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Beste Maßschneiderin 2021 in Rheinland-Pfalz: Chiara Theis aus Körperich

Porträt : Leidenschaft für Kleider nach Maß: Meisterin Chiara Theis aus Körperich und ihr Handwerk

Hochwertig, individuell, handgemacht: Das sind für Chiara Theis, 2021 die beste Maßschneidermeisterin im Land, die Zutaten für besondere Kleidung. Warum ihr Beruf sie jeden Tag von Neuem fasziniert, erfahren Sie hier. 

Zwei Dinge waren für Chiara Theis von Kindesbeinen an klar: Sie will Kleider schneidern, und sie will in ihrer Heimat, der Eifel, bleiben. Beides hat sie bisher geschafft. Für das eine gibt es (noch) keine Auszeichnung. Für das andere hat sie gleich zwei Auszeichnungen bekommen: Sie war 2020 die beste Maßschneidermeisterin in Rheinland-Pfalz, hat zudem unter 569 Meisterkandidaten in allen Handwerksbereichen bei der Handwerkskammer (HWK) Koblenz die beste Prüfung abgelegt und den Landesbestenpreis gewonnen. Und das mit 25 Jahren.

Für Chiara Theis ist das kein Grund, viel Wirbel um sich zu machen. Schließlich tue sie einfach nur das, was ihr am meisten Spaß mache. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt sie. Und ergänzt: „Schon von der Grundschule an war mir klar, dass ich Maßschneiderin werden will“, sagt sie. Denn ihre Mutter und Oma waren Damenschneidermeisterinnen und haben ihr die Liebe zum Beruf mitgegeben. Im Atelier ihrer Oma in Körperich (Eifelkreis Bitburg-Prüm) saß sie schon als kleines Kind, sah zu beim Maßnehmen, Entwerfen, Zuschneiden, Nähen, bei den Anproben und freute sich, wenn die Damen mit ihren feinen Kleidern das Atelier verließen. Zunächst spielte sie mit Knöpfen, lernte dann den Umgang mit Nadel, Faden und Stoffen und nähte später selbst einfache Puppenkleider, Kissen oder Röcke.

Woher kam die Faszination für den Beruf? „Es ist ein Handwerk, das total vielfältig ist. Und man bekommt ein Resultat, das man selbst geschaffen hat.“ Dass es auf dem Weg zum fertigen Kleidungsstück viel Geduld und Genauigkeit braucht, stört die Körpericherin nicht. Im Gegenteil. Sie liebt es, exakt zu arbeiten.

Kein Wunder, dass ihr Meisterstück, ein Kleid mit Blazer für ihre Schwester, mit Spitzenornamenten versehen ist, die sie in stundenlanger Arbeit sorgfältig angenäht hat. An einen Wollstoff natürlich. Denn das Faible der 25-Jährigen sind Naturmaterialien. Aus gutem Grund: Denn die Kunden, findet sie, sollen sich wohlfühlen. Dafür seien neben den guten Materialien gute Entwürfe und Schnitte sowie eine sorgfältige Fertigung wichtig.

All das hat sie bei ihrer Mutter und später bei einer renommierten Modedesignerin gelernt, die sich weit über die Eifel einen Namen gemacht hat: Margret Gasper aus Waxweiler. Bei ihr hatte sie nach dem Abitur einen Ausbildungsplatz ergattert. „Es war gar nicht so leicht. Es gibt viele Bewerbungen und nur noch wenige Betriebe in der Region, die Maßschneider ausbilden“, sagt sie. Daher hat die Eifelerin, die 2018 ihre Gesellenprüfung bei der HWK Trier gemacht hatte, bei der HWK Koblenz den praktischen und fachtheoretischen Teil des Meisterkurses gemacht und die Meisterprüfung abgelegt. Denn HWK Trier bietet wegen mangelnder Teilnehmerzahl keine Prüfung und keine Praxisausbildung an. In Trier hat die Eifelerin die Bereiche Wirtschaft und Recht sowie Berufs- und Arbeitspädagogik absolviert.

Dass es immer weniger Maßschneider gibt, liegt daran, dass Maschinen heute in der Regel ihren Job machen. Die meisten Kollegen von Chiara Theis verdienen daher ihr Geld mit Reparaturen von Kleidungsstücken sowie mit dem Entwurf von Kleidung oder Schnitten als Grundlage für die Massenproduktion. Das findet die Eifelerin sehr schade. Ebenso wie die Tendenz, billige Massenware aus Kunstfasern zu produzieren und zu kaufen – Produkte, die man nach einer Saison wegwerfen soll, um direkt etwas Neues in den Schrank zu hängen.

Und was hängt im Schrank von Chiara Theis? „Kleidung aus Naturmaterialien, Selbstgenähtes und Erbstücke, natürlich auch Gekauftes“, sagt sie im Gespräch mit dem TV, bei dem sie einen naturfarbenen, selbstgenähten Wollmantel und einen hellgrünen Wollpullover trägt, der bereits ihrer Oma gehört hat. Beides in ihrem Lieblingsstil – klassisch oder „clean“, wie man es aus Skandinavien kennt. Was wir auf der Haut tragen, findet die Meisterin, werde oft nicht genug geschätzt. Dabei müsse es nicht immer teuer sein. Man könne alte Stücke durch Details aufpeppen, umnähen oder aus zwei Stücken eins machen. Die Möglichkeiten sind vielfältig – und auch das ist es, was Chiara Theis an ihrem Beruf so begeistert. „Man bekommt ganz individuelle, besondere Kleidungsstücke, die sonst niemand hat.“ Das schaffe eine „besondere Verbindung“ zum Produkt.

Daher findet sie: „Maßschneiderei sollte wieder mehr wertgeschätzt werden.“ Natürlich weiß sie, dass Kleider aus dem Atelier ihren Preis haben. Mehrere Hundert Euro für ein Kostüm, einen Anzug oder ein Kleid sollte man einkalkulieren. Daher kommen die meisten Kunden aus besonderen Anlässen in die Maßschneiderei – zum Beispiel Hochzeiten. Und da ist die Eifelerin in ihrem Element, denn sie liebt es, festliche, klassische Kleidung aus hochwertigen Materialien zu entwerfen und fertigen.

Und das tut sie nun bei „Larysa Couture“ im luxemburgischen Diekirch. Nach der erfolgreichen Zeit bei Margret Gasper, für die sie dankbar ist, wolle sie nun einen anderen Betrieb kennenlernen, sagt sie. Nebenbei gibt sie abends in Ettelbrück Weiterbildungskurse für Menschen, die Nähen lernen möchten. Was in ein paar Jahren sein soll, ist noch unklar. „Vielleicht werde ich mich spezialisieren oder mich selbstständig machen.“ Klar ist nur, wo das sein wird. In der Eifel.

 Chiara Theis
Chiara Theis Foto: tv/Michael Jordanwww.jordanfotogra
 Chiara Theis und  ihr Meisterstück.
Chiara Theis und  ihr Meisterstück. Foto: tv/HP Gasper

Einen Film der HWK Koblenz über Chiara Theis gibt es unter https://www.youtube.com/watch?v=g9Nip7g5H