1. Region
  2. Wirtschaft

Arbeitsmarkt in der Region Trier startet besser als erwartet ins Jahr.

Arbeitsmarkt : Bekannte Sorgenkinder und neue Hoffnungen

Arbeitsmarkt in der Region Trier startet besser als erwartet ins neue Jahr: Kurzarbeit auf Rekordniveau – „Neuer Mut zur Ausbildung ist gefordert“

Rekorde – doch eher mit negativer Ausrichtung: So könnte man grob zusammengefasst die Bilanz des Arbeitsmarktes im vergangenen Jahr überschreiben. Denn die Corona-Pandemie hat den Arbeitsmarkt der Region Trier gehörig durcheinandergewirbelt und ihm nicht nur einen selten gesehenen Anstieg der Arbeitslosenzahl beschert, sondern auch für die höchste jemals gemessene Zahl an Kurzarbeitern gesorgt.

Stillstand im Handel und in der Gastronomie, Produktionsengpässe in der Industrie und aktuell weniger Arbeit am Bau: Der Arbeitsmarkt ist stets in Bewegung und daher verläuft die Entwicklung auch in Wellen. Das Fazit von Heribert Wilhelmi, Chef der Arbeitsagentur Trier: „Die regionale Wirtschaft hat sich trotz der schweren Rahmenbedingungen robust gezeigt. Die Gesamtbilanz fällt sogar positiver aus als zu erwarten war“, sagt er. Vor allem im Herbst habe der Arbeitsmarkt der Krise geradezu getrotzt: „Die Arbeitslosigkeit sank kontinuierlich, und die Nachfrage nach Arbeitskräften präsentierte sich im Landesvergleich relativ hoch.“ Die Höchstwerte der Arbeitslosigkeit aus der Finanzkrise von 2008 seien dabei nicht erreicht worden.

Im Jahresschnitt waren in Eifel, Hunsrück und an der Mosel 11 854 Menschen arbeitslos, aktuell, Ende Dezember, sind es 11 468. Die Quote kletterte um 0,7 Prozentpunkte über den Vorjahreswert und liegt bei 4,0 Prozent, aktuell bei 3,9 Prozent. Im August waren nach Schul- und Ausbildungsende die meisten Menschen ohne Job, die wenigsten im November.

Vor allem im Vergleich mit den anderen Agenturen in Rheinland-Pfalz schneidet die Region gar nicht mal so schlecht ab: Eifelkreis Bitburg-Prüm, der Kreis Trier-Saarburg und der Kreis Bernkastel-Wittlich haben landesweit die niedrigsten Quoten, die Stadt Trier steht auf Rang vier von zwölf. Derzeit sind in Rheinland-Pfalz 115 845 Menschen arbeitslos, die Arbeitslosenquote liegt wie im November 2020 bei 5,1 Prozent (Vorjahresmonat: 4,3).

Dass sich Ende Dezember wieder Menschen ohne Job melden, ist „witterungsbedingt“, so der Behördenleiter. Allerdings falle der Anstieg geringer aus als im Schnitt der vergangenen fünf Monate. Das führt er auf die „robuste Verfassung des regionalen Arbeitsmarktes“ zurück. „Die Unternehmen der Region wissen um den Wert ihrer Fachkräfte und nutzen daher das Instrument der Kurzarbeit, um ihr Personal zu halten.“

Kein Wunder also, dass dieses Arbeitsmarktinstrument Rekordwerte erreicht. So wurden zwischen April und Dezember 2020 summiert gut 23 000 Kurzarbeitsanträge für knapp 210 000 Beschäftigte angezeigt. „Seit November beobachten wir wieder eine Zunahme der Anzeigen“, sagt Heribert Wilhelmi. Dies ließe sich auf den neuerlichen Lockdown zurückführen. Allerdings schließt er nicht aus, dass es zu Doppelzählungen gekommen sei, weil in den Sommermonaten viele Betriebe die Kurzarbeit unterbrochen hätten. So ist bislang auch erst bis zum August das tatsächliche Ausmaß der Kurzarbeit sichtbar: Im Juli haben in rund 1700 Betrieben gut 12 400 Beschäftigte kurzgearbeitet, im August gut 1400 Betriebe und knapp 9000 Beschäftigte. Die Quote der Kurzarbeitenden – bezogen auf alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten –  lag im Juli bei 7,1 Prozent, im August bei 5,1 Prozent.

„Mit rund 84 Millionen Euro haben wir 2020 eine Rekordsumme an Kurzarbeitergeld ausgezahlt“, sagt der Agenturchef. Im Vergleich dazu lag die Summe 2019 bei nur 290 000 Euro. Um die Flut der Anzeigen im Frühjahr zu bewältigen und die Bearbeitungsdauer möglichst klein zu halten, hat die Behörde die Zahl ihrer Mitarbeiter in Spitzenzeiten teilweise verachtfacht – so dauerte es längstens 8,8 Tage zur Bearbeitung.

Und so wird sich laut Wilhelmi auch erst in den kommenden Monaten zeigen, wie sich der Arbeitsmarkt entwickelt. „Wenn im Januar die Insolvenzantragspflicht wieder in Kraft tritt, werden die tatsächlichen Folgen der Corona-Pandemie erst sichtbar“, ist er überzeugt. Allerdings könnte nach Impfwelle und Corona-Abklingen die Konjunktur auch wieder anziehen.

Was der Arbeitsagentur Trier große Sorgen bereitet, ist der stetige Anstieg der Zahl der Langzeitarbeitslosen. Wer 190 Tage und mehr ohne Job ist, gehört dazu. In der Region Trier sind das von 11 468 Arbeitslosen 3070, knapp 1000 mehr als noch zum Vorjahreszeitpunkt. „Solange die Betriebe wenig Planungssicherheit haben, werden sie sich kaum auf Gespräche über Problemgruppen einlassen“, ist Triers Agenturchef überzeugt. Zudem sind insgesamt weniger Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt (minus 0,7 Prozent) und weniger offene Stellen zu finden – im Schnitt gab es gut 850 offene Stellen weniger im Bestand als noch 2019.

„Eine Konstante bleibt jedoch: Die Unternehmen suchen qualifizierte Arbeitskräfte“, sagt Stefanie Adam, operative Geschäftsführerin der Trierer Arbeitsagentur. Rund 80 Prozent der ausgeschriebenen Stellen richteten sich an Fachkräfte, Experten oder Spezialisten. Dem entgegen stünden 49 Prozent der Arbeitslosen, die keinen Schulabschluss hätten: „Eine unserer größten Herausforderungen ist es, Menschen zu qualifizieren“, sagt Adam.

Dies schließt auch die Jugendlichen mit ein, die im Sommer nach einem harten Corona- und Lockdown-Jahr auf den Arbeitsmarkt kommen: „Das größte Hindernis könnte der fehlende Mut zur Ausbildung sein. Dabei haben Jugendliche jetzt die besten Chancen zur dualen Ausbildung“, sagt der Behördenleiter und rät von „Ehrenrunden“ in der Schule ab. Denn die Betriebe seien darauf vorbereitet, junge Leute zu empfangen. „Auch jetzt sind Praktika möglich.“