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Angst vor Auftragsloch: Wie sind die Aussichten im Handwerk in Eifel, Trier, Mosel?

Wirtschaft : Aussichten im regionalen Handwerk: Erst Boom, dann Einbruch? Angst vor Auftragsloch wächst

Fachkräftemangel und Preisexplosion im Handwerk: Die Kalkulation für Betriebe wird schwieriger. Viele verweigern öffentliche Aufträge, Privatkunden schieben Bauaufträge auf.

In Stolz und Freude über die Einweihung des neuen Bildungscampus des regionalen Handwerks am Freitag mischt sich auch eine große Verunsicherung über die Zukunft der Zunft. Neben dem größer werdenden Fachkräftemangel mehren sich die Zeichen, dass nach dem derzeitigen Boom vor allem am Bau das dicke Ende noch aussteht. „Die zunehmenden Schwierigkeiten gerade im Baubereich sind deswegen beunruhigend, weil sich der Bau über die Pandemie hinweg stets als stabilisierender Konjunktur-Anker erwiesen hat“, sagt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) im TV-Interview.

Doch die Risiken seien enorm, es gebe eine „Preisexplosion bei Energie und durch nicht lieferbare Rohstoffe, das aktuelle Fachkräftereservoir wird nicht ausreichen, das dämpft die Nachfrage nach handwerklichen Waren und Dienstleistungen“.

Und so befürchtet die Handwerkskammer (HWK) Trier zum Ende des Jahres „ein Auftragsloch“, sagt Hauptgeschäftsführer Axel Bettendorf. Zwar sei die Stimmung bei gut 86 Prozent der Betriebe gut, teilweise seien die Auftragsbücher bis zu sechs Monate prall gefüllt. Doch treibt ihn eine Sorge um: „Weil sich aufgrund der Lieferengpässe und gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten die Preise teilweise tagesaktuell ändern, gibt es immer weniger Betriebe, die sich langfristig an Aufträge binden können und wollen.“

Vor allem bei öffentlichen Aufträgen. Denn viele Preise wurden vor der Krise vereinbart – bei nun explodierenden Kosten enden diese sonst einem Minus. „Und da sich Unternehmen bei öffentlichen Aufträgen oft über Jahre binden, ist dies nun weniger lukrativ – und riskant“, sagt der Kammerchef. Kunststoffe, Bitumen, Elektroersatzteile, Stahl und Holz: „Teilweise haben die Lieferanten die Preise in Wild-West-Manier festgesetzt“, sagt HWK-Konjunkturexperte Matthias Schwalbach. Das mache auf den Gesamtpreis ein Kostenplus von bis zu 30 Prozent aus.

Während bei Privatkunden die Gefahr bestehe, dass sie ihre Aufträge aufschöben, sei man bei öffentlichen Aufträgen auf Fristen, Verträge und Vorgaben angewiesen. Deshalb habe die Kammer alle Landräte und Bürgermeister in der Region angeschrieben und auf das Problem hingewiesen.

Aloys Söhngen, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Prüm und stellvertretender Vorsitzender des Städte- und Gemeindebunds Rheinland-Pfalz bestätigt: „Wir sehen, dass die Zahl der Betriebe, die sich an öffentlichen Aufträgen beteiligt, abnimmt.“ Deshalb gebe es vielfach nur noch Ausschreibungen mit Preisvorbehalten. Inzwischen plant auch der Bund Preisgleitklauseln.