Beratung passend zum Bildungsbedarf

Beratung passend zum Bildungsbedarf

TRIER. Weiterbildung wird angesichts der demografischen Entwicklung zum Schlüsselfaktor für Arbeitnehmer und Betriebe. Davon ist die "Lernende Region Trier" überzeugt. Der Verein will nach einer ersten Phase nun seine Arbeit in einer "Bildungsberatungsagentur" vertiefen und hat dazu 400 000 Euro aus EU-Mitteln zur Verfügung.

Nur rund 40 Prozent aller Beschäftigten zwischen 20 und 40 Jahren in deutschen Unternehmen machen eine Weiterbildung. Über 60 Jahre sind es sogar unter ein Prozent. "Angesichts der demografischen Entwicklung müssen wir versuchen, auch mit weniger Menschen die Wirtschaft am Laufen zu halten", sagt Carl-Ludwig Centner, Geschäftsführer der "Lernenden Region Trier".Beratungsagentur soll Ende 2007 arbeiten

Doch weil es zuweilen schwierig ist, den Weiterbildungsbedarf von kleinen Betrieben oder Zielgruppen wie Berufsrückkehrerinnen zu ermitteln, geht der Verein nun in die Tiefe. Mit rund 400 000 Euro, die das Bundesbildungs-Ministerium über den Europäischen Sozialfonds bereitstellt, soll nun bis Ende 2007 in der Region Trier eine "Bildungsberatungsagentur" gegründet werden. In den vier Jahren seines Bestehens hat der Verein bereits mehrere Projekte ins Leben gerufen, etwa die "Anlaufstelle Französisch", die vom Euro Info Centre weitergeführt wird, die Bildungsmesse "Job + Karriere" oder das Selbstlernzentrum, das von der Trierer Volkshochschule betrieben wird. "Diese Projekte sind deutschlandweit Alleinstellungsmerkmale geworden. Das Selbstlernzentrum ist gar unter dem Namen ,Trierer Modell‘ bekannt und hat aktuell eine Auslastung von über 90 Prozent", sagt Centner stolz. Nun gehe es darum, das bestehende Netzwerk zu vertiefen und die Beratung stärker in den Vordergrund zu stellen. So soll eine Bildungsberatungsagentur erstmals in Deutschland ein Netzwerk für kleine und mittlere Unternehmen aufbauen, mit dessen Hilfe die Betriebe ihren Weiterbildungsbedarf ermitteln können, etwa: Passt die Qualifikation der Mitarbeiter auf die Unternehmensziele? Wie sieht der Wettbewerb aus? Was sind die mittelfristigen Pläne des Betriebs? "Wir wollen anhand von Musterbetrieben mit externen Beratern und einem Bildungskoordinator einen Plan ausarbeiten und über die Hochschulen einen Leitfaden erstellen", sagt Centner. In der Betriebsberatung werde nur allzu oft an den Symptomen herumgedoktert, die Personalentwicklung bleibe außen vor. "Erfolg geht nur über gute Mitarbeiter, deshalb sollten mindestens 50 Prozent der Betriebsberatung in die Personalentwicklung gehen", sagt Centner. In einer zweiten Säule will die "Lernende Region" einen Weiterbildungsplan für besondere Problemgruppen des Arbeitsmarkts erarbeiten. Beispiel Frauen nach einer längeren Babypause: Bei ihnen soll eine Bildungsberaterin Kompetenzen abfragen und eine Karriereplanung der Rückkehrerinnen ermitteln. "So kann etwa eine Bürokauffrau den Betriebswirt im Handwerk ablegen und bekäme über das Meister-Bafög sogar gut 30 Prozent der Kurskosten bezahlt", rechnet Centner vor. Zusätzlich soll es eine Online-Beratung für den ländlichen Raum geben, bei der Experten regelmäßig im Chat beraten. Centner geht es vor allem um die Bewusstmachung: "Wir brauchen ältere Mitarbeiter, wir brauchen Frauen als Mitarbeiterinnen, und wir brauche Migranten als Mitarbeiter. Da braucht es auch eine gute Kommunikation zwischen Chef und Beschäftigten", sagt er. Und da springen die Kunden der "Lernenden Region", die rund 36 größeren und 28 kleineren Weiterbildungsträger in der Region Trier ein: Sie sollen Angebote entsprechend dem Weiterbildungsbedarf machen und damit das Netzwerk mit Leben erfüllen, so dass Beschäftigte, Betriebe und Anbieter davon profitieren.