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Arbeitsmarkt in der Region Trier befindet sich im Ausnahmezustand

Kostenpflichtiger Inhalt: Wirtschaft : Arbeitsmarkt in der Region Trier befindet sich im Ausnahmezustand

Vor vier Wochen gab es die Arbeitslosenzahlen für den März unter Vorbehalt. Die aktuelle Corona-Krise hat sich damals noch nicht in der Statistik durchgeschlagen. Für den April sieht das nun aber anders aus.

Eigentlich entspannt sich der regionale Arbeitsmarkt im April. Doch in diesem Corona-Jahr ist alles anders. Statt Frühjahrsbelebung zeichnen sich negative Entwicklungen in allen Bereichen ab: Die Arbeitslosenzahl ist sprunghaft angestiegen, die Kurzarbeit in nie gekannte Höhen geklettert, und der Stellenmarkt bricht ein. Waren im März noch rund 10 400 Menschen in der Region auf Jobsuche, sind es laut jüngster Statistik nun fast 12 000. Durch den Lockdown der Bundesregierung und der gleichzeitigen Lockerung der Kurzarbeiterregelung ist aber vor allem die Zahl der Betriebe gestiegen, die für ihre Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt haben. 5051 regionale Unternehmen haben für insgesamt 53 116 Beschäftigte Kurzarbeit anmeldet.

„Kurzarbeit ist ein zentrales Instrument zur Bekämpfung der Krise und zur Sicherung von Arbeitsplätzen“, so Heribert Wilhelmi, Chef der Trierer Arbeitsagentur. „Dennoch können auch damit die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt nicht gänzlich abgefedert werden. Leider müssen wir bereits sechs Wochen nach Einführung der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus feststellen, dass Menschen in unserer Region ihren Arbeitsplatz verloren haben.“

Um die Situation richtig einschätzen zu können, in der Region sind knapp 180 000 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, Damit sind rund ein Drittel der Beschäftigten von Kurzarbeit betroffen. Dabei sind natürlich Abstufungen möglich, von 100 Prozent Kurzarbeit bis zu einer teilweisen Kurzarbeit. Während der Finanzkrise 2009 haben zum Höhepunkt lediglich 400 regionale Unternehmen Kurzarbeit angemeldet. Und ein weiterer Unterschied ist signifikant, wie Arbeitsagentur-Chef Heribert Wilhelmi betont: „80 Prozent der Betriebe beschäftigen bis zu zehn Mitarbeiter. Besonders hart trifft es die Gastronomie und große Teile des Einzelhandels. Aus diesen beiden Branchen stammen 17 beziehungsweise elf Prozent aller Anzeigen auf Kurzarbeitergeld.“ Für die Arbeitsagentur ist die schnelle Bereitstellung von Mitteln und die Bearbeitung von Anträgen einen große Herausforderung.

Auch bei den Arbeitslosmeldungen zeigt sich, dass einige Branchen besonders betroffen sind. Unter den Menschen, die sich im April arbeitslos meldeten, waren viele zuvor in der Gastronomie und der Lebensmittelverarbeitung, im Verkauf und in nichtmedizinischen Gesundheitsberufen – wozu unter anderem Friseure und Kosmetiker zählen – beschäftigt. Am schlimmsten sind die Auswirkungen in der Stadt Trier zu spüren, die Zahl der Jobsuchenden steigt innerhalb eines Monats massiv an. Die Zahl der Arbeitslosen klettert um 637 Menschen auf 3898 (siehe Grafik).

IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Glockauer fordert, dass die Wirtschaft wieder einen Schritt in Richtung Normalität machen kann: „Aktuell sind viele Mitarbeiter unserer Mitgliedsunternehmen in Kurzarbeit. Diese dient dazu, Beschäftigung zu sichern und Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Damit das gelingt, müssen wir unseren Betrieben – vor allem in den Bereichen Gastronomie, Tourismus und Freizeit – eine klare Perspektive für ihr Geschäft aufzeigen.

Das viele regionale Unternehmen sich in einer dramatischen Situation befinden, zeigt auch die Entwicklung bei den freien Stellen. Die Betriebe wissen nicht, wie es weitergeht, wann ein normales Wirtschaften wieder möglich ist. Die Personalplanung ist fast überall eingefroren, wie die Zahlen der Arbeitsagentur Trier belegen. Die Zahl der neu ausgeschriebenen Stellen sei im Vergleich zum Vorjahr um 72 Prozent zurückgegangen. Lediglich 389 Stellenmeldungen verzeichnete die Agentur für Arbeit Trier im April. Normalerweise sind die Experten des Arbeitgeber-Services mit Stellenzugängen von über 1000 pro Monat vertraut. „Die Unternehmen gehen sehr verhalten mit Neueinstellungen um. Überleben und abwarten ist die Devise der Stunde,“ bewertet Heribert Wilhelmi die aktuelle Situation. Viele Personalabteilungen seien aber auch einfach organisatorisch mit anderen Dingen beschäftigt als mit der Mitarbeiterauswahl – Kurzarbeit, Gesundheitsschutz, interne Umorganisation und Homeoffice sind einige solcher Schlagworte.

Dennoch sieht Wilhelmi auch einen Hoffnungsschimmer: „Betriebe werden auch nach der Corona-Pandemie Fachkräfte benötigen. Deshalb hoffen wir darauf, dass die Einstellungsverfahren, die momentan ausgesetzt sind, wiederaufgenommen werden, sobald sich die Lage am Markt etwas beruhigt hat.“ Insgesamt registriert die Agentur für Arbeit Trier derzeit 4085 unbesetzte Stellen. Vor der Corona-Krise meldeten die Unternehmen in der Region rund 5000 Arbeitsplätze, die zu besetzen waren.