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Bankenhochzeit in der Region Trier geplant

Bankenhochzeit in der Region Trier geplant

In der Region Trier bahnt sich eine weitere Bankenhochzeit an: Die Volksbank Trier und die Volksbank Hochwald-Saarburg wollen fusionieren. Am Dienstagabend wurden zunächst die Vertreter der Volksbank Hochwald-Saarburg über die Pläne informiert.

Saarburg/Trier. Unter den genossenschaftlichen Banken in der Region Trier wird der Zusammenschluss der Volksbank Trier und der Volksbank Hochwald-Saarburg vorbereitet. Einen entsprechenden Bericht des Trierischen Volksfreunds bestätigten die Vorstände. Sie seien derzeit in Sondierungsgesprächen und von einer Fusion überzeugt.

"Eine Volksbank für einen Wirtschaftsraum" sei das Ziel, sagten die Vorstände Horst Schreiber und Norbert Friedrich von der Volksbank Trier und Alfons Jochem und Werner Dellwing von der Volksbank Hochwald-Saarburg. Doch zunächst werden die Vertreter der beiden genossenschaftlichen Institute von den Plänen unterrichtet. Am Dienstag gab es die ordentliche Vertreterversammlung bei der Volksbank Hochwald-Saarburg, am kommenden Montag zieht die Volksbank Trier nach.Der Name steht fest


Das Vorstandsquartett hofft auf deutliche Zustimmung für die Pläne. "Es gibt betriebswirtschaftliche und kulturelle Gründe für diesen Weg", sagt Horst Schreiber. Aus der Stärke heraus könnten beide Volksbanken zusammen noch mehr erreichen. "Die Wirtschaftskraft in der Region wächst sehr stark, und wir müssen auch mitwachsen", sagt Alfons Jochem.
Die neue Volksbank Trier hätte eine Bilanzsumme von 1,2 Milliarden Euro und ein Kreditvolumen von 900 Millionen Euro, verwaltet dann Kundeneinlagen in Höhe von 880 Millionen Euro. Das durch die Volksbank betreute Gesamtkundenvolumen läge bei 2,6 Milliarden Euro.

In den 40 Filialen in der Region würden dann etwa 80 000 Kunden beraten und betreut. Die Mitarbeiterzahl läge bei 315 Beschäftigten.

Nach einer Fusion soll die Bank schlicht Volksbank Trier heißen. Norbert Friedrich: "Das wird jeder verstehen, schließlich ist Trier das Oberzentrum." Doch als Stadtbank werde man sich nach einem Zusammenschluss ganz sicher nicht verstehen. "Unsere Stärke ist die Regionalität und Dezentralität. Wir werden starke Standorte in der Region Schweich, Saarburg, Hermeskeil und Trier haben und auch zentrale Aufgaben dort ansiedeln", sagt Werner Dellwing: "Wir werden weiter unsere Kompetenz vor Ort mit Spezialisten vorhalten." Dies gehe auch nur mit einem starken Filialnetz. Ob alle 40 Filialen weiter erhalten bleiben, können man zurzeit noch nicht garantieren. "Wir werden alle Filialen auf den Prüfstand stellen", sagt Horst Schreiber. Dabei gehe es weiter darum, dem Kunden vor Ort den größt möglichen Nutzen zu bieten. Sein Kollege Norbert Friedrich ergänzt: "Die Filialen sind unsere Ankerpunkte vor Ort."

Kommt es zur Fusion, müssten sich nur wenige Kunden auf Änderungen einstellen. "Es wird für wenige neue Kontonummern geben, doch die bei weitem meisten Kunden können ihre behalten", sagt Werner Dellwing. Die Volksbank Trier wird aber ihre Bankleitzahl behalten, und die wird dann auch für die Kunden der Volksbank Hochwald-Saarburg gelten.

Für das Vorstandsquartett ist ein Zusammenschluss eine konsequente Antwort auf die vielen Aufgaben, die die Europäische Union an die Banken stellt. "Wir werden die Synergieeffekte, die sich ergeben, nutzen, um die frei gewordenen Mitarbeiter für spezielle Aufgaben einzusetzen", sagt Norbert Friedrich. Bundesweit gibt es noch knapp 1100 eigenständige Genossenschaftsbanken am Markt, doch der Konzentrationsprozess nimmt ständig zu.

Ist eine Fusion nun, nachdem die Volksbank Trier 2005 mit der Volksbank Schweich fusionierte und die Volksbanken Hermeskeil und Saarburg vor fünf Jahren zusammengingen, nur ein weiterer Schritt zur nächstgrößeren Fusion? "Das können wir aus heutiger Sicht ausschließen", sagt Norbert Friedrich. Die beiden Volksbanken seien in ihrer jetzigen Größe und mit ihren Ergebnissen erfolg- und ertragreich. Der Zusammenschluss passe, weil sich hier eine Volksbank für einen Wirtschaftsraum aufstelle. "Wir wollen größer werden, um uns das Kleinsein weiter leisten zu können", sagt Alfons Jochem.Wie sieht der Zeitplan aus?


Derzeit sind die beiden Volksbanken in Sondierungsgesprächen. "Es geht darum, dass wir uns in den entscheidenden Fragen einig werden und prüfen, welche Vorteile sich ergeben", erklärt Horst Schreiber.

Als genossenschaftliche Bank sei man den Mitgliedern verantwortlich, und die Vertreterversammlungen entscheiden über den zukünftigen Weg. Deshalb werden nun die beiden Gremien informiert. Die Volksbank Trier hat rund 25 000 Mitglieder, die Volksbank Hochwald-Saarburg 10 000.Absichtserklärung folgt


Erst danach werden die beiden Vorstandsgremien eine entsprechende Absichtserklärung erarbeiten (Letter of Intent), in der alle Vereinbarungen festgehalten werden. Zunächst soll die neue Volksbank mit den vier Vorständen ins Rennen gehen. Über den Zusammenschluss werden Ende Juni 2015 die beiden Vertreterversammlungen der genossenschaftlichen Banken entscheiden.

Bei einer Zustimmung der Gremien gilt die Fusion zur neuen großen Volksbank Trier rückwirkend zum 1. Januar 2015.
Die vier Vorstände der zwei Banken sind sich einig, dass ein Zusammenschluss Sinn macht, und hoffen auf breite Unterstützung durch ihre Mitglieder.Extra

Die Volks- und Raiffeisenbanken haben in Deutschland eine lange Tradition: Genossenschaftsbanken sind im Normalfall Banken, die genossenschaftlich organisiert sind. Die Ansätze gehen auf die Grundsätze der Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung von Franz Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Die Idee war, auch kleineren Leuten die Möglichkeit von Kapitalansammlung und Kreditgewährung zu bieten. Die Anteile der Genossenschaftsbanken werden von ihren jeweiligen Mitgliedern gehalten. Die Volksbank Hochwald-Saarburg geht auf das Jahr 1886 zurück, die Volksbank Trier auf das Jahr 1904. hw