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Automobil- und Luftfahrt-Zulieferer GKN: Trierer Werk hat neuen Besitzer

Wirtschaft : Automobil- und Luftfahrt-Zulieferer GKN: Trierer Werk hat neuen Besitzer

Britischer Sanierer schluckt Automobilzulieferer GKN. Werkleiter hält Standort für sicher.

Der britische Automobil- und Luftfahrt-Zulieferer GKN hat mit dem ebenfalls britischen Sanierer Melrose einen neuen Besitzer. Was das für das Trierer GKN-Driveline-Werk mit 500 Beschäftigten bedeutet, ist nach Einschätzung der Gewerkschaft IG Metall noch offen.

„Ich erwarte für uns zunächst keine Auswirkungen“, sagt dagegen der Trierer Werkleiter Matthias Henke. „Wir dürfen weiter produzieren, unserer Mitarbeiter beschäftigen und Geld verdienen.“ Am Samstag sollen die Beschäftigten bei einer Betriebsversammlung informiert werden.

Nach Berichten mehrerer Fachzeitschriften hatten die GKN-Vorstände noch bis zuletzt versucht, die Übernahme zu verhindern. Vergeblich. Doch am Ende stimmte eine Mehrheit der Aktionäre dem Verkauf zu. Der Kaufpreis soll über neun Milliarden Euro betragen haben.

GKN (Abkürzung für Guest, Keen & Nettlefolds) beschäftigt weltweit 60 000 Mitarbeiter und ist einer der führenden Anbieter von Antriebs- und Gelenkwellen. Die in Trier gefertigten Produkte, darunter Gelenkzapfen und Achswellen, sind in Fahrzeugen nahezu aller großen Automobilhersteller zu finden.

Das Werk im Trierer Hafen wurde vor 54 Jahren als Rheinmetall Schmiede- und Presswerk gegründet. Anfang der 70er Jahre wurde GKN Mehrheitsaktionär. Der Betrieb an der Mosel gehörte im Konzern stets zu den technologisch modernsten Standorten für das Umformen von Stahl. Über die Jahre hinweg wurde ein hoher zweistelliger Millionenbetrag in neue Anlagen investiert. „Das ist ein Vertrauensbeweis und ein deutliches Zeichen zur Stärkung des Standorts“, freute sich Werkleiter Matthias Henke beim Jubiläum vor drei Jahren.

Der Optimismus ist trotz des GKN-Verkaufs geblieben. „Ich habe keine Angst vor der Zukunft“, sagte Henke am Mittwoch unserer Zeitung, „der Trierer Standort ist konkurrenzfähig.“

Andere wie der Trierer IG-Metall-Bevollmächtigte Christian Z. Schmitz sind da zurückhaltender. „Man kann jetzt noch nicht sagen, welche Auswirkungen auf den Standort Trier die Übernahme haben wird“, sagte Schmitz unserer Zeitung. Es könne sein, dass der Standort langfristig davon profitiere, so der Gewerkschaftsfunktionär, es könne aber auch in die andere Richtung gehen.

In einer Mitgliederzeitschrift der Offenbacher IG Metall wird offen vor dem Sanierer Melrose gewarnt. Das britische Unternehmen stehe im Ruf, Firmen zu kaufen, um den Aktienkurs zu steigern, und sie mit Gewinn wieder zu verkaufen, heißt es da. Melrose habe keine Erfahrung in der Führung eines so großen Unternehmens wie GKN.

Auch an anderen deutschen GKN-Standorten wie im nordrhein-westfälischen Lohmar, in Bonn oder Bad Godesberg ist die Ungewissheit groß, wie es mit dem neuen Eigentümer an der Spitze wohl weitergehen mag. Fest steht derweil, dass Melrose seinen Neuzugang GKN bis Ende des Monats von der Börse abmelden und die Aktien aus dem Handel nehmen will. Der komplette Vorstand des Luftfahrt- und Automobilzulieferers ist bereits zurückgetreten, zunächst sollen die Melrose-Direktoren die Aufgaben mitübernehmen.

Ob sich auch an der Spitze der einzelnen Werke etwas ändert, dürfte sich wohl erst in den nächsten Monaten entscheiden.