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Arla investiert in Pronsfeld Millionen

Agrar : Arlas 190 Millionen-Projekt vor dem Abschluss

190 Millionen Euro werden derzeit im Arla-Werk in Pronsfeld verbaut. Eine Großbaustelle bei laufender Produktion und das unter Pandemie-Bedingungen: Wie das funktionieren kann, erklärt Standortleiter Jürgen Wolf.

Es ist eines der größten Bauprojekte in der Eifel. In Pronsfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm) baut die Molkereigenossenschaft Arla Foods einen zweiten Trockenturm (der TV berichtete). Die Arbeiten sollen in diesem Herbst abgeschlossen werden und die Testphase könnte dann im Oktober starten, erklärt Arla-Standortchef Jürgen Wolf. Für Pronsfeld ist das ein wichtiger Entwicklungsschritt. „Wir suchen derzeit rund 70 weitere Mitarbeiter und auch noch Azubis“, so der Arla-Werks-Chef. Mit rund 1000 Mitarbeitern und rund 30 Auszubildenden in zehn unterschiedlichen Berufen gehört die Molkerei zu den wichtigsten und größten Arbeitgebern in der Region.

2018 wurden die Investitionen der europäischen Molkereigenossenschaft angestoßen. Mit dem zweiten Trockenturm setzt das Unternehmen auf weitere Internationalisierung. „90 000 Tonnen Milchpulver können wir damit jährlich produzieren“, erklärt Wolf. Damit hat das Unternehmen die ausländischen Märkte in Afrika, vor allem Nigeria, aber auch China im Blick. Das in der Eifel produzierte Milchpulver wird beispielsweise in Schokoladen oder Backwaren verarbeitet, geht an die Industrie zur Herstellung von Milchprodukten oder dient – Magermilchpulver vermischt mit Wasser – als Milch. Zum Teil ist das für Schuldkinder in Afrika die tägliche Milchration. Um ein Kilogramm Milchpulver herzustellen sind je nach Produkt 6,5 bis 10,5 Liter Milch notwendig.

Jürgen Wolf sieht mit der Investition in den Eifelstandort das Werk stark aufgewertet. Denn neben dem neuen Trockenturm wird auch eine neue Energiezentrale aufgebaut. Eine Gasturbine sorgt dafür, dass das Arla-Werk energetisch autark wird. „Wir können sämtliche Energie, die wir hier benötigen, selbst erzeugen“, so Wolf. Zudem wurde die Milchannahme um drei weitere Annahmespuren erweitert. „Täglich können wir damit zukünftig bis zu sechs Millionen Liter Milch annehmen und verarbeiten“, sagt der Werkschef. Bisher waren 4,4 Millionen Liter täglich möglich. Die Milch kommt von rund 2000 Landwirten aus dem Einzugsgebiet, Rheinland-Pfalz, NRW, Luxemburg und Belgien mit der Wallonie und Flandern.

Neu organisiert und baulich erweitert wurde im Rahmen des Investitionsprogramms auch die Milchbe- und -verarbeitung. In großen Tanks lagern Rohmilch oder auch schon standardisierte Milch für die Weiterverarbeitung.

Die Kläranlage des Unternehmens wurde auf die neuen Herausforderungen angepasst und die Kapazität der Anlage wurde verdoppelt. Sogenanntes Brüdenwasser, das bei der Herstellung von Milchpulver anfällt, wird dort auf Trinkwasserqualität aufbereitet und erneut in den Kreislauf eingebracht.

Die Großbaustelle war für die Milchgenossenschaft auch logistisch eine Herausforderung. Bis zu 220 Fremdarbeiter arbeiten auf dem Gelände täglich. Für Jürgen Wolf ganz wichtig: „Wir haben uns bemüht, möglichst viele Aufträge an Unternehmen in der Region zu vergeben.“ Von den 190 Millionen Euro Investitionssumme gingen so Aufträge in Höhe von rund 42 Millionen Euro an Unternehmen aus Rheinland-Pfalz, davon 25 Millionen in die Eifel. In Summe entfielen etwa 95 Prozent des gesamten Investitionsvolumens auf deutsche Firmen.

Mit der Corona-Pandemie wurde die Herausforderung für das Unternehmen noch einmal größer. Neben der Großbaustelle eine weitere logistische Herausforderung. Wie organsiert man einen Produktionsbetrieb mit 1000 Mitarbeitern in dieser Situation? „Wir haben sehr schnell und konsequent reagiert. Die Kantine wurde sofort geschlossen und die einzelnen Arbeitsbereiche getrennt und – wo möglich – isoliert aufgestellt. Für jeden Bereich habe man ein eigenes Konzept erarbeitet. In diesem Umfeld kam dem Werk in Pronsfeld sicher auch die Erfahrung der international aufgestellten Molkereigenossenschaft zu Hilfe. Pressesprecher Markus Teubner: „Durch unser China-Geschäft hatten wir bereits im Dezember 2019 die Entwicklung auf unserem Krisenmonitor.“ Die Genossenschaft beschäftigt weltweit rund 20 000 Mitarbeiter. Gut 7000 Beschäftigte, die nicht in der Produktion oder Logistik arbeiten, konnten sehr rasch ins Homeoffice wechseln. Auch in Pronsfeld wurden diese Schritte schnell umgesetzt. Mit großem Erfolg, wie Wolf findet. Einige Mitarbeiter seien sogar seit 13. März 2020 im Homeoffice, nötigenfalls könnten sogar Anlagen von zu Hause aus gesteuert werden. „Für uns war es sehr wichtig, zunächst die Mitarbeiter zu schützen“, so Wolf. Bisher sei es lediglich zu zwei Infektionsfällen innerhalb des Standorts gekommen. „Die Mitarbeiter haben Verständnis für die Ausnahmesituation. Natürlich sehnt sich jeder nach der Normalität. Doch alle Mitarbeiter halten sich sehr konsequent an unsere Vorgaben und Regeln und tragen damit aktiv dazu bei, unser Unternehmen und unser Geschäft zu schützen“, erklärt Jürgen Wolf.

 Die einzelnen Bauteile für den Trockenturm werden mit dem Kran in das Gebäude abgesenkt. Die Bauteile wurden teilweise vor Ort in einem Produktionszelt gefertigt.
Die einzelnen Bauteile für den Trockenturm werden mit dem Kran in das Gebäude abgesenkt. Die Bauteile wurden teilweise vor Ort in einem Produktionszelt gefertigt. Foto: Arla/PM STUDIOS (Pfingstmann & Mayer GbR) aus Prüm
 Im Vordergrund sind die Tanks für die Rohmilch-Be- und Weiterverabeitung zu sehen. Im Hintergrund der 51 Meter hohe neue Trockenturm.
Im Vordergrund sind die Tanks für die Rohmilch-Be- und Weiterverabeitung zu sehen. Im Hintergrund der 51 Meter hohe neue Trockenturm. Foto: TV/Arla

Ein wenig Hoffnung haben die Arla-Verantwortlichen aber, dass es eventuell im Herbst eine offizielle Eröffnungsfeier für den Trockenturm geben könne. Wolf: „Das wäre für uns als Unternehmen eine tolle Sache.“