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Arbeitsmarkt
5500 Arbeitskräfte zu wenig - Firmen müssen alle Register ziehen

Fachkräftemangel
Fachkräftemangel FOTO: TV / Lambrecht, Jana
Trier. 5500 Arbeitskräfte fehlen den Betrieben in der Region Trier nach einer Untersuchung von Handwerkskammer und Industrie- und Handelskammer. Die Lage hat sich zugespitzt und könnte sich weiter verschärfen. Von Heribert Waschbüsch
Heribert Waschbüsch

„Dramatisch“, „Problem Nummer 1“, „Unsere größte Herausforderung“. Bei der Vorstellung der jüngsten gemeinsamen Studie der Handwerkskammer (HWK) und der Industrie und Handelskammer (IHK) lassen die Akteure keinen Zweifel an der Dringlichkeit der Lage: „Die Betriebe finden kaum noch qualifizierte Arbeitskräfte“, sagt HWK-Geschäftsführer Matthias Schwalbach. Die Studie kommt auf eine Zahl von 5500 Fachkräften (siehe Info), die Unternehmen sofort einstellen würden, wenn sie sie denn bekämen.

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Dramatisch sei dabei vor allem die Entwicklung seit der letzten Umfrage. 2011 meldeten die Unternehmen einen zusätzlichen Bedarf von knapp 3200 Mitarbeitern, also rund 70 Prozent weniger als heute. Und die Wirtschaft erwartet sogar noch eine deutliche Verschärfung, wie IHK-Chefvolkswirt Matthias Schmitt betont: „Während 2011 nur zehn Prozent der Unternehmen fehlende Fachkräfte als großes Problem für den eigenen Geschäftserfolg betrachteten, sind es aktuell 24 Prozent, und für 2023 erwartet sogar fast die Hälfte der Betriebe spürbar negative Auswirkungen auf Umsatz und Gewinn.“

HWK-Geschäftsführer Matthias Schwalbach, IHK-Geschäftsführer Matthias Schmitt und Nikolai Sebastian Anton von der studentischen Unternehmensberatung contact & cooperation (v.l.) stellen die Studie vor.
HWK-Geschäftsführer Matthias Schwalbach, IHK-Geschäftsführer Matthias Schmitt und Nikolai Sebastian Anton von der studentischen Unternehmensberatung contact & cooperation (v.l.) stellen die Studie vor. FOTO: TV / HeriberT Waschbüsch

Laut Studie sind vor allem die in der Region vorherrschenden Kleinstbetriebe die Verlierer der Entwicklung. Matthias Schwalbach: „80 Prozent der Handwerksbetriebe haben fünf bis sechs Mitarbeiter. Ähnlich sieht es bei vielen IHK-Mitgliedsbetrieben aus – und die haben die größten Probleme, Mitarbeiter zu finden.“ Denn es falle Großunternehmen viel leichter, die gesamten Möglichkeiten der Mitarbeiterwerbung auszuschöpfen. Überregionale Stellenausschreibungen, Rekrutierung über soziale Medien, die Beschäftigung von Quereinsteigern oder gering Qualifizierten oder auch die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer, dies alles nutzen weit mehr als 80 Prozent der befragten Großunternehmen. Punkte, die Kleinstunternehmen als Maßnahmen angehen, sind vor allem familienfreundliche Arbeitsbedingungen (fast 80 Prozent), Weiterbildung, freiwillige soziale Leistungen und übertarifliche Bezahlung sowie verstärkte Ausbildung. Doch im Schatten Luxemburgs können hiesige Betriebe beim Lohn oft nicht mithalten.

Die Kammern wollen vor allem die Vielzahl der kleinen Unternehmen unterstützen. Schwalbach: „Wir helfen jedem Betrieb.“ Ein wichtiger Ansatz sei dabei, dass das Image der dualen Ausbildung aufpoliert werde. Denn die heimische Wirtschaft sucht keine Akademiker, sondern vor allem Mitarbeiter mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung (siehe Grafik).

„Unsere Umfrage zeigt deutlich, dass der zunehmende Trend hin zu akademischen Abschlüssen am konkreten Personalbedarf der regionalen, mittelständisch geprägten Wirtschaft vorbeigeht“, sagt Matthias Schmitt. Schwalbach unterstützt seinen Kollegen: „Die duale Ausbildung ist heute bei weitem keine Sackgasse mehr, sondern bietet beste Karrieremöglichkeiten.“

Die Kammern fordern deshalb, die Berufsorientierung in den Schulen zu verbessern, Hürden zur Integration von Migranten abzubauen und auch über Netzwerke das regionale Image zu stärken. Hoffnungen legen die Kammern zudem auf ein modernes Einwanderungsgesetz.

Letztendlich müssen die Unternehmen alle Register ziehen, um Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten.