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Bahn streicht zweites Gleis

Bahn streicht zweites Gleis

Zwar dementiert die Bahn noch, doch Experten zweifeln nicht daran: Die Bahn stoppt den geplanten Ausbau der Strecke Trier-Luxemburg. Auch andere Projekte stehen auf der internen Streichliste.

Trier/Mainz. Noch vor einigen Wochen hat es so ausgesehen, als sei der seit Jahren versprochene Ausbau der Bahnstrecke zwischen Trier und Luxemburg nur noch eine Frage der Zeit. Bis 2012 sollte zwischen Igel (Trier-Saarburg) und der luxemburgischen Grenze auf zwei Kilometern ein zweites Gleis verlegt werden, um dort einen Engpass zu beseitigen. Doch nun steht fest: Dieser Ausbau wird nicht kommen.

Zumindest in den nächsten 15 Jahren nicht. Zusammen mit mindestens elf weiteren bundesweiten Projekten liegt die Strecke Trier-Luxemburg auf Eis. Bei derzeitiger Finanzplanung seien diese bis 2025 nicht realisierbar, soll die Bahn laut Medienberichten die interne Streichliste begründet haben. Die Bahn und das Bundesverkehrsministerium dementierten, dass es eine solche Streichliste überhaupt gibt. Nach TV-Informationen hat das Ministerium mittlerweile aber wohl eingeräumt, dass für den zweigleisigen Ausbau der Strecke zwischen Igel und luxemburgischer Grenze kein volkswirtschaftlicher Nutzen mehr nachzuweisen sei. Die absehbaren Kosten lägen deutlich über den ursprünglichen Ansätzen. Bislang waren 19 Millionen Euro für den Bau des zweiten Gleises veranschlagt. Vergangene Woche teilte das Ministerium dem TV noch mit, der Bedarf werde geprüft.

Verkehrsexperten bezweifeln jedenfalls nicht, dass es tatsächlich eine solche Streichliste gibt. Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Hendrik Hering warnt daher seinen Kollegen in Berlin, Peter Ramsauer (CSU), am falschen Ende zu sparen. "Es kann nicht sein, dass durch ohnehin unverantwortliche Pläne für eine Steuersenkung wichtige Projekte für Investitionen in den Schienenverkehr gekippt werden", sagte Hering. Neben der Strecke Trier-Luxemburg ist wohl auch der Ausbau der Strecke Mainz-Mannheim von der Streichung betroffen.

Die Bahn bringt das Land damit in Bedrängnis. Noch im August vergangenen Jahres verkündete Verkehrsminister Hering, dass man an dem Ausbau der grenzüberschreitenden Strecke festhalten werde. Damals hatte Luxemburg angekündigt, sich nicht wie zunächst zugesagt an den Kosten für den Bau des zweiten Gleises zu beteiligen.

2007 hatte der damalige Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee bei einer überparteilichen Verkehrskonferenz in Trier den Ausbau zugesagt. Doch das waren, wie sich jetzt zeigt, leere Worte. Beim für den Schienennahverkehr zuständigen Zweckverband SPNV Nord sieht man den Stopp der Ausbaupläne kritisch.

Verbandsdirektor Thomas Geyer schließt nicht aus, dass sich die ab 2015 geplanten Verbesserungen bei den Verbindungen nach Luxemburg nicht realisieren lassen.

Nicht von den Streichplänen betroffen ist nach Angaben von Joachim Winkler, Sprecher des rheinland-pfälzischen Verkehrsministeriums, der Umbau der Gleise vor der Konzer Bahnbrücke. Auch dieser wurde von Tiefensee 2007 zugesagt, um die Verbindung nach Luxemburg schneller zu machen.