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Belgischer Brau-Riese schluckt "Bud"

Belgischer Brau-Riese schluckt "Bud"

Die seit längerem diskutierte Mega-Hochzeit auf dem internationalen Bier-Markt scheint perfekt: Der belgische Brau-Riese Inbev schluckt seinen US-Kontrahenten Anheuser-Busch. Der neue Welt-Marktführer produziert 60-mal so viel Bier wie die Brauereien der Bitburger Getränkegruppe.

Bitburg. Die "Fusionitis" unter den weltgrößten Bier-Brauern geht in die nächste Runde: Nach monatelangem zähen Ringen ist die Übernahme des traditionsreichen amerikanischen Budweiser-Produzenten Anheuser-Busch durch die belgisch-brasilianische Inbev (Stella Artois, Beck's, Diebels, Franziskaner) unter Dach und Fach. Einzig die Aktionäre und Kartellbehörden müssten dem Kauf noch zustimmen, hieß es gestern. Durch die Fusion der weltweit zweit- und drittgrößten Brau-Unternehmen verdrängt der Bier-Konzern mit dem neuen Namen Anheuser-Busch Inbev den amtierenden Platzhirschen SABMiller (Pilsener Urquell, Miller). Der neue Brau-Riese wird einen Umsatz von rund 36 Milliarden Dollar jährlich erzielen und etwa 300 Biermarken auf sechs Kontinenten umfassen. Neben den deutschen Marken Diebels, Beck's, Hasseröder, Franziskaner und Löwenbräu besitzt der belgische Inbev-Konzern auch die luxemburgische Brasserie de Luxembourg mit den Biermarken Diekirch und Mousel.Experten wie der Vize-Präsident des Deutschen Brauerbundes, Peter Rikowski, glauben nicht, dass die Mega-Fusion große Auswirkungen auf den deutschen Bier-Markt haben wird. "Veränderungen werden sich vor allem im amerikanischen und im internationalen Marktumfeld ergeben", sagte Rikowski, der auch Sprecher der Geschäftsführung der Bitburger Braugruppe ist, gestern im Gespräch mit unserer Zeitung.Dem Bit-Chef ist der amerikanische Brau-Konzern Anheuser-Busch bestens bekannt. Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 hatte Rikowski der US-Konkurrenz eine Vereinbarung abgerungen. Die erlaubte es den Brauern aus der Eifel, ihr Bier bei der WM zu verkaufen, obwohl sich Anheuser-Bush bei der Fifa die Exklusiv-Rechte gesichert hatte. Im Gegenzug durften die Amerikaner in Deutschland für ihr "Bud" werben, was ihnen - wegen der Verwechslungsgefahr mit "Bit" - eigentlich durch ein Gerichtsurteil untersagt ist. Nach dem WM-Deal war in Branchenkreisen sogar zeitweise über eine mögliche Allianz zwischen der Bitburger Getränkegruppe (König Pilsener, Licher, Wernesgrüner, Köstritzer) und Anheuser-Busch spekuliert worden. Realität wurde das Gerücht aber nie.Im saarländischen Homburg dagegen holte sich die Karlsberg-Brauerei bereits vor fünf Jahren einen größeren Partner mit ins Boot. Seit 2003 ist die Brau Holding International (BHI) an der Karlsberg International Brand GmbH beteiligt. Hinter der BHI (Paulaner, Kulmbacher, Fürstenberg) steht ein Gemeinschaftsunternehmen der Brau-Riesen Heineken und der Münchner Schörghuber-Gruppe. Experten glauben, dass der Konzentrationsprozess auf dem Bier-Markt noch lange nicht beendet ist. "Das wird sich fortsetzen - sowohl international als auch in Deutschland", sagt Brauer-Bund-Vize Peter Rikowski. Die Bitburger Braugruppe sieht Rikowski im "ohnehin harten Konkurrenzkampf" allerdings gut gerüstet: "Für uns wird die bevorstehende Fusion keine unmittelbaren Auswirkungen haben."Während andere in der Branche fusionieren oder verkaufen, halten die Brauer aus der Eifel weiter Ausschau nach potenziellen Übernahmekandidaten. "Bitburger sucht noch nach Kölsch, Alt und Weizen", titelte unlängst ein Fachblatt.

Meinung

Attackiert wird später

Als hätten es die hiesigen Brauer in Zeiten steigender Rohstoffpreise, sinkenden Bier-Absatzes und Rauchverbots in der Gastronomie nicht schon schwer genug, droht ihnen von der angekündigten Mega-Fusion nun neues Ungemach. Der zukünftige Brau-Primus Anheuser-Busch Inbev produziert mit jährlich 460 Hektolitern Bier fünfmal mehr Gerstensaft als bundesweit verkauft wird. Angesichts derart mächtiger Konkurrenz muss es den Verantwortlichen in Bitburg, Warstein oder anderswo angst und bange werden. Der Branche steht ohnehin ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb bevor, gibt es doch in Deutschland so viele Brauereien (1300) wie sonst nirgendwo. Womöglich bewahrt allerdings gerade diese Zersplitterung die hiesigen Brauer noch vor einer Attacke des neuen Weltmarktführers. Der Brau-Gigant wird abwarten, bis sich der deutsche Bier-Markt selbst bereinigt hat oder ein Großer verkauft. Aber dann wird zugeschnappt und angegriffen. r.seydewitz@volksfreund.de