Balance aus Innovationskraft und Bewahren

Mülheim/Wittlich · Vier Generationen, vier Standorte allein in Deutschland: Das 1909 gegründete Traditionsunternehmen Benninghoven ist heute ein echter Global Player und bietet vor allem Hightech für den Straßenbau.

 Die Anlagen der Firma Benninghoven gehen von der Mosel in die ganze Welt. TV-Foto: Angelika Koch

Die Anlagen der Firma Benninghoven gehen von der Mosel in die ganze Welt. TV-Foto: Angelika Koch

Mit einer großen Hausmesse am Hauptsitz in Mülheim/Mosel feierte Benninghoven in diesem Jahr das 100-jährige Bestehen des einst von Otto Benninghoven in Hilden gegründeten Unternehmens. Die Firmengeschichte mit ihrem Start als Fabrik für Zahnräder und Pleuelstangen belegt eine kontinuierliche enorme Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit an weltweite neue Märkte. Denn heute ist der einstige Automobilzulieferer Benninghoven ein Synonym für Hightech-Kompetenz bei Asphalt-Mischanlagen und anderen komplexen Maschinen, die insbesondere für den Straßenbau benötigt werden. Auf dieses Geschäftsfeld wiederum kam der Betrieb durch den zwischenzeitlichen Einstieg in die Feuerungstechnologie: Es wurden Brenner für Kesselanlagen hergestellt, die zur Gesteinstrocknung in der Asphaltherstellung Verwendung fanden.

"Wir hatten seit jeher den unternehmerischen Biss, den Betrieb mit Neuerungen voranzutreiben", schildert der jetzige Seniorchef Rolf Benninghoven die durchgängige Philosophie, "aber zugleich haben wir immer auf finanzielle Solidität geachtet." Es sei ein stetiger Balanceakt zwischen dem bewussten Umgang mit Marktrisiken und behutsamem Umgang mit den ökonomischen Ressourcen. Diese Einstellung wird in der vierten Generation von Bernd Benninghoven fortgeführt - er steht seit 2003 an der Spitze des Unternehmens. Längst ist ein drittes Leitmotiv hinzugekommen, das berücksichtigt wird und als Innovationsmotor fungiert: die Ausrichtung der Technologie an der Ökologie. "Umweltbewusstsein und Rentabilität gehören für uns zusammen", betont Benninghoven. Die vom Unternehmen entwickelten Anlagen sind auf die Optimierung von Energiekosten und auf die Reduzierung von Emissionen ausgelegt.

Die starke Ausrichtung auf Neu- und Weiterentwicklungen des Produktportfolios bringt nicht nur qualifizierte Arbeitsplätze für die Region mit sich - 430 in Mülheim und 120 in Wittlich - sowie 80 Ausbildungsplätze zur Sicherung des eigenen Fachkräftebedarfs. Auch das durch diese Strategie bedingte Investitionsvolumen ist beachtlich: Im abgelaufenen Geschäftsjahr waren es allein an den beiden Standorten in der Region Trier vier Millionen Euro. Die Innovationskraft rechnet sich: Damit hat sich Benninghoven international gut positioniert, der Exportanteil beträgt rund 85 Prozent. Vor allem die Schwellenländer in Asien und Osteuropa oder auch die Türkei sind Abnehmer. Als attraktive Länder für Geschäftspartnerschaften gelten auch Staaten in Afrika, die derzeit ihre Verkehrsinfrastrukturen aufbauen, wie etwa Kenia oder Ruanda. Hier arbeitet Benninghoven am Markteintritt. Doch die Globalisierung biete nicht nur gute Seiten: "Wir haben uns komplett aus China zurückgezogen, weil wir dort zu sehr mit dem Problem der Plagiate konfrontiert sind." Hier gebe es zu wenig Schutz für deutsche Unternehmen seitens der Regierung, moniert Benninghoven.