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Babynahrung für die Unternehmenszukunft

Babynahrung für die Unternehmenszukunft

Die Milchwirtschaft steckt seit vielen Monaten in einer tiefen Krise. Das zeigt sich auch bei der Jahresbilanz der Hochwaldgruppe für 2015. Umsatz und Milchpreis sind 2015 rückläufig gewesen, doch besser als der Branchendurchschnitt. Und eins zeichnet sich ab: Die Vorzeichen für dieses Jahr sind nicht rosig.

Thalfang. Die fünftgrößte deutsche Molkerei legt für das Geschäftsjahr 2015 rückläufige Zahlen vor. Zwar ist die Hochwald Molkereigenossenschaft in vielen signifikanten Kennzahlen (siehe Extra) besser als der deutsche Branchendurchschnitt, doch das abgelaufenen Jahr war weder für die Molkerei noch für ihre Landwirte ein wirklich gutes Jahr. Der Umsatz sank um 9,4 Prozent. Auslandsgeschäft schwierig

Den größten Anteil am Umsatz trägt der Export. Das Geschäft sei zwar vom Rohölpreisverfall und von politischen Krisen in einigen Absatzländern geprägt gewesen, insgesamt konnte das Volumen jedoch im Vergleich zum Vorjahr bei leicht rückläufigen Preisen gehalten werden, der Umsatz mit Drittländern wurde sogar um mehr als sieben Prozent gesteigert. Doch das reichte nur aus, um den Rückgang im Auslandsgeschäft etwas abzumildern (siehe Extra). "Die Entwicklungen auf dem Milchmarkt haben die Milchpreise unter Druck gesetzt", stellt die Geschäftsführung fest. Die globalen Milchauszahlungspreise seien um etwa ein Viertel gesunken. Die gut 30 Cent, die Hochwald im Schnitt 2015 an seine 3700 Milchbauern für den Liter Milch (Leistungspreis bei 4,0 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß inklusive Nachzahlung) bezahlt hat, sind acht Cent weniger als noch 2014. Hochwald-Geschäftsführer Detlef Latka, der den kaufmännischen Bereich verantwortet, sieht das Unternehmen auch für das kommenden Jahr besser aufgestellt als viele Mitbewerber.Besser als der Durchschnitt

"Wir erwarten trotz der Marktentwicklung, dass auch in 2016 ein überdurchschnittlicher Milchpreis - allerdings auf niedrigerem Niveau als 2015 - gezahlt werden kann. Bereits in den ersten Monaten lag der Auszahlungspreis über dem Bundesdurchschnitt." Derzeit zahlt Hochwald 22,51 Cent je Kilogramm Milch. Hans-Jürgen Sehn, Aufsichtsratschef der Molkerei-Gruppe Hochwald Foods, ist zumindest sicher, dass die Talsohle beim Milchpreis erreicht ist. Das Unternehmen versucht, die schwierige Situation auf einigen Feldern zu beackern. So wurden im vergangenen Jahr 91 Millionen Euro investiert. Größtes Projekt war der Bau einer Produktionsanlage für entmineralisiertes Molkenpulver. Ein Engagement, das sich in Zukunft auszahlen soll. "Mit der Erschließung des Geschäftsfeldes Baby- und Kindernahrung und der Inbetriebnahme des Trockenwerkes in Hünfeld haben wir bei Hochwald ein neues Niveau der Veredelung von Milch erreicht", sagt Hochwaldgeschäftsführer Karl Eismann (Produktion). Zudem setzt das Unternehmen bei sich selbst den Rotstift an. Mit einem "Kostenoptimierungsprogramm" sollen im weiteren Verlauf des Jahres rund zehn Millionen Euro eingespart werden. Dabei sollen auch die Mitarbeiter aus ihrer Sicht mögliche Sparpotenziale melden. "Angesichts des aktuellen Milchpreises sei es wichtig, dass auch die Bauern sehen, dass kein Geld verschwendet wird", sagt eine Unternehmenssprecherin.Strategien gegen die Krise

Die Strategie 2020 beinhaltet auch andere Bausteine: Der Verkauf des Fleischwerkes in Meppen und die Kooperation mit der Schwälbchen Molkerei (der TV berichtete) sind erste Maßnahmen. Erfreulich für die rund 5000 Genossenschaftsmitglieder ist auch die Tatsache, dass die Eigenkapitalquote sich von 28,9 Prozent auf 30,2 Prozent erhöht hat. Maßgeblich Anteil daran hat die Ausgabe von Genussscheinen (16 Millionen Euro). Die Vertreterversammlung hat zudem eine neue Genussscheinemission von 25 Millionen Euro beschlossen.Positiv stellt sich auch die Entwicklung bei den Mitarbeiterzahlen dar. Die Gruppe beschäftigte im vergangenen Jahr 1912 Mitarbeiter (2014: 1844), davon rund 470 am Standort in Thalfang. Insgesamt hat Hochwald acht Produktionsstandorte. Extra

Der Umsatz der Hochwaldmolkerei ist im vergangenen Jahr eingebrochen. Die 1,44 Milliarden Euro Umsatz bedeuten gegenüber 2014 (1,589 Milliarden Euro) einen Rückgang um 9,4 Prozent. Der Exportanteil daran ging um knapp 20 Millionen Euro auf 655,9 Millionen Euro zurück. Die Milchmenge ist mit 2,2789 Milliarden Kilogramm Milch in etwa gleich geblieben. Der Milchpreis ist im vergangenen Jahr um acht Cent zu 2014 gesunken. 30,8 Cent gab es im Durchschnitt für den Liter. Die Zahl der Mitarbeiter ist auf 1912 (plus 68) gestiegen. hw