Auf Tuchfühlung zum neuen Chef

Auf Tuchfühlung zum neuen Chef

Chance genutzt: Rund 900 Jugendliche haben die Messe „Dein Tag, Deine Chance – Ausbildung jetzt!“ in der Stadthalle in Bitburg besucht. Dort präsentierten sich 57 Ausbildungsbetriebe und warben für ihre Berufe.

Benedikt Sehr, 18, Eisenach, St.-Josef-Gymnasium Biesdorf: "Ich hab mit Bitburger und Kurth Elektrotechnik über eine kaufmännische Berufe gesprochen, aber nichts wirklich Neues erfahren.". Foto: Christopher Olk
Oliver Bartz, 18, Gilzem, St.-Josef-Gymnasium Biesdorf: "Die Idee einer Ausbildungsmesse ist gut. Aber für den Bereich Logistik gibt es hier kaum etwas.". Foto: Christopher Olk
Joana Wirtz, 18, Körperich, St.-Josef-Gymnasium Biesdorf: "Ich suche was im Bereich Tourismus, da gibt es hier leider nicht wirklich viele Unternehmen.". Foto: Christopher Olk
Fabian Hentges, 19, Wissmannsdorf, St.-Josef-Gymnasium Biesdorf: "An sich eine gute Idee, nur die Stände sind ein bisschen gequetscht. Ich will aber sowieso außerhalb der Region studieren.". Foto: Christopher Olk
Claudia Faust, 17, Holsthum, Staatliches Eifel-Gymnasium Neuerburg: "Ich hab mich bei der Brauerei über eine Tischlerlehre informiert. Eigentlich wäre ich lieber Innenarchitekt, aber da gibt es hier kein Unternehmen für.". Foto: Christopher Olk
Juliane Hoffmann, 16, Sefferweich, St. Willibrord-Gymnasium: "An sich finde ich die Ausbildungsmesse gut, nur ist aus dem Kreativbereich kaum jemand vertreten.". Foto: Christopher Olk
Lisa-Marie-Wagner, 20, Orenhofen, B-BIZ: "Vor allem DM und Kaufland hatten schöne Stände. Da will ich mich auch bewerben.". Foto: Christopher Olk
Tom Rausch, 17, Bitburg, B-BIZ: "Ich habe jetzt gleich einen Termin für das Speed-Dating mit dem Chef der Firma Gangolf.". Foto: Christopher Olk
Scarlett Weiler, 16, Bitburg, Otto-Hahn-Realschule plus: "Eigentlich will ich Rechtsanwaltsgehilfe werden, aber der Stand der Promusik-Veranstaltungstechnik war auch toll.". Foto: Christopher Olk
Laura Barbara, 15, Schwarzenbruch, Realschule Neuerburg: "Die Messe fand ich nicht so interessant, bis auf den Dorint-Stand. Die Arbeit im Hotel interessiert mich.". Foto: Christopher Olk
Lukas Zender, 15, Irrel, Realschule Neuerburg: "Eigentlich gut. Ich will Schreiner werden und habe ein Unternehmen kennengelernt, das für mich in Frage kommt.". Foto: Christopher Olk
Laura Masselter, 17, Dahlem, St.-Willibrord-Gymnasium: "Eigentlich will ich was im Bereich Sozialpädagogik studieren. Aber vielleicht finde ich hier auch noch was anderes Interessantes.". Foto: Christopher Olk
Derik Jüngels, 17, Niederstedem, St.-Josef-Gymnasium Biesdorf: "Eine praktische Veranstaltung. Ich hab schon mit einem Unternehmen gesprochen, die für eine Ausbildung im Bereich Maschinentechnik in Frage kämen.". Foto: Christopher Olk
Sophia Nöhl, 16, Bitburg, St.Willibrord-Gymnasium: "Es gibt eine große Auswahl hier, viele Branchen sind vertreten. Ich will mich im Bereich Gesundheit informieren.". Foto: Christopher Olk
Marcel Linke, 17, Bitburg, B-BIZ: "Es ist alles ein bisschen überfüllt, und nicht alle Stände sind interessant. Wir wurden in der Schule dazu angeregt, hierher zu kommen.". Foto: Christopher Olk
Maximilian Schumacher, 15, Gransdorf, St. Matthias-Gesamtschule: "Ich will Bank- oder Automobilkaufmann werden, da hab ich hier allerdings nichts neues gelernt. Außerdem ist es zu warm.". Foto: Christopher Olk
Foto: Christopher Olk
Alexander Mohr, 15, Wissmannsdorf, Otto-Hahn-Realschule plus: "Gut dass es sowas gibt. Ich will mich gleich am Stand der Brauerei über eine Lehre als Brauer und Mälzer informieren.". Foto: Christopher Olk
Carina Grün, 15, Ehlenz, Otto-Hahn-Realschule plus: "Unser Lehrer hat uns von der Messe erzählt. Ich guck mich einfach mal nach Unternehmen ein, die zur Bürokauffrau ausbilden.". Foto: Christopher Olk
Joel Pauls, 15, Mötsch, St.Matthias-Gesamtschule: "Ich will als Fachinformatiker bei der Brauerei anfangen und hab mich auch am Brauereistand unterhalten.". Foto: Christopher Olk
Anna Comes, 14, Metterich, St.Matthias-Gesamtschule: "Promusik Veranstaltungstechnik hat einen coolen Stand. Und ich hab viel über den Beruf des Physiotherapeuten gelernt - ich kann da zum Glück doch schon mit 16 anfangen.". Foto: Christopher Olk
Christian Birke, 16, Bitburg, St.Willibrord-Gymnasium: "Ich finde die Messe ganz gut, aber es gibt auch viele Technik- Betriebe die mich nicht so interessieren.". Foto: Christopher Olk
Marie-Claire-Kuffel, 17, Neuerburg, Theobald-Simon-Berufsschule: "Die Messe ist informativ, die Aussteller gehen auf die Fragen gut ein. Man kann viele verschiedene Betriebe kennenlernen.". Foto: Christopher Olk
Jana Höftmann, 16, Biersdorf, St. Willibrord-Gymnasium: "Das ist eine gute Sache um sich verschiedene Sachen anzusehen. Ich hab mich beim Hotel Deutscher Hof schon nach einem Praktikum erkundigt.". Foto: Christopher Olk
Nadine Niederprüm, 17, Bitburg, Theobald-Simon-Berufsschule: "Die Menschen an den Ständen können sehr anschaulich von der Arbeit erzählen, und es gibt viel Infomaterial zum mitnehmen. Das ist gut.". Foto: Christopher Olk
Philipp Arnoldy, 16, Oberkail, St. Willibrord-Gymnasium: "Die Messe ist sehr interessant. Ich hab mit der Brauerei und der Firma PSA gesprochen.". Foto: Christopher Olk
Anja Lazar, 17, Holsthum, St.Willibrord-Gymnasium: "Wir schauen uns nur mal um. Eigentlich will ich im Bereich Kommunalverwaltung arbeiten, da gibt es ja hier aber nicht direkt was zu.". Foto: Christopher Olk
Christopher Schares,19, Biersdorf, Abitur am St.Josef-Gymnasium Biesdorf: "Das Angebot ist überraschend vielseitig. Ich suche aber noch nach einem Dualen Studium im Bereich Marketing.". Foto: Christopher Olk
Isabelle Heinen, 15, Ingendorf, Otto-Hahn-Realschule plus: "Ich schau gleich beim Dorint-Hotel vorbei, da hab ich Praktikum gemacht. Ich will auch Hotelkauffrau werden.". Foto: Christopher Olk
Andre Schares, 18, Baustert, St. Willibrord-Gymnasium: "In der Schule hat mir einer von der Messe erzählt. Ich will mich noch entscheiden, ob ich eine Ausbildung oder ein Studium im Bereich Metallbau anfange.". Foto: Christopher Olk

Der Gong ertönt - die erste Runde zum Speed-Dating zwischen den Ausbildern und den Ausbildungsplatzsuchenden ist eröffnet. Fünf Minuten lang können Jugendliche ihrem Gegenüber Löcher in den Bauch fragen, sich ein Bild über den Beruf machen und sich selbst vorstellen. "Ich bin ein bisschen aufgeregt", sagt Eva Löhndorf aus Enzen, die sich für den Beruf der Tourismus-Kauffrau interessiert. Fünf Minuten später hat die Neuntklässlerin ihre erste Runde hinter sich: "Es war gut, aber es ging auch ziemlich schnell." Auch Simon Esch aus Bitburg bewertet die Gesprächsrunde positiv: "Manchmal geht eine Bewerbung im großen Stapel unter. Hier bietet sich eine sehr gute Möglichkeit, sich persönlich vorzustellen."

Informationen aus erster Hand

57 Betriebe sind in der Bitburger Stadthalle vertreten. Den Besuchern präsentieren sie sich mit aufwendig gestalteten Ständen. Es gibt viel Anschauungssmaterial. Und Informationen aus erster Hand, zum Beispiel von Florian Heinrichs, der bei den Westeifelwerkstätten gerade seine Ausbildung zum Industriemechaniker absolviert und allen Interessierten geduldig eine steuerungstechnische Anlage erklärt, die er für die Zwischenprüfung gefertigt hat. Wer durch die Gänge schlendert, hat die Qual der Wahl. Gesucht werden unter anderem Köche, Bürokaufleute, Gärtner, Elektroniker, Tischler, Landwirte bis hin zum Bierbrauer. Vom Angebot sehr angetan ist Dirk Kleis, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mosel-Eifel-Hunsrück-Region: "Hier präsentiert sich ein guter Querschnitt der Betriebe aus der Region." Beeindruckt ist er von der Ernsthaftigkeit, mit der die Jugendlichen die Gespräche führen.

Auch Sabine Zahnen von der Firma Zahnen Technik aus Arzfeld lobt die Ausbildungsmesse, die zum ersten Mal in Bitburg über die Bühne geht. "Ich finde das hier eine super Sache. Es ist toll, wie viele Jugendliche gekommen sind." Die meisten Unternehmen bieten Schnuppertage an oder raten zu einem Praktikum. So auch Manfred Müller. Der Chef des Gartenbaubetriebs aus Niederstedem musste sich bisher um seinen beruflichen Nachwuchs keine Sorgen machen. "Bei uns haben sich die Jugendlichen auch ohne Anzeige beworben. Da ging viel über Mund-Propaganda." Doch in den vergangenen Jahren war die Resonanz eher gering. Viele fürchten die körperliche Arbeit in allen Wetterlagen, glaubt Müller. "Ein Praktikum ist bei uns ein Muss. Das ist besser für beide Seiten." Auch Christian Henzler vom Hotel Deutscher Hof in Trier glaubt, dass Berufe im Gastgewerbe für junge Menschen nicht mehr so attraktiv sind. Außerdem spüre man schon den demografischen Wandel. Überzeugungsarbeit gegen Vorurteile leistet seine Kollegin Linda Schneider, die im letzten Jahr ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau abschloss und ihren Beruf als "super abwechslungsreich" beschreibt und vor allem den Kontakt zu den Gästen sehr schätzt und dass sie ihre Fremdsprachenkenntnisse einsetzen kann.

Gute Plattform für Unternehmen

Jürgen Gubernator aus Niersbach ist mit seinen zwei Söhnen gekommen. "Ich glaube, viele Jugendliche wissen gar nicht, was es alles für Berufe gibt und was sie machen möchten", sagt er. Vieles wüssten junge Leute nur vom Hörensagen. Sandra Johann aus Mertesdorf hat bereits eine abgeschlossene Ausbildung als Europasekretärin hinter sich, möchte aber gerne etwas Neues machen. Sie hat einen ganzen Stapel Informationsmaterial vor sich liegen. Besonders beeindruckt haben sie die Möglichkeiten, die die Bundeswehr auch im Zivildienst bietet. "Vielleicht gehe ich aber auch in eine Bäckerei und werde Müllerin, das finde ich auch interessant." Marcus Kleefisch von der IHK Trier hat die Ausbildungsmesse mit organisiert. Er ist sehr zufrieden mit dem Zuspruch: "Mehr können wir nicht machen, um den Unternehmen eine solche Plattform zu bieten."

Positiv sei, dass sowohl kleine, mittlere wie große Unternehmen vertreten seien. "Ich bin ausgesprochen zufrieden, sowohl mit der Professionalität der Aussteller als auch mit der Anzahl der jungen Interessenten und gebe das Versprechen, dass wir diese Veranstaltung zu einer festen Institution machen werden", sagt TV-Chefredakteurin Isabell Funk. Im Hintergrund ertönt der Gong. Das Speed-Dating geht in die nächste Runde. Drei von sieben Gesprächen hat Dennis Legierse aus Bollendorf bereits hinter sich. "Ich möchte hier so häufig wie möglich mein Gesicht zeigen", sagt er und lacht. Und Bewerbungen will er auch schreiben. Bisher haben ihm alle seine Gesprächspartner gut gefallen.

Die Vorbereitungen für die nächste Messe laufen bereits: Sie findet statt am Freitag, 25. Oktober, von 14 bis 18 Uhr in Trier.

Extra: MesseNach dem erfolgreichen Auftakt in Trier hat der Trierische Volksfreund zusammen mit der Handwerkskammer Trier, der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier und der Agentur für Arbeit in Bitburg eine Ausbildungsmesse organisiert. Mit ein Grund für das Engagement ist, dass noch zahlreiche Ausbildungsplätze in der Region unbesetzt sind. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm haben laut IHK Trier 2012 gut 400 Jugendliche eine Ausbildung begonnen. Gut 200 Plätze blieben allerdings unbesetzt. Nach einer repräsentativen Umfrage der IHK wollen 21 Prozent der regionalen Unternehmen in diesem Jahr noch mehr Bewerber einstellen. Besonders beliebt: kaufmännische Berufe. Den Eindruck hat auch Irene Mai von der Bitburger Brauerei, die auch auf der Messe vertreten ist: "Die Ausbildung zum Industriekaufmann ist heiß begehrt."