beirren lassen. Auch nicht von den zahlreichen wirtschaftlichen Rückschlägen, die der Bio-Bauer im Laufe der Zeit erleiden musste. Etwa weil einige seiner Produkte nicht ausreichend nachgefragt wurden oder Anfang der 90er Jahre plötzlich Bio-Erzeugnisse den Markt überschwemmten. "Darunter viele aus zwielichtigen Quellen", sagt Weber.Die Quittung dafür bekamen auch jene Öko-Landwirte, die seriös wirtschaften und sich strengen Kontrollen ihrer jeweiligen Verbände unterwerfen. "Die Verbraucher verloren das Vertrauen und kauften wieder konventionell erzeugte Produkte", sagt Weber. Für jedes Kilogramm Bio-Milch, das der Eifeler seinerzeit seiner nordrhein-westfälischen Molkerei ablieferte, bekam er nicht viel mehr als seine traditionell wirtschaftenden Kollegen.Seit einiger Zeit allerdings geht die Schere deutlich auseinander. Während konventionell arbeitende Landwirte von ihren Molkereien immer weniger Geld pro Kilogramm Milch bekamen (etwa 34 Cent), stagniert der Öko-Milchpreis seit einem halben Jahr bei etwa 50 Cent. Eine Bio-Kuh gibt nur halb so viel Milch

"Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt", sagt Junior-Chef Josef Weber. Selbst alle Discounter hätten inzwischen immer mehr biologisch-dynamisch erzeugte Produkte in ihren Regalen. "Natürlich", sagt der 37-Jährige, "finden wir das gut", aber einen Grund zum Jubilieren gebe es dennoch nicht. Denn auch die Bio-Bauern leiden etwa unter den ständig steigenden Energiepreisen. Hinzu kommt, dass jede der 55 "Rotbunten" von Webers Schnee-Eifel-Hof mit 4500 Litern jährlich auch nur gut halb so viel Milch gibt wie eine konventionell gefütterte Kuh. "Wir haben gegenüber unseren Kollegen zwar einen Vorsprung beim Milchauszahlungspreis", sagt Josef Weber, "aber den brauchen wir auch, um die Kosten zu decken."Die derzeit immer weiter auseinanderklaffende Schere zwischen "normalem" und Bio-Milchpreis sehen Vater und Sohn Weber eher skeptisch. Wenn der Preisunterschied im Kühlregal zu groß werde, griffen wieder mehr Verbraucher zur dann deutlich günstigeren konventionellen Milch.So waren die beiden Eifeler Öko-Bauern denn auch weit davon entfernt, sich genüsslich zurückzulehnen, als ein paar Kilometer Luftlinie von Herscheid entfernt ihre Kollegen Ende Mai die Zufahrten zur Milch-Union Hocheifel (Muh) in Pronsfeld blockierten. "Es ist doch toll", sagt Senior Hermann-Josef Weber, "dass die Bauern endlich einmal geschlossen für etwas eintreten." Allerdings, schränkt der Junior ein, müsse bei den Landwirten auch das Bewusstsein wachsen, dass man einen Markt nicht mit Produkten überschwemmen dürfe. "Sonst gehen die Preise halt in den Keller." Dass er wie sein Vater Landwirt geworden ist, hat der 37-jährige Hof-Nachfolger nie bereut. "Das ist doch ein Familienbetrieb", sagt Josef Weber, der mit seiner Frau inzwischen vier Kinder hat. Und wie sieht Weber die Zukunft für einen Bio-Bauern? "Eher positiv", lautet die Antwort, "auch wenn es natürlich einige Unwägbarkeiten gibt."Wohl auch aus diesem Grund errichten die Webers auf dem wunderschön gelegenen Grundstück ihres Schnee-Eifel-Hofs derzeit zwei Ferienhäuser - aus Naturstämmen und mit Reetdächern.