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Ausbildung jetzt!: So läuft die Lehre in Corona-Zeiten

Ausbildung während der Corona-Pandemie : Wie Azubis im Hotel trotz Corona lernen

Eine der Branchen, bei der derzeit zum zweiten Mal für mehrere Monate der Alltag auf Eis gelegt wurde, ist die Hotellerie. Zwei Ausbildungsbetriebe aus der Region zeigen, wie die Azubis trotzdem Praxiserfahrungen sammeln können.

Der Alltag und die Praxiserfahrungen gehören für sie in ihrer Ausbildung eigentlich dazu. Gäste an der Rezeption empfangen, im Restaurant Gerichte zubereiten oder am Tisch bedienen – die Tätigkeiten in der Hotellerie sind normalerweise vielfältig. Schon zum zweiten Mal sind Hotels und Restaurants für mehrere Monate geschlossen. Damit fällt für deren Auszubildende ein großer Teil des Alltags weg. Doch die Ausbilder wussten sich zu helfen und haben Konzepte entwickelt, wie die Azubis trotz der Corona-Pandemie praxisnah lernen können.

Ein Beispiel dafür ist das Hotel Ralinger Hof. Besonders an den Wochenenden wird dort viel Essen über den Lieferservice bestellt, sagt Nicole Reinert-Grethen. Dort hilft Polina, die die Ausbildung zur Restaurantfachkraft macht, bei der Bestellannahme, die Bestellungen mit der Küche und die Lieferung mit den Fahrern abzustimmen. „Das ist anders, als der normale Restaurantablauf. Sie hilft auch bei den Zubereitungen in der Küche mit. Das wäre eigentlich erst später in der Ausbildung dran, aber wurde jetzt vorgezogen“, sagt Reinert-Grethen.

Außerdem werden dort innerbetriebliche Schulungen angeboten. Dabei werden alltägliche Situationen simuliert. Auch der Theorieteil wird aufgefrischt. „Es darf in der Zeit nicht zu viel verloren gehen, und die Lerninhalte dürfen nicht unter den Tisch fallen“, sagt die Ausbilderin.

Dafür musste der Ausbildungsplan angepasst werden. Auch Bereiche wie die Zimmerreinigung, die Wareneingangskontrolle und die Arbeit in der Küche gehören dazu. Langjährige Mitarbeiter in der Branche hätten nach dem ersten Lockdown gemerkt, dass es am Anfang wieder schwierig war, im Service zu arbeiten, sagt Reinert-Grethen. Das sei für Auszubildende noch schwieriger. Deshalb sei es so wichtig, auch weiterhin praxisnahe Situationen zu üben.

Auch im Weinromantikhotel Richtershof in Mülheim an der Mosel haben die Auszubildenden während der Corona-Pandemie mehrere Möglichkeiten, in fast alltägliche Situationen zu üben. In Intensivtrainings haben die Azubis die Chance, sich für Zwischen- und Abschlussprüfungen vorzubereiten.

Bei einem dieser Trainings lernen drei Azubis zur Restaurantfachkraft unter Anleitung des Gastronomieleiters, wie sie Crêpes Suzette flambieren. Im sonst leeren Gastronomiebereich ist alles aufgebaut, was die Azubis dafür benötigen. Unter Aufsicht von Gastronomieleiter Pascal Brizin und Ausbilderin Andrea Mereu üben die drei Auszubildenden den Vorgang. Mit dem Ergebnis sind die beiden zufrieden. „Bei diesen Trainings haben die Azubis aus den verschiedenen Bereichen die Möglichkeit, die unterschiedlichen Tätigkeiten, die sowohl prüfungsrelevant als auch wichtig für den Beruf sind, in einem kleinen Umfeld zu üben und sich somit vorzubereiten“, sagt die Ausbilderin.

Zusätzlich zu den praktischen Übungen werden auch online viele unterschiedliche Arbeitsmaterialien zur Verfügung gestellt, sagt Mereu. Dabei haben sowohl die Industrie- und Handelskammer als auch die Ausbilder im Weinromantikhotel verschiedene Unterlagen zur Verfügung gestellt. Gemeinsam mit allen Azubis hätten sie an Webinaren teilgenommen. Mereu: „Mit den sechs fremdsprachigen Azubis habe ich im Hotel an den Webinaren teilgenommen, damit Fragen sofort besprochen werden konnten. Die Hausaufgaben haben wir gemeinsam beim nächsten Webinar besprochen.“

Außerdem habe es noch weitere Übungsmöglichkeiten wie Prüfungsbögen, Lernplattformen und die Richtershof-Bibliothek mit knapp 100 Fachbüchern gegeben. Das Ziel dabei war eine intensive Vorbereitung auf die Prüfungen, da wegen des Online-Unterrichts und des geschlossenen Betriebs vieles nicht wie gewohnt geübt werden kann.

Die Auszubildenden im Weinromantikhotel Richtershof sind froh über diese zusätzlichen Angebote. Fabienne Boley, Auszubildende zur Hotelfachfrau im zweiten Lehrjahr: „Das sind wirklich gute Formate, um den Lockdown in gewisser Weise zu überbrücken. Anfangs war es etwas gewöhnungsbedürftig, aber mittlerweile ist es einfacher. Die Webinare helfen dabei auch. Von den Lehrern werden wir auch öfter darauf aufmerksam gemacht, welche Aspekte prüfungsrelevant sind.“ Die Intensiv-Trainings hätten bisher gut geholfen, um sich auf die Prüfung und besonders auf den Alltag vorzubereiten, wenn der Lockdown vorbei sein sollte.

Janine Löwenberg, Auszubildende zur Hotelfachfrau im ersten Lehrjahr mit der Zusatzqualifikation Hotelmanagement, ist für die intensive Unterstützung dankbar. „Wir wissen das wirklich sehr zu schätzen. Für die Zusatzqualifikation durfte ich auch bei der Umstrukturierung der Getränkekarte helfen und Tastings organisieren. Da wurde ich komplett mit ins Boot genommen und durfte bei dem ganzen Prozess dabei sein und vieles selber machen. Das hat wirklich geholfen. Ohne den Lockdown hätte ich diese Erfahrung so früh vermutlich noch nicht machen können.“

Außerdem haben die Azubis während des Lockdowns bei unterschiedlichen Renovierungsaufgaben geholfen. Löwenberg: „Dabei haben wir untereinander auch viel zusammengearbeitet. Wir haben von uns aus gefragt, ob wir etwas machen und helfen können, und das hat unserem Teambuilding wirklich geholfen.“ Der Lockdown sei so sinnvoll für die Azubis genutzt worden.

Derzeit sind alle sieben Ausbildungsberufe im Gastgewerbe (siehe Info) von dem Lockdown betroffen, sagt Sebastian Klipp, Pressesprecher der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier. In der Region Trier bieten 281 Betriebe Ausbildungen im Gastgewerbe an. Im vergangenen Jahr haben 159 Auszubildende in einem der sieben Berufe eine Ausbildung begonnen. „Davon abgezogen sind bereits die Verträge, die wieder gelöscht wurden“, sagt Klipp. Im Vergleich dazu haben im Vorjahr 209 Auszubildende im Gastgewerbe ihre Ausbildung begonnen.

Auch wenn vieles in den Ausbildungen wegen der Corona-Pandemie umgestellt werden musste, mussten die Prüfungen bis auf wenige Ausnahmen nicht verschoben werden. Klipp: „Alle Abschlussprüfungen konnten unter hohem Aufwand und mit einem strengen Hygienekonzept durchgeführt werden. Einzig bei den Prüfungen im Frühjahr 2020 kam es zu leichten Verzögerungen, da die Hygienekonzepte erst einmal erstellt und erprobt werden mussten. Seitdem finden die Prüfungen wie geplant statt.“

  Mit dem Ergebnis des Intensiv Trainings sind sowohl die Azubis als auch die Ausbilder zufrieden.
Mit dem Ergebnis des Intensiv Trainings sind sowohl die Azubis als auch die Ausbilder zufrieden. Foto: TV/Angelina Burch

Ob es Auszubildende gab, die ihre Ausbildung wegen den Umständen der Corona-Pandemie abgebrochen haben, lasse sich nicht genau sagen. „Jedes Jahr werden im Schnitt knapp über 9 Prozent der Ausbildungsverhältnisse wieder gelöscht. Der Großteil der Löschungen findet aber gleich zu Beginn der Ausbildung statt“, sagt Klipp. Das habe viele Gründe. Unter anderem sei es nicht ungewöhnlich, dass ein Auszubildender häufiger den Betrieb oder nochmal in die schulische Laufbahn wechselt.