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Ausbildungsplatzsuche in Corona-Zeiten

Ausbildung jetzt! : Über Umwege den Traumberuf gefunden

Kira Wittwer ist es gewohnt, flexibel zu sein. Seit vergangenem Jahr lebt sie mit ihren Schwestern Nele, Lara und Nike, Eltern und Großeltern in Strohn (Verbandsgemeinde Daun). Bachläufe, Berge, Täler, Felsen, so beschreibt sie das Drumherum ihres neuen Zuhauses in dem Eifeldorf.

Fünfzehn Mal ist die 17-Jährige bis heute mit ihrer Familie umgezogen.

Wurzeln hat sie im Beruf geschlagen: „Ich hatte mich für eine Ausbildung zur Anlagenmechanikerin Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik entschieden“, erzählt die junge Frau. Angespornt durch die Schwester, eine Elektrikerin Energie- und Gebäudetechnik und ein Praktikum. Doch sie sei abgelehnt worden, aufgrund „mangelnder Körperkraft“. Sie ließ sich zur Bürokauffrau ausbilden und war unglücklich. „Die Arbeit war eintönig und frustrierend.“ Mit dem Umzug in die Eifel witterte Kira Wittwer die Chance, sich doch noch um eine Lehre in ihrem Traumberuf zu bewerben. Mit Erfolg.

Seit gut einem Jahr fährt sie täglich ins drei Kilometer entfernte Gillenfeld, in den Betrieb des Heizungsbauers Dietmar Kaster – Meister, Geselle, Azubi Kira Wittwer. Die Firma modernisiert Bäder, Heizungsanlagen und Kessel. „Wir sind der Allrounder der Haustechnik“, sagt Wittwer und dass sie sehr glücklich sei. Sie lernt schweißen, löten, biegen, redet von Isolierungen und Rückläufen. „Die Ausbildung zur Anlagenmechanikerin Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik ist sehr vielseitig und spannend“, sagt sie. Auch privat ist sie kreativ: Zurzeit knüpft sie einen Teppich und renoviert ihr eigenes Bad – neue Leitungen, neue Sanitärobjekte, neue Tapete, neue Fliesen.

Mit ihrem Motorroller fährt sie einmal in der Woche zur Berufsschule nach Gerolstein.

„In meiner Klasse bin ich das einzige Mädchen“, sagt sie. Kein Problem für die Auszubildende.

Dass sie beruflich auf dem richtigen Weg ist, ist jetzt sogar offiziell: Kira Wittner wurde von der Handwerkskammer Trier zum Lehrling des Monats Dezember ausgezeichnet – und sie ist Ausbildungsbotschafterin. Das heißt, sie geht, wenn pandemiebedingt erlaubt, in Schulen. Ihre wichtigste Botschaft an junge Menschen: „Der Beruf Anlagenmechanikerin Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik ist was für Mädchen.“

Kira Wittner hat große Pläne: Ihre Ausbildung möchte sie ein Jahr früher beenden. „Danach möchte ich meinen Installateur und Heizungsbaumeister machen“, sagt sie und nach ein paar Jahren Berufserfahrung plant sie, einen eigenen Betrieb aufzubauen. Wo, das wird sich zeigen.