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"Abends fahre ich oft in die Weinberge"

"Abends fahre ich oft in die Weinberge"

Tee oder Kaffee? Fotos von der Familie oder Kunstdrucke? Schnitt- oder Topfblumen? In dieser Serie besucht der Trierische Volksfreund Chefs von Unternehmen und Organisationen der Region Trier in ihrem Büro. Seit kurzem neu: Wir nehmen auf dem Chefsessel Platz und zeigen, welcher Blick sich von dort eröffnet. Heute ist der TV beim Güterdirektor Karsten Weyand im Verwaltungsgebäude der Bischöflichen Weingüter in der Trierer Innenstadt zu Gast.

In dieses Büro bin ich quasi von jetzt auf gleich hineingestolpert. Die Entscheidung, ob ich neuer Direktor werden sollte, musste 2010 ziemlich schnell fallen. Das Gute war: Ich kannte die Bischöflichen Weingüter gut, sie waren mein Ausbildungsbetrieb. 1992 hatte ich dort vor meinem Studium in Geisenheim ein einjähriges Praktikum gemacht - das Zeugnis hängt eingerahmt an einer Bürowand. Wenn man mir damals gesagt hätte, dass ich einmal Güterdirektor werde - ich hätte es wohl kaum geglaubt.
Die Einrichtung habe ich fast komplett von meinem Vorvorgänger Wolfgang Richter übernommen - sogar der Bürostuhl ist noch von ihm. Ebenso das Holzkreuz an der Wand. Daran habe ich den Olivenzweig gehängt, den ich vom Urlaub in der Toskana mitgebracht habe. Er wurde am diesjährigen Palmsonntag in Volterra geweiht.
Den Schreibtisch habe ich in unserem Materiallager entdeckt. Weil er so gut zu dem alten Holzschrank passt, habe ich ihn gegen den sehr pragmatischen weiß-blauen Tisch getauscht. Der dient mir jetzt als Ablage. Ebenfalls neu sind die beiden historischen Weinbau-Karten an der Wand. Eine zeigt den Regierungsbezirk Koblenz, in dem mein Heimatdorf St. Aldegund liegt. Die andere umfasst den Regierungsbezirk Trier. Es ist die vierte im Jahr 1906 veränderte Auflage der Originalkarte von 1868.
Und noch etwas habe ich mit in meinen Arbeitsraum gebracht: Die riesige Palme, deren große Wedel mittlerweile die Decke streifen - und das bei einem etwa drei Meter hohen Raum. Demnächst muss ich sie ein wenig beschneiden. Sie erinnert mich an meine Zeit in Südspanien, wo ich den Aufbau eines 15 Hektar großen Weinguts geleitet habe.
Ansonsten habe ich kaum Persönliches im Büro: Ich versuche, Privat- und Arbeitsleben voneinander zu trennen. Wobei mir das im Büro besser gelingt als zu Hause ... Über mein Handy bin ich auch nach Feierabend zu erreichen, allerdings haben nur wenige Mitarbeiter die Nummer. Wenn ich ins Bett gehe, schalte ich den Flugmodus ein. Ganz ausmachen geht nicht, da ich das Handy als Wecker nutze.
Im Büro bin ich meistens von 8.30 bis 18 Uhr. Nach stressigen Tagen fahre ich abends für eine Stunde in die Weinberge. Mir ist es wichtig, stets einen aktuellen Eindruck von der Entwicklung der Reben zu erhalten. Immer wieder fahre ich zum Beispiel zum Kanzemer Altenberg an der Saar, aber auch die Lagen an der Mittelmosel und der Ruwer besuche ich regelmäßig nach der Büroarbeit.
Zudem versuche ich, jeden Tag zur gleichen Zeit eine Mittagspause zu machen. Zum Essen gehe ich meist in das Priesterseminar um die Ecke. Dort wird immer sehr pünktlich um 12.30 Uhr mit dem Essen begonnen. Mit Kunden und Besuchern zieht es mich häufig in die Weinwirtschaft Friedrich Wilhelm an der Weberbach 75, die seit Anfang des Jahres vom Trittenheimer Sternekoch Alexander Oos und seiner Frau Daniela bewirtschaftet wird.
Aus dem Restaurant gelangt man auch in unsere weitläufigen Keller und umgekehrt - was für Besucher natürlich besonders spannend ist.

Aufgezeichnet von Ariane Arndt-Jakobs

Extra

Karsten Weyand, Sohn einer Winzerfamilie in St. Aldegund (Landkreis Cochem-Zell), studierte an der Hochschule Geisenheim Weinbau und Getränketechnologie. Danach machte der Diplom-Oenologe an der Justus-Liebig-Universität Gießen seinen Master im Fachbereich Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement und promovierte anschließend zum Doktor der Agrarwissenschaften. Von 1996 bis 2001 leitete er den Aufbau eines Boutique-Weinguts in Andalusien. Nach seiner Promotion arbeitete er als leitender Oenologe in der Binderer St. Ursula GmbH, einer Weinkellerei mit Sitz in München, sowie in der Geschäftsführung der Winzergenossenschaft Thüngersheim in Unterfranken. Seit Mitte 2010 leitet der heute 42-Jährige die Bischöflichen Weingüter Trier. Gesellschafter sind das Bischöfliche Konvikt Trier, das Bischöfliche Priesterseminar Trier sowie die Hohe Domkirche Trier. Die Weingüter verfügen über 95 Hektar Weinberge an Mosel, Saar und Ruwer. Seit 2004 gehört zudem das 30 Hektar große ehemalige Weingut der Stiftung Friedrich-Wilhelm-Gymnasium als Teilbetrieb zum Weingut. Die Weingüter beschäftigen 49 Mitarbeiter, darunter sechs Auszubildende. Im Jahr 2012 wurden 680 000 Flaschen abgefüllt. arn <%LINK auto="true" href="http://www.bischoeflicheweingueter.de" class="more" text="www.bischoeflicheweingueter.de"%>