Ärger um Erntehelfer-Quote

Ärger um Erntehelfer-Quote

MAINZ. Die umstrittene Quote für osteuropäische Erntehelfer sorgt für Ärger. Der Einsatz deutscher Arbeitloser in der Spargelernte bringe nicht das erhoffte Ergebnis, klagt der Bauernverband und fordert Abhilfe. Für die Weinernte zeichnen sich bereits Probleme ab. Die Arbeitsagentur sieht positive Beispiele für Ernteeinsätze.

Norbert Schindler, Präsident des Bauernverbandes Rheinland-Pfalz Süd, sieht sich in seiner Skepsis gegen die neuen Bundesvorgaben zum Einsatz von Erntehelfern bestätigt: Alle Bemühungen, deutsche Arbeitslose für die Spargelernte zu gewinnen, hätten nur unbefriedigende Ergebnisse gebracht, sagt der Bauernpräsident und fordert, wieder einhundert Prozent osteuropäische Kräfte zuzulassen statt der seit diesem Jahr maximal erlaubten 90 Prozent. In einigen Betrieben sei die Ernte gefährdet, weil es keine deutschen Erntehelfer gebe, warnt Schindler.Unterschiedliche Auffassungen

Die Probleme, die bei den ersten Gemüseernten vor allem in der Pfalz und Rheinhessen auftreten, könnten nach den Befürchtungen der Bauern und Winzer bis zur Weinlese erst recht im ganzen Land akut werden. "Fakt ist, wir finden die zehn Prozent deutsche Arbeitslose als Erntehelfer nicht", so Leo Blum, Bauernpräsident des Verbandes Rheinland-Nassau. Die Anforderung deutscher Arbeitsloser funktioniert nach den Erfahrungen von Adolf Schmitt, Präsident der Mosel-Winzer, bislang nur in Einzelfällen. Damit vor allem größere Betriebe im Herbst keine wirtschaftlichen Einbrüche erlebten, müssten die Vorgaben flexibler eingesetzt werden, verlangt er. Albert Fuchs von der Regionaldirektion der Arbeitsagentur hält dagegen, auch wenn er einzelne Probleme einräumt. Insgesamt sind die Schwierigkeiten nach seinen Angaben nicht so eingetroffen wie von den Bauernverbänden vorhergesagt. Jetzt werde lediglich Druck gemacht, um die Eckpunkteregelung zu kippen, sagt Fuchs. Landesweit rund 2000 deutsche Arbeitslose haben sich nach seinen Angaben bereit erklärt, als Erntehelfer in der Landwirtschaft zu arbeiten, knapp 1300 Stellenangebot gibt es für sie. Doch nur 150 sind derzeit im Einsatz. Dass es momentan nicht mehr sind, liegt nach seiner Auffassung vor allem an den noch ausreichenden Kontingenten ausländischer Erntehelfer. Bislang sind von den rheinland-pfälzischen Landwirten 23 500 vorwiegend osteurropäische Hilfskräfte angefordert worden. Für sie ist eine Arbeitserlaubnis bereits zugesagt. Im vergangenen Jahr waren über die ganze Saison rund 50 000 Helfer im Einsatz. Nach der neuen Vorgabe dürfen 2006 nur noch 80 Prozent davon zugelassen werden. Können im Einzelfall trotz Überprüfung keine deutschen Arbeitslosen einspringen, erhöht sich das erlaubte Ausländer-Kontigent auf 90 Prozent. Arbeitsagenturen und Verbände bemühten sich zwar mit Informationsveranstaltungen und mehrtägigen bezahlten Trainings um deutsche Helfer, heißt es beim Bauernverband Süd. Allerdings sei das aufwändige Verfahren nur teilweise fruchtbar: "Wenn am zweiten Tag die Krankmeldung kommt, sind die Probleme immens." Fuchs sieht dagegen eine wachsende Zahl positiver Beispiele, in denen deutsche Arbeitslose längerfristig vermittelt worden sind. In einem Fall konnten 17 aus Sachsen angereiste Freiwillige durch die Arbeitsagentur kurzfristig an mehrere Bauern in der Pfalz vermittelt werden, nachdem ein anderer Landwirt abgesprungen war. Positive Erfahrungen gibt es zudem mit einem Kombilohn-Modell in der Südpfalz in Kooperation mit einem Maschinenbetriebsring, bei dem die Arbeitslosen als Zeitpersonal vermittelt werden und der Tariflohn von 4,78 auf sieben Euro aufgestockt wird. Auch in der Vorderpfalz bessern Arbeitsgemeinschaften den Lohn auf und zahlen teilweise Mobilitätshilfen von 500 bis 2000 Euro. Insgesamt gibt sich Fuchs optimistisch, dass die Landwirte am Ende mit der 90-Prozent-Quote leben können, zumal sich die Arbeitszeit dank neuer Grenzen verlängern kann. Keinen Anlass zur Änderung wird auch im Mainzer Arbeitsministerium für die umstrittenen Quoten gesehen, während die FDP das Ende der "bürokratischen, praxisfremden und erfolglosen Regelung" fordert.