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Als Metallgestalter seines eigenen Glückes Schmied

Handwerk : Als Metallgestalter seines eigenen Glückes Schmied

Maximilian Theel hat in der Trierer Kunstschmiede Unterrainer gelernt. Heute ist er einer der besten deutschen Metallbauer.

Von Wabern in Hessen zur Ausbildung nach Trier an die Mosel: Wer diesen Schritt geht, der muss schon davon überzeugt sein: Er gehört ins Handwerk. Maximilian Theel ist diesen Weg gegangen – und er hat es nicht bereut. Denn der inzwischen 25-Jährige hat nach Abitur und einem Semester Maschinenbau in Kassel das Handtuch im Studium geschmissen. Nun ist er einer von Deutschlands besten Metallbauern geworden, Fachrichtung Metallgestaltung. Doch was ist zwischen diesen beiden Stationen passiert?

Hieran trägt die Kunstschmiede von Klaus Unterrainer aus Trier einen entscheidenden Anteil. Denn nach einer Praktikumswoche in der Schmiedekunst steht für den jungen Mann fest, dass er von Hessen nach Trier zur Ausbildung umzieht. „Traditionelles Handwerk finde ich total interessant. Es macht mir viel Freude, mit einfachen Werkzeugen zu arbeiten“, hat Maximilian Theel festgestellt. Und weil er in seiner hessischen Heimat keine passende Lehrstelle findet, tauscht er die gewohnte Umgebung der beruflichen Erfüllung wegen gegen Hammer und Amboss, Feuer und Eisen in Trier. Die Darstellungen von Klaus Unterrainer im Internet haben es ihm nämlich angetan, der Funke springt sprichwörtlich auf den jungen Mann über: „Ich bin froh, dass ich diese Möglichkeit hatte und dort so viel lernen durfte. Es hat einfach alles gepasst.“

Der Gesellenbrief mit der Note „sehr gut“ qualifiziert ihn für die Teilnahme am Praktischen Leistungswettbewerb – und er liefert sein Gesellenstück, eine Schuhablage mit Sitzbank, ab. Auf Bundesebene wird er dafür mit dem dritten Platz ausgezeichnet. Aber auch bei der täglichen Arbeit entdeckt Maximilian Theel das Besondere an der Metallarbeit: „Jeder Auftrag hat seinen Reiz – ob Fenster, Gitter, Balkongeländer oder Kronleuchter.“ Er bedauert es, dass viele Zeitgenossen nicht mehr würdigten, wie viel Arbeit und Können in handwerklicher Schmiedearbeit stecken.

Davon hat der erfolgreiche Metallgestalter einiges im Trierer Stadtbild hinterlassen. Denn ob Spendendose der Abteikirche St. Matthias oder Schmiedetor in der Saarstraße, in Trier trifft man häufig auf die Schmiedearbeiten von Unterrainer. Etwa am Schmiedeschild einer Fassade in der Glockenstraße mit einem Vogelschnabel in einem Brotkörbchen und einem geschmiedeten Weinregal mit Oberlichtern in einem Trierer Gasthaus war Theel selbst beteiligt. „Es macht schon stolz, wenn man dort einkehrt und sagen kann: ,Das habe ich gemacht’ oder ,Daran habe ich mitgearbeitet’.“

 Das Gesellenstück zeigt die Genauigkeit der Schmiedearbeit.
Das Gesellenstück zeigt die Genauigkeit der Schmiedearbeit. Foto: Th. Theel/TH.THEEL

Nun lebt der heimatverbundene Geselle wieder in Nordhessen und will nach der Corona-Krise neue Herausforderungen angehen. Etwa mit den Schmiedemeisterschaften, in denen auch die weitere neue Herausforderung steckt: der Meistertitel. Den will Maximilian Theel natürlich auch machen, jedoch erst mal Erfahrung sammeln und an seinem Glück schmieden. Denn das Ziel in fünf Jahren steht fest: „Ich will mich selbstständig machen.“