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Araber haben genug von Luxemburg

Araber haben genug von Luxemburg

Wie geht es weiter mit der Luxemburger Frachtfluggesellschaft Cargolux? Ende des Monats steigt die arabische Fluggesellschaft Qatar aus. Cargolux soll zudem in finanziellen Schwierigkeiten stecken.

Luxemburg. Noch keine 30 Minuten, nachdem sich am Freitag die Türen in einem Raum in den Luxemburger Kasematten oberhalb der Unterstadt geschlossen hatten, gingen sie auch schon wieder auf. Wutentbrannt soll der Chef der arabischen Fluggesellschaft Qatar Airways, Albar Al-Baker, eine Krisensitzung der Luxemburger Frachtfluggesellschaft Cargolux verlassen haben. Qatar, die ihren Sitz im Emirat Katar hat, hält seit Juni vergangenen Jahres 35 Prozent an Cargolux. Noch. Allerdings nur noch bis zum 30. November.
Krise erreicht Regierung


Bei der Sitzung am Freitag soll es zum Eklat gekommen sein, nachdem der Qatar-Chef den ehemaligen Finanzvorstand der arabischen Fluggesellschaft und derzeitigen Übergangschef von Cargolux zu deren Vorstandschef machen wollte. Dagegen sollen die restlichen Anteilseigner - die luxemburgische Fluggesellschaft Luxair, die Luxemburgische Sparkasse sowie Finanzinstitute - gewehrt haben. Genauso wie dagegen, dass Qatar die Flugzeugwartung von Luxemburg in ein Billiglohnland verlagern wollte. Cargolux-Präsident Albert Wildgen, der Vermögensverwalter des Luxemburger Großherzogs ist, kündigte daraufhin an, sein Amt Ende des Monats niederzulegen. Qatar hatte 117,5 Millionen Euro für die 35-prozentige Beteiligung bezahlt. Das Geschäft eingefädelt haben soll der luxemburgische Finanzminister Luc Frieden. Trotz angeblich besserer Angebote anderer Interessenten soll er Qatar den Zuschlag ohne Ausschreibung erteilt haben. Daher forderte der Unabhängige Gewerkschaftsbund OBGL am Wochenende bereits den Rücktritt Friedens. Gestern nun ruderte der Zentralsekretär des OGBL, Hubert Hollerich, zurück und verkündete, dass es sich dabei um seine persönliche Stellungnahme und nicht die der Gewerkschaft gehandelt habe.
Trotzdem könnte die Cargolux-Krise zu einem Problem für die Luxemburger Regierung werden. Denn der Staat ist über seine Beteiligungen an den übrigen Cargolux-Eignern Eigentümer der Frachtfluggesellschaft. Und die steckt knietief in einer Krise. Seit Jahren werden nur Verluste eingefahren - allein im vergangenen Jahr betrug das Minus 18 Millionen Euro. Insgesamt sollen sich die Verluste seit 2008 auf 136 Millionen Euro summiert haben. Daher benötigt Cargolux dringend Kapital. Die Rede ist von 200 bis 750 Millionen Euro.
Vor zwei Jahren musste Cargolux zudem an die EU eine 80-Millionen-Euro-Strafe wegen unerlaubter Preisabsprachen mit anderen Frachtfluggesellschaften zahlen. Deswegen wurde vor einem Jahr der mittlerweile gefeuerte Cargolux-Chef Ulrich Ogiermann in den USA zu einer 13-monatigen Haft verurteilt.
Cargolux bestätigte gestern den Ausstieg von Qatar und sprach von einer "schwierigen Phase der Umstrukturierung". Zu dieser Umstrukturierung gehört auch die Erneuerung der Flotte. Cargolux hat beim Flugzeugbauer Boeing 13 neue Frachtflieger vom Typ 747-8F (Stückpreis 220 Millionen Euro) geordert. Im vergangenen Jahr, kurz nach dem Einstieg von Qatar, weigerte sich Cargolux, die zweite Maschine zu übernehmen, angeblich wegen technischer Probleme. Bereits damals wurde über finanzielle Probleme der vor 42 Jahren gegründeten Frachtfluggesellschaft spekuliert.
Russen im Gespräch


Spekulation ist derzeit auch, wer die Anteile der Araber übernimmt. Im Gespräch ist unter anderem die russische Frachtfluggesellschaft Volga Dnepr, die auch Anteile an der vom Flughafen Hahn fliegenden Air Cargo Germany besitzt. Angeblich soll Luxemburgs Verkehrsminister Claude Wiseler vergangene Woche bereits Gespräche in Moskau geführt haben.
Allerdings stellt sich die Frage, ob die luxemburgische Regierung überhaupt bestimmen kann, wer die Anteile von Qatar übernimmt oder ob es nicht eher so sein wird, dass die Araber selbst einen Käufer suchen. Etwa die viertgrößte chinesische Fluggesellschaft HNA. Diese soll bereits im vergangenen Jahr Interesse an der 35-Prozent-Beteiligung an Cargolux gehabt und dafür 175 Millionen Euro geboten haben. Stattdessen hat Qatar den Zuschlag für 117 Millionen Euro erhalten.Extra

Die luxemburgische Fluggesellschaft Cargolux wurde 1970 gegründet. Derzeit besitzt die Gesellschaft 15 Frachtflieger. Cargolux fliegt über 50 Ziele weltweit an und zählt zu den größten Frachtfluggesellschaften Europas. In Luxemburg beschäftigt die Gesellschaft rund 1200 Personen. Größter Anteilseigener ist die Fluggesellschaft Luxair. wie