Aufschwung kommt im Geldbeutel an

Aufschwung kommt im Geldbeutel an

Weil die Betriebe ausreichend zu tun haben, Verträge häufiger bezahlt und mehr Menschen wieder Arbeit gefunden haben, sind die Insolvenzzahlen zurückgegangen. Besonderheit in der Region Trier: Laut der Wirtschaftsauskunftei Creditreform ist die Zahl der Verbraucherinsolvenzen doppelt so stark zurückgegangen wie im Bund, bei den Unternehmen ist sie in etwa gleich.

Trier. Bundesweit haben die Insolvenzen des Druckmaschinenherstellers Manroland aus Augsburg mit rund 6500 Mitarbeitern und die des Energie- und Telekommunikationsdienstleisters TelDaFax mit 750 000 Gläubigern in diesem Jahr Schlagzeilen gemacht. In der Region Trier waren es die großen Pleiten etwa der Maschinenbaufirma PSA in Bitburg mit 90 Beschäftigten und einem Umsatzvolumen von über elf Millionen Euro, der Mohr Ingenieurholzbau in Trier mit 65 Mitarbeitern und einem Umsatz von etwa 10,8 Millionen Euro sowie der Elektroservice Bauschert in Ayl (Kreis Trier-Saarburg) mit 70 Mitarbeitern und 3,1 Millionen Euro Umsatz. Bei der PSA geht es mit neuem Namen (PSA Technology) weiter, auch für Bauschert hat ein Investor den Standort und damit einen Großteil der Arbeitsplätze erhalten.
Doch insgesamt ist die Zahl der Firmenpleiten in der Region mit geschätzten 157 für dieses Jahr im Vergleich zu 2010 um 5,4 Prozent zurückgegangen. Damit liegt das Gebiet zwischen Eifel, Mosel und Hunsrück laut der vorläufigen Insolvenzanalyse für 2011 der Wirtschaftsauskunftei Creditreform etwa auf Bundesniveau (minus 5,8 Prozent, siehe Extra). "Das ist ein Zeichen dafür, dass wir einen gesunden Mittelstand in der Region haben, der seine Hausaufgaben gemacht hat, und dass die Zusammenarbeit mit der Kreditwirtschaft stabil ist", analysiert Guido Joswig von Creditreform Trier.
Konsumenten profitieren


Besonders auffällig haben die Verbraucher in der Region vom Konjunkturhoch profitiert. Gingen bundesweit die Insolvenzen um 6,1 Prozent zurück, so erreichte man hierzulande ein Minus von 13 Prozent. "Wieder einmal zeigt sich die stabile Lage der Region mit der Nähe zu Luxemburg als großer Arbeitsmarkt, die fehlende Abhängigkeit von großen Industrien wie Stahl", erklärt Joswig. Vor allem im Kreis Bernkastel-Wittlich (minus 37,3 Prozent) und im Vulkaneifelkreis (minus 32,6 Prozent) gingen die Verbraucherpleiten zurück. Einziger Makel: Die Verbraucherinsolvenzen im Kreis Trier-Saarburg steigen um 7,6 Prozent. Dennoch spricht Creditreform von "zufriedenstellenden Ergebnissen". Und auch die Prognosen für 2012 sehen gut aus: Stabilität bei den Firmeninsolvenzen in der Region Trier, leichte Schwankung, aber im Saldo kein Anstieg bei den Verbraucherpleiten.
Extra

Überdurchschnittlich stark ging die Zahl der Insolvenzen im Bund (30 200 Fälle) im Verarbeitenden Gewerbe (minus 14,1 Prozent) und im Baugewerbe (minus 13,3 Prozent) zurück. Stark haben sich die Insolvenzen laut Angaben von Creditreform auch im Maschinenbau, in der Textil-Industrie oder dem KFZ-Handel reduziert. Zuwächse gab es unter anderem im Tiefbau, im Gesundheitswesen und bei Wach-diensten. Schaut man sich die Struktur der Betriebe an, so sind die Insolvenzkandidaten sehr kleine Betriebe bis fünf Mitarbeiter und sehr jung. Jede sechste Firma (16,4 Prozent) war jünger als zwei Jahre, gut ein Drittel jedoch älter als zehn Jahre. Bei den Verbraucherinsolvenzen wurde bundesweit mit 103 200 Fällen erneut die 100 000er Marke geknackt. Seit Einführung der Insolvenzordnung für Verbraucher 1999 haben mehr als 800 000 Deutsche Insolvenz angemeldet. Steigerungen gab es in den Altersgruppen über 50 Jahren. Konjunktur-Profiteure war die Gruppe der 40- bis 49-Jährigen. Sie stellt jedoch mit knapp 30 Prozent auch den Großteil aller Privatinsolvenzen. sas

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