Ausbildung wird bei der Weinkellerei Peter Mertes aus Bernkastel-Kues großgeschrieben

Weinwirtschaft : Wenn Azubis den eigenen Wein kreieren

Ausbildung wird bei der Weinkellerei Peter Mertes aus Bernkastel-Kues großgeschrieben. Mehrfach ausgezeichnet, startet nun ein neues Projekt mit den Nachwuchskräften.

Es ist ein echter Knochenjob im Noviander Honigberg. 261 Reihen sind zu lesen, das sind rund fünf Hektar. Und in diesem Weinberg müssen –  oder dürfen – die Azubis der Peter Mertes KG ran. Der Chardonnay ist reif und für die insgesamt 21 Auszubildenden des Familienbetriebs beginnt damit eine spannende Aufgabe.

Sie können ihren eigenen Azubi-Wein kreieren, sind verantwortlich für Lese, den Ausbau im Keller, das Marketing und die Vermarktung des Weines. Auch den Namen des 2019er dürfen sie selbst wählen. „Bei dem letzten Projekt haben sich die Azubis für den Namen ‚Gemeinsam’ entschieden. Ich glaube, dass zeigt schon, wie die Aufgabe von den Auszubildenden angenommen wird“, sagt Christina Barg, Leiterin PR und Online-Markteing bei Peter Mertes.

Die Ausbildung spielt in der 1924 gegründeten Weinkellerei eine besondere Rolle. Dafür wurde das Unternehmen mehrfach ausgezeichnet, unter anderem von Focus Money. Und dies bereits im zweiten Jahr in Folge. Bewertet wurden Ausbildungserfolg, Ausbildungsquote, Entlohnung und Zusatzangebote von insgesamt 20 000 Betrieben in Deutschland. In der Sparte „Alkoholische Getränke“ erreichte die Kellerei die höchstmögliche Punktzahl und belegte innerhalb der Getränkebranche den ersten Platz.

Die Azubi-Betreuung kommt aber nicht nur bei den Experten an, auch die Lehrlinge sind voll überzeugt. 21 junge Menschen zwischen 16 und 20 Jahren sind derzeit bei der Peter Mertes KG in Ausbildung. In neun Ausbildungsberufen (siehe Extra) starten junge Bewerber in ihr Berufsleben. Die 19-jährige Chiara Schäfer hat vor drei Jahren ihre Ausbildung zur Weintechnologin begonnen und ist begeistert von der Vielfalt und der Abwechslung, die ihr der Beruf bietet. „Ich finde aber auch den Zusammenhalt zwischen den Azubis toll“, sagt die junge Frau.

Das zeigt sich in dem gemeinsamen Projekt, wo alle Nachwuchskräfte zusammen für ihren Wein zuständig sind. Und so kommt eine angehende Weintechnologin dann auch mal in den Weinberg zum Lesen. Ebenso wie Peter Alberts. Der 16-Jährige hat gerade die Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann begonnen. Für ihn ist der Zusammenhalt schon in den ersten Wochen ein großes Plus. „Jeder Azubi bekommt einen älteren Auszubildenden als Paten zur Seite gestellt. Das hilft am Anfang sehr“, sagt der junge Mann.

Was die jungen Leute in ihrem Berufsleben erfahren, gehört bei Peter Mertes zur Unternehmensphilosophie. „Unsere Azubis lernen nur von den Besten im Unternehmen“, erklärt Christina Barg. Bei dem Projekt Azubi-Wein steht ihnen immer ein Experte zur Seite. So wie Tamas Rancsik. Der Weingutsverwalter von Peter Mertes hat bei der Lese alles im Blick. Im Honigberg werden etwa sechs Hektar Chardonnay, im benachbarten Klosterberg sechs Hektar Sauvignon Blancs und dazu etwa ein Hektar gelber Muskateller gelesen.

Insgesamt bewirtschaftet die Weinkellerei mit ihren rund 400 Mitarbeitern etwa 120 Hektar Rebfläche an der Mosel. Der 36-jährige Ungar ist bereits seit 2011 Verwalter im Unternehmen und gibt den jungen Leuten einige Ratschläge. Auch an den anderen Stationen erhalten die Nachwuchskräfte ordentlich Unterstützung, die letzte Entscheidung bei ihrem Wein obliegt aber immer ihnen. Rund 1000 Liter Azubi-Wein gab es bei der letzten Auflage.

Für Christina Barg ist diese Projekt ein wichtiges Element in der ganzheitlichen Ausbildung. „Die jungen Leute leben und atmen sozusagen den Betrieb von Anfang an  ein.“

Sie durchlaufen alle Bereiche, kennen sich in allen Abteilungen aus. „Wenn ich in unserem großen Weinkeller in Bernkastel-Kues bin, verlaufe ich mich immer noch. Die Azubis kennen sich indes bestens aus“, nennt Barg ein Beispiel.

Das empfindet auch Kim Breyer so. Die 20-Jährige hat gerade ihre Ausbildung zur Marketing- und Kommunikationskauffrau begonnen. In Gummistiefeln und gelbem Friesennerz steht sie nun im Weinberg.„Ich finde das faszinierend. Ein Produkt vom Anfang bis zum Ende zu begleiten. Und es ist ein tolles Gefühl, wenn dann die Kunden mit dem Ergebnis zufrieden sind“, sagt die Saarländerin, die ihre Ausbildung an der Mosel macht.

Und sie freut sich, dass den Azubis auch von Anfang an eine große Verantwortung übertragen wird. „Eigenverantwortlichkeit wird von den älteren Mitarbeitern gefördert aber auch von uns eingefordert“, sagt sie.

Chiara Schäfer und Peter Alberts sind eifrig bei der Weinlese dabei. Foto: TV/Heribert Waschbüsch

Der Zufriedenheitsfaktor auf beiden Seiten spiegelt sich wohl auch in einem anderen Punkt. Rund 90 Prozent der Azubis werden übernommen.

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