Arbeit 4.0, was Wirtschaft und Beschäftigte leisten müssen

Weiterbildung : Weiterbildung = Wertschätzung + Wertschöpfung

Der Wandel in der Arbeitswelt beschleunigt sich zunehmend. Wie können Unternehmen und Beschäftigte darauf reagieren? Die Aus- und Weiterbildung kann ein Schlüssel zum Erfolg sein, wie eine Veranstaltung der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (Zirp) im Industriepark Föhren veranschaulicht.

Digitalisierung und Technisierung verkürzen die Halbwertzeit unseres Wissens, die Künstliche Intelligenz ersetzt traditionelle Berufsfelder – kurzum, die Arbeitswelt steht vor einem riesigen Strukturwandel.

Die Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz stellt sich den Herausforderungen und diskutiert gemeinsam mit Praktikern und Experten aus der Wirtschaft, wie Aus- und Weiterbildung die Arbeit 4.0 voranbringen kann. In Föhren stellte Aaron Braun, Geschäftsführer Weiterbildung bei der IHK Trier, die Angebote der Kammer und die Entwicklung in der Region vor. „Weiterbildung in der digitalen Wirtschaft, das betrifft alle Berufsgruppen“, so Braun. Doch während die Tätigkeiten von Angelernten und Helfern durch die Digitalisierung am ehesten zu ersetzen seien, stehe doch die Gruppe der Fachkräfte in Zukunft wohl unter dem stärksten Veränderungsdruck.

„Weiterbildung wird immer wichtiger“, folgert Aaron Braun. Damit veränderten sich die Kompetenzprofile von Führungskräften, Fachkräften sowie für An- und Ungelernte. Erfolgreiche Fachkräfte bräuchten beispielsweise in Zukunft eine hohe Veränderungs- und Entwicklungsbereitschaft, unternehmerisches und eigenständiges Handeln, prozessorientiertes Denken und zudem pädagogische und soziale Kompetenz, um eigenes Wissen an Jüngere weiterzugeben.

Die Industrie- und Handelskammer unterstützt die regionale Wirtschaft mit Weiterbildungsinhalten, die selbst – dank neuer Medien – die Wirtschaft 4.0 spiegeln. So laufe seit 2017 ein E-Learning-Programm für den Tourismus. Rund 130 Unternehmen nutzen die Plattform mit kurzen Erklärvideos, um Unternehmen und Mitarbeiter fit zu machen. Dieses Tool wird gemeinsam von den Industrie- und Handelskammern Koblenz, Aachen, Trier und der Eifel Tourismus GmbH angeboten. Mit der Plattform inklusive „Lernletter” wollen die Kooperationspartner vor allem den Wissenstransfer im ländlichen Raum stärken. Ein Vorteil: Die Teilnehmer können sich an jedem möglichen Ort und zu jeder Zeit weiterbilden. Diese Flexibilität bieten die Weiterbildungsangebote der Kammer in vielen Bereichen, ob als Onlineangebot mir Apps, Plattformen, als Webinar – also einer Schulung live am eigenen Computer oder auf Abruf, je wie es die Zeit erlaubt. Damit lassen sich Lerninhalte in allen Bereichen abrufen, für angehende Wirtschafts- oder Handelsfachwirte, in den Bereichen E-Commerce, Online-Marketing oder Social Media. Das IHK-Angebot wird auf der Seite www.ihk.camp gebündelt.

Für Aaron Braun haben aber eben auch die klassischen Seminare noch ihre Berechtigung. „Denn deren Vorteil ist das intensive, soziale Lernen in einer Gruppe.“

Dem schließt sich Theo Scholtes von der Bitburger Braugruppe an. Der langjährige Personalchef sieht allerdings in der grundlegenden Aussage, Weiterbildung ist wichtig, keine neue Entwicklung. „Weiterbildung war schon immer wichtig, nicht erst seit der Digitalisierung.“ Dabei gehe es in der Braugruppe nicht um eine Anpassungsqualifizierung bei Bedarf, sondern darum, die Potenziale der Mitarbeiter zu fördern. „Wir haben einen ganzheitlichen Ansatz, der sehr früh beginnt.“ Rund 1600 Mitarbeiter an fünf Standorten, in der Braugruppe gehören E-Learning, Video Tutorials oder sogenannte Webinare zum Alltag. „Floorwork – IT-Support vor Ort – ist ebenfalls ein interessanter Ansatz. IT-Techniker stehen einer Abteilung an einem bestimmten Termin zur Verfügung und fragen Probleme ab. Doch bei allem Knowhow-Transfer im Netz sieht Scholtes doch eins im Mittelpunkt: „Entscheidender Punkt sind in der Personalentwicklung die persönlichen Gespräche.“ Dabei sei Offenheit für Neues wichtig – und in jedem Betrieb – Weiterbildung muss vor allem dem Unternehmen Wertschöpfung bringen.

In der folgenden Diskussionsrunde stellte Stefanie Adam, Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Trier, die Möglichkeiten des neuen Qualifizierungschancengesetzes vor. „Im Gegensatz zur Vergangenheit mit dem Instrument Wegebau können wir nun Weiterbildungsmaßnahmen in viel mehr Betrieben fördern.“ Selbst Kleinstbetriebe könnten davon in Zukunft profitieren.

Theo Scholtes (Bitburger), Stefanie Adam (Arbeitsagentur), Aaron Braun (IHK Trier) und Moderatorin Delia Schröder (Institut für Technologie und Arbeit) geben einen Einblick in moderne Personalentwicklung (von links). Foto: TV/Heribert Waschbüsch

Wichtige Botschaften für Zirp-Geschäftsführerin Heike Arend: „Weiterbildung ist eine Wertschätzung für den Mitarbeiter.“

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