1. Region
  2. Wirtschaft

Arbeitslosenzahlen für die Region

Arbeitslosenzahlen für die Region : Lockdown trübt gute Oktober-Stimmung

Die gemeldeten Arbeitslosenzahlen für den Oktober müssten eigentlich alle Verantwortlichen optimistisch stimmen. Doch angesichts der jüngsten Entwicklung in der Corona-Krise herrscht  vielerorts Verunsicherung.

So freut sich der Chef der Trierer Arbeitsagentur, Heribert Wilhelmi, zwar über die „saisonale Herbstbelebung“, relativiert aber auch gleich: „Wie weit sie trägt, ist unter den aktuellen Rahmenbedingungen des Pandemie-Jahres jedoch nicht kalkulierbar.“ 

Der Arbeitsmarktexperte wertet es als hoffnungsvolles Signal, dass Unternehmen der Region nach der Sommerpause wieder verstärkt Personal eingestellt haben: „Gefragt waren insbesondere Kräfte in Fertigungsberufen sowie im Lebensmittel- und Gastgewerbe, Branchen, die von den Einschnitten der ersten Jahreshälfte besonders betroffen waren.“

Angesichts der Entwicklung lohnt sich ein besonderer Blick auf die Entwicklung der Kurzarbeit. Von März bis Oktober haben 5768 Betriebe für 59 802 Arbeitnehmer Kurzarbeit angezeigt. „Weiterhin bleibt die Kurzarbeit nach dem massiven Anstieg der Kurzarbeitsanzeigen von März bis Mai auf einem sehr hohen Stand. Es kommen jedoch deutlich weniger Anzeigen neu hinzu als in den Frühjahrsmonaten“, erklärt Heribert Wilhelmi. Im Oktober gingen 56 neue Anzeigen auf Kurzarbeit für 549 Personen ein, 20 mehr als im September. Von März bis Ende Oktober hat die Agentur für Arbeit Trier rund 73 Millionen Euro an Kurzarbeitergeld an die betroffenen Betriebe zur Stabilisierung der regionalen Wirtschaft ausgezahlt.

Auch landes- und bundesweit (siehe Extra) haben sich die Arbeitslosenzahlen im Oktober positiv entwickelt. Doch die Bilanz hat einige Schwachstellen: Die Oktober-Zahlen der Arbeitsagentur werden nur bis Mitte des Monats erhoben –  also noch vor dem drastischen Anstieg der Corona-Infektionszahlen. Zudem  wurde weniger als 24 Stunden vor Bekanntgabe der Arbeitsmarktstatistik bekannt, dass es zu einem zweiten Teil-Lockdown im Kampf gegen die Pandemie kommen wird – die Freude über die Oktober-Erholung könnte also von kurzer Dauer sein. „Es wird zu einem Einbruch am Arbeitsmarkt führen, aber zu keinem Zusammenbruch“, sagte wie der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, am Donnerstag in Nürnberg.

„Wir glauben, dass es eine Delle geben wird im Monat November.“ Es gebe „Branchen, für die es bitter ist“, sagte er und nannte das Gastgewerbe und den Tourismus an erster Stelle. Der Volkswirtschaftsprofessor Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg, rechnet mit bis zu 100 000 zusätzlichen Arbeitslosen. „Die Reserven vieler Betriebe sind bereits stark strapaziert. Deshalb ist es essenziell, dass die staatlichen Hilfsmaßnahmen nochmals ausgeweitet werden“, sagte Weber. Für den Arbeitsmarkt werde es kurzfristig einen Rückschlag geben, die Zahl der Kurzarbeiter werde deutlich steigen. „Für eine anschließende Erholung des Arbeitsmarkts wird eine Förderung von Neueinstellungen noch bedeutender“, sagte Weber.