Ampel soll Verbrauchern helfen

Ampel soll Verbrauchern helfen

Wird es künftig eine Ampel auf Fertignahrungsmittel geben? Das EU-Parlament berät heute, wie Lebensmittel gekennzeichnet werden sollen, damit Verbraucher sehen, wie gesund sie sind.

Trier. Wer glaubt, er würde sich mit einer Portion Müsli aus der Packung morgens etwas Gutes tun, der täuscht sich. Die meisten Flocken und Körner enthalten nämlich ziemlich viel Zucker. Nicht besser sieht es bei Fruchtjoghurts aus. Geht es nach Verbraucherschützern, müsste auf diesen Produkten künftig bei den Fettangaben die Ampel rot anzeigen. Seit Jahren machen sie sich für die sogenannte Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln stark. Damit soll der Verbraucher auf den ersten Blick sehen, ob ein Produkt zu viel Zucker, Fett oder Salz enthält. "Wir brauchen eine europaweit verbindliche Nährwertkennzeichnung, die auf einen Blick sichtbar macht, wie viel Zucker, Fett und Salz ein Produkt enthält", sagt der aus Speicher (Eifelkreis Bitburg-Prüm) stammende Chef des Verbraucherzentrale-Bundesverbands, Gerd Billen.

Heute wird sich das Europaparlament mit einer europaweit einheitlichen Kennzeichnung von Lebensmitteln beschäftigen. Die Hälfte der Abgeordneten ist für die Ampel. Er sei für "möglichst große Klarheit und Verbraucherfreundlichkeit bei der Kennzeichnung", sagt der rheinland-pfälzische SPD-Europaabgeordnete Norbert Neuser (Boppard). Er fordert zudem, dass für landwirtschaftliche Produkte wie Milch oder Fleisch künftig eine Herkunftsangabe verpflichtend ist. Davon hält die aus Osann-Monzel (Bernkastel-Wittlich) stammende CDU-Europaabgeordnete Christa Klaß nichts: "Das kann heute gar nicht mehr durchgesetzt werden." Als Beispiel nennt sie die Molkerei Milchunion Hocheifel in Pronsfeld (Bitburg-Prüm). "Die sammelt die Milch in Deutschland, Belgien und Luxemburg." Auch die Ampel lehnt Klass ab: "Wenn natürlicher Apfelsaft wegen seines Zuckergehalts eine rote Markierung bekommt und eine künstliche, ohne Zucker hergestellte Cola light eine grüne, dann kann dieses System nicht den Kern treffen."

"Die Pflichtangaben dürfen nicht zu einer Bevormundung des Verbrauchers führen", sagt auch ihr Parteikollege Werner Langen aus Cochem. Auch er ist gegen eine Lebensmittelampel, genau wie die meisten Konservativen im EU-Parlament. Auch die Industrie ist gegen die Ampel.

Doch viele Hersteller geizen mit Angaben zum Zucker- und Fettgehalt ihrer Produkte. Eine bundesweite Untersuchung der Verbraucherzentralen an über 3500 Lebensmitteln von mehr als 50 Herstellern ergab, dass etwa bei Milchprodukten, Wurst oder Süßigkeiten oft wichtige Nährangaben fehlen. Der FDP-Europaabgordnete Jürgen Creutzmann aus dem pfälzischen Dudenhofen fordert eine einheitliche Nährwertkennzeichnung; das erleichtere den Produktvergleich innerhalb Europas. Außerdem könnten die Hersteller durch einheitliche Verpackungen die Vertriebskosten senken.

Unklar ist, wie die heutige Abstimmung im Parlament ausgehen wird. Der zuständige Umweltausschuss hat sich im März mit knapper Mehrheit für die Ampelkennzeichnung ausgesprochen. Nach der Debatte im Parlament liegt die Entscheidung über die Kennzeichnung beim EU-Ministerrat, in dem alle Mitgliedsstaaten vertreten sind. extra Die Nährwert-Ampel soll Verbrauchern helfen, auf Fertigprodukten wie Müsli oder Dosenravioli auf einen Blick zu erkennen, ob sie zu viel Fett, Zucker oder Salz enthalten. Rot steht für Zuviel des jeweiligen Inhaltsstoffes. Ein mittlerer Gehalt wird mit Gelb gekennzeichnet und grün steht eine empfehlenswerte Menge. In Großbritannien gibt es bereits eine solche Ampelkennzeichnung. Zurzeit besteht keine gesetzliche Pflicht, Produkte zu kennzeichnen. Oft würden die Hersteller nur den Energiegehalt und den Gehalt an Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten klein gedruckt auf der Packung angeben, kritisieren Verbraucherschützer. Das reiche nicht aus für eine gesundheitliche Bewertung von Lebensmitteln. (wie)