Abspaltung beschlossen

METTLACH/MERZIG. Villeroy & Boch gründet den Unternehmensbereich Fliesen aus. Die Kostenstruktur soll dadurch transparenter werden. Insider reden allerdings auch von Verkauf oder strategischer Partnerschaft.

Der defizitäre Fliesenbereich des Keramik-Herstellers Villeroy & Boch (V & B) wird aus dem Konzern ausgegliedert und ab Januar 2006 in eine 100-prozentige Tochtergesellschaft umgewandelt. Das hat nach Unternehmensangaben der Aufsichtsrat beschlossen. Der Fliesensektor wird künftig als GmbH geführt. Geschäftsführer soll der schon heute zuständige Konzern-Vorstand Peter von der Lippe werden. Ausgliederung soll mehr Transparenz schaffen

Ziel dieser Maßnahme soll es sein, den Unternehmensbereich von so genannten zentralen Kosten zu entlasten. Dazu zählen die umfangreichen Produktpräsentationen des Mettlacher Traditions-Konzerns. Aber auch die Kosten der Informationstechnologie (IT) werden bisher noch auf alle Konzernbereiche umgelegt. Mit der Ausgliederung der Sparte will man mehr Transparenz erreichen, heißt es aus unternehmensnahen Kreisen. Man will herausfinden, was produktbedingter Verlust ist, und was auf die Übernahme produktionsfremder Kosten zurückzuführen ist. Insider weisen allerdings auch darauf hin, dass ein Verkauf der Fliesensparte oder eine strategische Partnerschaft mittelfristig nicht ausgeschlossen werden können. Damit soll erreicht werden, dass in der Zusammenarbeit innerhalb eines größeren Verbundes die V & B-Fliesen-Sparte eine bessere Überlebenschance haben könnte als wenn sie sich allein gegen mächtige Wettbewerber stemmen müsste. Durch Kooperationen könne man in die Lage versetzt werden, in allen Preissegmenten vertreten zu sein, ohne die Eigenständigkeit der Marke Villeroy & Boch aufzugeben, wird spekuliert. 1000 Mitarbeiter in Fliesensparte

Die zuständige Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG.BCE) macht allerdings deutlich, dass "der Betriebsrat und die Gewerkschaft alle Anstrengungen unternehmen wird, dass der Fliesenstandort Merzig dauerhaft erhalten bleibt". Das versicherte der IG.BCE-Vorsitzende Ulrich Küppers gegenüber unserer Zeitung. Die Fliesensparte beschäftigt derzeit noch 1000 Mitarbeiter. Vor wenigen Wochen war ein Sanierungsprogramm angekündigt worden, das zum Ziel hat, rund 13 Millionen Euro einzusparen. Villeroy & Boch hat in die Modernisierung der Fliesenfertigung im Werk Merzig seit dem Jahr 2000 rund 33 Millionen Euro investiert.