Beste Chancen für Jugendliche

Beste Chancen für Jugendliche

Rein rechnerisch ist die Ausbildungsplatzsituation in der Region Trier nahezu paradiesisch. 3600 Jugendliche haben 2012/13 die Auswahl aus fast 3700 freien Lehrstellen gehabt. Doch sowohl Betriebe als auch Bewerber haben so ihre Probleme, berichten die Kammern und die Arbeitsagentur bei der Vorstellung der Bilanz.

Trier. Junge Menschen ausbilden - das ist für viele Betriebe in der Region Trier einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zur Fachkräftesicherung. Allerdings spürt die Wirtschaft, dass es immer schwieriger wird, die passenden Auszubildenden zu finden. "Was für die Betriebe einen immer größeren Aufwand bei der Azubi-Akquise bedeutet, bringt für Schulabgänger beste Chancen auf eine Lehrstelle mit sich", erklärt Heribert Wilhelmi, Leiter der Trierer Arbeitsagentur. 3600 jugendliche Bewerber, 3700 Jobangebote - und trotzdem stehen 180 Jugendliche ohne Lehrvertrag da, gut 160 Ausbildungsplätze wurden nicht besetzt. Für Heribert Wilhelmi hat diese Diskrepanz zwei Gründe. "Die Mobilitätsproblematik in unserer Flächenregion führt dazu, dass nicht jeder Jugendliche eine Stelle 60 Kilometer vom Wohnort weg annehmen kann," sagt Wilhelmi. Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Berufsorientierung: "Obwohl es über 300 Ausbildungsberufe gibt, fokussieren sich die Hälfte der Mädchen und gut ein Viertel der Jungen auf gerade mal sechs Berufe," kritisiert Wilhelmi. Mit Aktionen wie der Ausbildungsmesse "Dein Tag, Deine Chance", die Handwerkskammer (HWK), Industrie- und Handelskammer (IHK) und Arbeitsagentur vor wenigen Tagen zum dritten Mal mit dem Volksfreund organisiert haben, könne man viel Aufklärungsarbeit bei Jugendlichen und Eltern betreiben.
Die Kammern beurteilen die Lage unterschiedlich. "Wir jammern auf hohem Niveau", sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Glockauer. Von 2003 bis heute ist die Zahl der Ausbildungsverträge im IHK-Bereich um 35 Prozent gestiegen, landesweit um 20 Prozent, bundesweit um zehn Prozent. In diesem Jahr gab es aber einen Abfall, 2013 Lehrverträge(-4,1 Prozent) haben die etwa 2000 IHK-Ausbildungsbetriebe abgeschlossen. Insgesamt gibt es bei der IHK 30 000 Mitgliedsbetriebe. Bei den 7000 HWK-Betrieben haben sich 1300 Jugendliche (-8 Prozent) als Lehrlinge gemeldet. "Die Situation im Handwerk ist deutlich angespannter," erklärt HWK-Geschäftsführer Matthias Schwalbach. 575 freie Lehrstellen konnten bei den Handwerksfirmen nicht besetzt werden. Für die regionale Wirtschaft sei es deshalb wichtig, dass die Duale Ausbildung auch politisch weiter gestärkt werde. "Die Duale Ausbildung gilt weltweit als Vorbild", sagt Heribert Wilhelmi. Doch immer mehr Jugendliche würden ein Studium beginnen. Nicht immer mit Erfolg, wie Schwalbach findet: "Die Zahl der Studienabbrecher steigt: Für uns im Handwerk sind diese jungen Menschen interessant. Gerade im Handwerk kann man Karriere machen." Die Lehrlinge, die heute fehlen, würden den künftigen Fachkräftemangel beschleunigen.
Ein Problem haben beide Kammern gemeinsam: die Zahl der Lehrstellenabbrecher. Im Handwerk schließt jeder Achte seine Lehre nicht ab. Ein HWK-Mitarbeiter kümmert sich seit kurzem um Betriebe und Jugendliche und versucht, im Vorfeld Konflikte und Probleme zu lösen.