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Arbeitsmarkt
Auf der Suche nach dem Mitarbeiter der Zukunft

Luxemburgs Ministerpräsident Xavier Bettel, der deutsche Botschafter in Luxemburg, Heinrich Kreft, und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (von links) bei einer Veranstaltung der luxemburgischen Handelskammer.
Luxemburgs Ministerpräsident Xavier Bettel, der deutsche Botschafter in Luxemburg, Heinrich Kreft, und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (von links) bei einer Veranstaltung der luxemburgischen Handelskammer. FOTO: TV / Bernd Wientjes
Luxemburg. Deutsche und luxemburgische Wirtschaftsexperten und Politiker diskutieren über Strategien gegen den Fachkräftemangel. Von Bernd Wientjes

Für Luxemburgs Ministerpräsident Xavier Bettel ist eine bessere Anbindung an das deutsche Fernverkehrsnetz eine Voraussetzung dafür, dass mehr Fachkräfte ins Land kommen. Luxemburg, Rheinland-Pfalz und Saarland dürften nicht zum Bermuda-Dreieck des Fernverkehrs werden, sagte Bettel beim deutsch-luxemburgischen Wirtschaftsforum in der luxemburgischen Handelskammer.

Es sei gut, dass seit Dezember einmal am Tag ein durchgängiger Zug von Luxemburg über Trier und Koblenz nach Düsseldorf fahre. „Wenn man den verpasst hat, muss man 24 Stunden auf den nächsten warten“, scherzte Bettel vor den geladenen Vertretern der deutschen und luxemburgischen Wirtschaft.

Seine Kritik richtete er vor allem an Armin Laschet, den Ministerpräsidenten Nordrhein-Westfalens, der ebenfalls als Redner beim Forum geladen war.

Er nehme den Hinweis mit, sagte er am Rande der Veranstaltung gegenüber unserer Zeitung und versprach sich für eine bessere Zugverbindung zwischen seinem Bundesland und Luxemburg einzusetzen. Es sei wichtig, dass das Großherzogtum und Rheinland-Pfalz an den Fernverkehr angeschlossen seien.

Bessere Verkehrsanbindungen sind das eine. Gut ausgebildete Fachkräfte das andere. Und die fehlen sowohl in Luxemburg als auch in Deutschland. Immer mehr Unternehmen müssten Aufträge absagen, weil ihnen Mitarbeiter fehlten, sagte Laschet.

Mit schuld daran sei, dass es in Deutschland die Möglichkeit gebe bereits mit 63 Jahren in Rente zu gehen. Man müsse den Menschen klar machen, dass sie aufgrund des demografischen Wandels länger statt kürzer arbeiten müssten. Laschet fordert außerdem ein Einwanderungsgesetz, mit dem gut ausgebildete Fachkräfte aus dem Ausland hierzulande die Möglichkeit hätten zu arbeiten.

Dass Luxemburg vergleichbare Probleme hat, machte Anne-Sophie Mangen deutlich. Sie ist beim luxemburgischen Frachtflieger Cargolux zuständig für Einstellungen. Je nach Stelle dauere es bis zu sieben Monate, bis ein passender Bewerber gefunden sei. Mittlerweile suche man Mitarbeiter längst nicht mehr nur in Luxemburg oder in der angrenzenden Großregion, sondern auch in anderen europäischen Ländern. Allerdings, so die Personal­expertin, seien die hohen Immobilien- und Mietpreise sowie die Lebenshaltungskosten in Luxemburg für viele Bewerber auf Stellen im mittleren Lohngefüge ein Problem.

Bei vielen bliebe nach Abzug der Wohnungskosten zu wenig vom Lohn übrig, daher entschieden sie sich dann oft doch nicht nach Luxemburg zu kommen. Auch Philippe Osch von dem mittelständischen luxemburgischen Unternehmen Hitec, das unter anderem Antennen für Satelliten herstellt, sagte bei der Diskussion, dass es zunehmend schwieriger werde, ausreichend Ingenieure vor allem aus dem Großherzogtum zu finden. Daher sei es wichtig, dass Beschäftigte bereit seien, sich weiterzubilden, um dann notfalls auch auf anderen Positionen mit anderen Anforderungen zu arbeiten.

Die Arbeit müsse attraktiver werden, forderte Burkhard Landers, Präsident der Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve.

Dazu zähle auch die Möglichkeit, mehr von zu Hause zu arbeiten und verstärkt ein digitales Umfeld zu schaffen, was vor allem für junge Beschäftigte wichtig sei. Einen Grund für den Fachkräftemangel sieht er auch darin, dass viele Eltern ihre Kinder aufs Gymnasium schicken und erwarten, dass sie Abitur machen, obwohl eine Ausbildung für sie der bessere Weg sei.

Zumal die Bezahlung in vielen Handwerksberufen heute kaum schlechter sei als in Akademikerberufen.

Aber auch in den Schulen müsse ein Umdenken stattfinden: Informatik und Computerprogrammierung müsse für alle Schüler Standard werden, forderte Landers.

Nach zwei Stunden Diskussion  steht fest: Das Patentrezept gegen den Fachkräftemangel gibt es weder diesseits noch jenseits der Grenze.