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Am 31. Januar ist Max Bahr in Trier Geschichte

Ende Januar schließt Max Bahr in Trier. Die stellvertretende Marktleiterin Nicole Alt und Betriebsratschef Markku Bröhl hoffen aber noch auf einen Investoren und eine Zukunft am jetzigen Standort. TV-Foto: Heribert Waschbüsch
Ende Januar schließt Max Bahr in Trier. Die stellvertretende Marktleiterin Nicole Alt und Betriebsratschef Markku Bröhl hoffen aber noch auf einen Investoren und eine Zukunft am jetzigen Standort. TV-Foto: Heribert Waschbüsch
Trier. Nun ist es definitiv: Am 31. Januar wird der Max-Bahr-Baumarkt in Trier endgültig geschlossen. Gut ein Jahr gab es den neuen Markt dort. Von den einst über 100 Mitarbeitern sind nun noch 71 von der Schließung betroffen. Heribert Waschbüsch

Trier. "Und danach macht ihr aber wieder auf - oder?" Ein besorgter Kunde hat Markku Brühl gleich mal aufgehalten, als dieser mit der stellvertretenden Marktleiterin sich vor dem Max-Bahr-Baumarkt für ein "Wir-geben-nicht-auf-Foto" aufstellen will. Betriebsrat und Geschäftsführung, Seite an Seite, hoffen, dass der Trierer Standort doch noch eine Zukunft hat. Zwei mögliche Investoren gibt es nach Kenntnis des Betriebsrates, einen branchenfremden Interessenten und einen aus dem Baumarktbereich, sagt Markku Brühl. So lassen sich die 71 verbliebenen Max-Bahr-Mitarbeitern ihre Hoffnung nicht nehmen. Gestern haben sie alle die Kündigung erhalten. Am 31. Januar ist Schluss, der Markt wird besenrein übergeben. "Hier lässt aber niemand den Kopf hängen. Wir ziehen gemeinsam den Abverkauf durch", sagt stellvertretende Marktleiterin Nicole Alt. Zehn Prozent gibt es derzeit auf alle Waren, ob es später einen höheren Rabatt gibt, sei noch nicht sicher. "Wir haben eine sehr gute Lage, motivierte Mitarbeiter und treue Kunden, wie Sie eben gesehen haben," sagt der Betriebsrats-Chef mit dem finnischen Vornamen. Als Praktiker-Markt habe man seit 2005 an dem Standort immer schwarze Zahlen geschrieben. Nachdem der Markt aber zur Max-Bahr-Filiale wurde, wurde es schwierig. "Anfang Dezember sind wir ein Jahr am Markt. Viel Zeit uns zu beweisen, hatten wir nicht", sagt Brühl.
Ob ein Investor den Markt im Rahmen eines Betriebsübergangs übernimmt und damit die Beschäftigten mit ihren tariflichen Rechten einstellt, ist derzeit mehr als ungewiss. "Wenn es gut läuft, können wir unsere Arbeit behalten", sagt Brühl, und seine Betriebsratskollegin Stefanie Leitgen schickt gleich noch ein Bewerbungsmotto nach: "Motiviertes, gut ausgebildetes Team an hervorragendem Standort sucht einen vernünftigen Investor."Extra

Die letzte Hoffnung auf eine Gesamtübernahme der Praktiker-Märkte in Hillesheim und Daun ist dahin. Der 30. November ist der letzte Arbeitstag für die mehr als 60 Beschäftigten an den beiden Standorten der insolventen Baumarktkette. Die Mitarbeiter sollen in eine Transfergesellschaft wechseln. Im Juli meldete der Praktiker-Konzern Insolvenz an, bis Mitte Oktober hofften die Beschäftigten des Baumarktes in Hillesheim und des Extra Bau + Hobby-Marktes in Daun, der ebenfalls zu Praktiker gehört, auf einen Investor, der die insgesamt 51 deutschen Filialen als Paket übernimmt. Doch eine Übernahme hat nicht stattgefunden. Nach dem 30. November würden die Mitarbeiter in eine Transfergesellschaft wechseln, die ihnen 75 Prozent ihres letzten Gehaltes auszahle, sagt Betriebsrat Dirk Brülls-Vontrohn (der TV berichtete). nowExtra

Nach der Insolvenz haben viele Kunden Fragen nach Vorauszahlungen, fehlerhafter Ware, Ratenkauf und noch nicht eingelösten Gutscheinen. Die Verbraucherberatung hat die wichtigsten Punkte zusammengefasst: Die gesetzliche Pflicht zur Gewährleistung hat der Händler; das bedeutet: Er muss im Fall der Gewährleistung die Ware kostenlos reparieren oder austauschen. Für die Beurteilung im Falle der Insolvenz kommt es darauf an, ob der Anspruch vor oder nach Eröffnung der Insolvenz entsteht: Alle Gläubiger mit Ansprüchen aus der Zeit vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens müssen ihre Forderungen nur zur Insolvenztabelle anmelden. Ob in diesem Fall Ansprüche auf Gewährleistung erfüllt werden, hängt vom Insolvenzverwalter ab. Von der Insolvenz unberührt bleiben jedoch die Ansprüche, die sich aus den freiwilligen Garantien der Hersteller ergeben. Hat der Produzent eine Garantie gegeben, können Käufer mangelhafte Ware im Rahmen der Garantie direkt dort beanstanden. Kommt es infolge der Insolvenz zur vollständigen Geschäftsaufgabe, können Kunden ihre Ansprüche weiter beim Insolvenzverwalter geltend machen. Sie könnten die mangelhafte Ware also auf ihre Kosten reparieren lassen und diese Kosten im Wege des Schadensersatzes vom Insolvenzverwalter verlangen. Allerdings sind ihre Erfolgsaussichten, Reparaturkosten erstattet zu bekommen, wegen der Vielzahl der Forderungen gering. Vorauszahlungen: Im schlimmsten Fall gehen Anzahlungen oder Vorauszahlungen in die Insolvenzmasse über. Der Insolvenzverwalter kann entscheiden, ob solche teilweise bereits erfüllten Geschäfte noch abgewickelt werden. Winkt er ab, bleibt Käufern noch der Versuch, aus der Insolvenzmasse befriedigt zu werden. Allerdings zeigen alle Erfahrungen, dass die Kunden nur einen sehr bescheidenen Anteil erwarten können. Ratenkauf: Die Raten für gelieferte Ware müssen Verbraucher auf jeden Fall weiter bezahlen. Haben sie auf Rechnung gekauft, gilt stets: Erhaltene Ware muss bezahlt werden. Auf Vorkasse sollten Betroffene sich bei einem insolventen Unternehmen auf keinen Fall einlassen, da sie das Risiko tragen, dass ihre Zahlung bei ausbleibender Lieferung in die Insolvenzmasse fällt. Problematisch wird die Einlösung von Gutscheinen ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Dann können Forderungen aus dem Gutschein nur noch beim Insolvenzverwalter angemeldet werden. Ebenso könnte auch jetzt schon der vorläufige Insolvenzverwalter die Nichteinlösung von Gutscheinen anordnen, da es sich um Verbindlichkeiten des Unternehmens handelt und er die Insolvenzmasse zusammenhalten muss. hw