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Arbeitsamt Trier fördert Qualifizierung im Job

Arbeitsmarkt : Mehr Chancen im Job durch Qualifizierung - Wie das Arbeitsamt die Ausbildung fördert

Qualifizierung heißt das Zauberwort für die Zukunft des Arbeitsmarkts. Das zeigen auch die Erfahrungen einiger Beschäftigten und Firmenchefs im Kreis Trier-Saarburg. Ein Förderprogramm des Arbeitsamts hilft ihnen dabei.

Am ersten Tag der Berufsschule hat Stephan Föhr noch ein mulmiges Gefühl. Denn die Schulbank hat er seit Jahrzehnten nicht mehr gedrückt. Doch der 39-Jährige merkt schnell: Hier kommt es nicht auf das Alter, sondern auf die Motivation an. Und die hat der Umschüler zu genüge. „Ich wollte eigentlich schon nach dem Tod meiner Mutter 2013 endlich eine Ausbildung machen. Doch es hat sich immer wieder eine Helfertätigkeit gefunden“, sagt der Trierer. Es gab also keine zwingende Notwendigkeit.

Denn nach dem Hauptschulabschluss und einer abgebrochenenen Ausbildung als Gas- und Wasserinstallateur kommt er immer wieder unter – als Reinigungskraft, im Sicherheitsdienst und beim Umzugsservice. „Ich war immer nur wenige Monate ohne eine Beschäftigung“, sagt Föhr.

Trierer ist froh, endlich eine Ausbildung zu beginnen

Erst als er im vergangenen Jahr länger arbeitslos wird und er bei einem Vorstellungsgespräch erkennt, dass ein Berufsabschluss ihn dauerhaft weiterbringt, ergreift er die Chance zur Umschulung zum Elektroniker – Energie- und Gebäudetechnik. Und ist froh. Immerhin muss er noch mehr als 25 Jahre bis zur Rente arbeiten. Ein gesichertes Einkommen ist für ihn überlebenswichtig.

Umschulung wird von Agentur für Arbeit unterstützt

„Der ganze Beruf macht Spaß, der Chef ist sympathisch, das Team ok“, bilanziert der Umschüler nach knapp drei Monaten. Der Vorteil für ihn und seinen Chef Kai Brech in Konz: Die Ausbildung wird durch die Agentur für Arbeit finanziert und Stephan Föhr nimmt an der Assistierten Ausbildung teil. Das heißt, er bekommt zusätzlich Stützunterricht: „Aber auch mein Chef hilft mir, und in der Berufsschule unterstützt mich ein Kollege bei Mathematik.“

Zwar könnte  der ein oder andere Schulkamerad bereits altersgemäß sein Sohn sein, doch Föhr ist bei weitem nicht der einzige Schüler Ü35 in seiner Klasse. „Ich würde mich immer wieder zu diesem Schritt entscheiden“, sagt der Trierer Umschüler. Nun will er die Lehre erstmal hinter sich bringen, doch Pläne gibt es auch schon für danach: „Es gibt in dem Beruf viele Möglichkeiten. Ich würde mich gerne auf Blitzschutz spezialisieren.“

Auch Arbeitgeber können Förderungen für Umschulungen nutzen

Dass die Initiative zu Qualifizierung und Umschulung nicht immer von der Seite der Umschüler in Kombination mit der Arbeitsagentur kommen muss, zeigt das Beispiel von Werner Zengerle. Der Malermeister aus Wasserliesch hat seit über 20 Jahren seinen Innungsfachbetrieb, der auch junge Leute ausbildet.

Aktuell beschäftigt er einen Gesellen als Maler und Lackierer. Seine Frau kümmert sich um die Büroarbeit. Zwei weitere Mitarbeiter helfen ihm aus. Doch nach der Qualifizierungsberatung der Agentur für Arbeit hat sich Zengerle dazu entschlossen, beiden Helfern seit dem 1. August eine betriebliche Umschulung zu ermöglichen und so zu Facharbeitern auszubilden. Auch diese beiden werden über das Qualifizierungschancengesetz so wie Stephan Föhr gefördert.

„Ich habe einige Azubis gehabt, manche haben durchgehalten, andere waren den Anforderungen nicht gewachsen“, bedauert Werner Zengerle. Bei seinen beiden Helfern Zaya Elias und Michel Karbe (je 28 Jahre) weiß er, woran er ist und dass sie ihn weiterbringen können – dank der Umschulung und betrieblichen Ausbildung, die sie in zwei Jahren zum Fachabschluss im Maler- und Lackiererhandwerk führt.

Malermeister sagt: Azubi-Nachwuchs zu finden wird immer schwerer

Denn Zengerle stellt fest: „Es ist zunehmend schwerer, die Nachwuchskräftegewinnung über den Weg der Ausbildung zu beschreiten.“ Er sei sehr froh, dass sich mit Michael Karbe und Zaya Elias zwei Interessenten „fortgeschrittenen Alters“ als Mitarbeiter in seiner Firma beworben hätten: „Sie sind vernünftig, haben die nötige Reife und Verantwortungsgefühl, und sie kommen mit den Kundinnen und Kunden klar“, lobt der Meister.

Michael Karbe hat sich nach negativen Erfahrungen mit einem Berufsvorbereitungsjahr zur Lehre durchgerungen: „Ich habe durch die Arbeit hier intensive Einblicke in die Tätigkeit bekommen und finde, es ist Zeit für einen Abschluss. Das wäre doch eine Zukunft für mich.“

Zaya Elias hingegen bietet sich erst jetzt die Chance auf einen Abschluss. Er ist syrischer Flüchtling, seit fünf Jahren im Land und hatte zuletzt als Helfer im Umzugs- und Lagerbereich gearbeitet. Für Werner Zengerle ist dieser erste Mitarbeiter aus einem anderen Kulturkreis ein Glücksfall: „Er malt privat Bilder, ist Künstler und daher sehr vertraut mit Maltechniken“. Zaya Elias freut sich: „Ich möchte gerne diese Ausbildung machen, sie ist nahe an meinem Kunsthobby und sie ist eine Zukunft für mich.“

Arbeitsagentur-Chef: „Betriebe, die überleben wollen, müssen qualifizieren.“

Dass es sowohl für Betriebe wie Beschäftigte und Arbeitslose wichtig ist, zueinander zu finden und sich für die Zukunft fit zu machen, zeigen die jüngsten Zahlen der Agentur für Arbeit (siehe Info). „Betriebe, die überleben wollen, müssen qualifizieren“, sagt Heribert Wilhelmi, Chef der Trierer Arbeitsagentur, klar und deutlich.

Dass Werner Zengerle das erkannt habe, zeichne ihn deshalb für das neue und damit erstmalig vergebene JobQ-Qualifizierungszertifikat der Agentur für Arbeit Trier aus. Mit unter zehn Beschäftigten sei die Firma ein Kleinstbetrieb. Betriebe, von denen Wilhelmi sagt: „Sie sind es, die die breiten Schultern haben, von denen unser Handwerk und unsere Wirtschaft getragen werden.“

Gesetz von 2019 unterstützt Arbeitgeber und Azubis

Deshalb setzt das 2019 eingeführte Qualifizierungschancengesetz auf eine großzügige Förderung für Umschulungen und Ausbildungen über Umwege. Die neuen Azubis fallen trotz ihres neuen Ausbildungsstatus nicht auf eine schmale Ausbildungsvergütung zurück. Sie erhalten weiterhin ihren Helferlohn, der aber zu 75 Prozent von der Agentur für Arbeit bezuschusst wird.

Lebenslang lernen, Qualifikationen erwerben und immer wieder auffrischen: Dazu tragen auch die digitalen Qualifizierungstage „JobQ – Qualifizierung bringt weiter“ der Arbeitsagentur am Donnerstag, 28., und Freitag, 29. Oktober, bei. „Fachkräftemangel, Digitalisierung und Automatisierung führen zu einem immer schnelleren Wandel des Arbeitsmarktes. Damit Unternehmen und Beschäftigte damit Schritt halten können, müssen sie sich stetig weiterbilden“, sagt Stefanie Adam, operative Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Trier. Die Qualifizierungstage böten für jeden Weiterbildungswunsch das passende Angebot – für Beschäftigte, Jobsuchende und Unternehmen.