„Betriebliches Gesundheitsmanagement“ in der Region Trier

Gesundheit : Wohl der Mitarbeiter wichtiger als Maschinen

Im Rahmen des Wettbewerbs „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ haben die Organisatoren zwei Trierer Unternehmen unter die Lupe genommen.

Die Arbeit in Gewerbe- oder Industriebetrieben steht allgemein nicht im Ruf, besonders gesundheitsfördernd zu sein. Doch bei den Unternehmen setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass die Mitarbeiter und deren Wohlbefinden für den Betriebserfolg noch wichtiger sind als die maschinelle Ausstattung. Mit ihrem Gesundheitspreis 2019 wollen die Innungskrankenkasse (IKK) und die Kreishandwerkerschaft (KHS) Unternehmen auszeichnen, die mit einem innerbetrieblichen Gesundheitsmanagement besonders um das Wohl ihrer Mitarbeiter bemüht sind.

Neun Unternehmen aus der Region, die Gesundheitsmanagement eingeführt haben, beteiligen sich am Wettbewerb. Die Sieger werden am 11. November in Trier ausgezeichnet. Zuvor erhalten die Teilnehmer Besuch von der IKK und der KHG. Diese Woche standen das Elektrounternehmen Wilhelm F. Schmitz und die Köhler Straßenbau GmbH & Co. KG auf der Liste von IKK-Vorstand Jörg Loth, dem stellvertretenden IKK-Regionaldirektor Ulf Wolfs, IKK-Gesundheitsberater Florian Liebscher, KHS-Geschäftsführerin Bärbel Schädlich und Kreishandwerksmeister Gerd Benzmüller. Bei den Elektroleuten wurde die Delegation von Firmenchef Alexander Schmitz und dem betrieblichen Gesundheitsberater Benny Geisen erwartet.

Die Firma Schmitz arbeitet seit 2015 in einer ehemaligen Bobinet-Produktionshalle, die man beont mitarbeitergerecht für die neue Nutzung umgebaut hat. Die Firma beschäftigt rund 50 Mitarbeiter, hinzu kommen zwölf Azubis, zwei im kaufmännischen und zehn im gewerblichen Bereich. Schmitz bietet der Belegschaft kostenlosen Eintritt in ein Fitnessstudio, alle Arbeitsplätze sind ergonomisch optimal eingerichtet, sogenannte Back-Checks sorgen dabei für die jeweils passende Rückenposition. „Man kann einen Mitarbeiter nach acht Stunden auf der Baustelle nicht zwingen, anschließend ins Fitnessstudio zu gehen, aber wir müssen den Leuten die Möglichkeit geben und 15 nehmen im Schnitt auch teil“, sagt Schmitz. Kompliziert sei besonders bei den Außendienstlern das Thema „Ernährung“ – auf der Baustelle werde Deftiges bevorzugt. Bärbel Schädlich (KHS) bietet sofort eine spezielle Ernährungsberatung an – Berater Geisen notiert schon einmal. Zum Thema Gesundheit gehört bei Schmitz auch die Arbeitssicherheit, über die ein eigener Sicherheitsbeauftragter wacht und die Mitarbeiter schult. „Arbeitsunfälle sind wirklich selten geworden“, sagt Geisen. Gesellschafter Schmitz bestätigt, was IKK-Vorstand zur heutigen Arbeitsplatzsuche sagt: „Junge Leute entscheiden heute nach anderen Kriterien, als etwa 1,50 Euro mehr die Stunde.“ Schmitz: „Die wollen sich am Arbeitsplatz wohlfühlen.“

Der nächste Besuch steht anschließend bei Köhler Straßenbau GmbH und Co. KG an der Gottbillstraße an, wo Geschäftsführer Frank Barthel und Gesundheitsberater Jörg Neumann die Gäste erwarten. Normalerweise gilt gerade die „robuste“ Tiefbaubranche nicht als Gesundheitsparadies, auch viele Beschäftigte denken dort bei Gesundheitsfragen eher konservativ.

Doch Köhler mit rund 110 Mitarbeitern hat einen Ruf zu verteidigen: Auszeichnung „Attraktiver Arbeitgeber Rheinland-Pfalz“ 2015 und 2017 IKK-Zertifikat „Gesundes Unternehmen“.

Barthel: Seit 2014 beschäftigen wir uns intensiv mit unseren Mitarbeitern. Der Mensch steht bei uns absolut im Mittelpunkt. Ein Bagger wird einige Monate nach der Bestellung geliefert. Um einen guten, erfahrenen Mitarbeiter zu erhalten und zu behalten, das dauert Jahre.“ Mit dieser Einstellung bohre man dicke Bretter in einer absolut konservativen Branche, so Barthel, aber „wir erfahren immer mehr Zustimmung“.

Er erinnert an den ersten Köhler-Gesundheitstag mit Checks von Blutdruck bis Cholesterinspiegel. Barthel: „Man darf die Mitarbeiter aber nicht mit dem Thema überfrachten – bei uns herrscht kein Gruppenzwang.“ Und noch ein Wort zur Effektivität und Nachhaltigkeit: Bei Köhler pendelt der Krankenstand um 3,5 bis vier Prozent. Ein absolutes Minimum in der Bauwirtschaft.

Beim Besuch bei Firma Wilhelm F. Schmitz von links: IKK-Vorstand Dr. Jörg Loth, Kreishandwerksmeister Gerd Benzmüller, Firmenchef Alexander Schmitz, Hauptgeschäftsführerin Bärbel Schädlich, Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg, stellvertretender IKK-Regionaldirektor Ulf Wolfs, Gesundheitsberater Benny Geisen, IKK-Gesundheitsberater Florian Liebscher. Bildtext 2: Dasselbe Team bei Firma Köhler, mit Gesundheitsberater Jörg Neumann (links) und Geschäftsführer Frank Barthel (dritter von links). TV-Fotos (2): Friedhelm Knopp. Foto: TV/Friedhelm Knopp

Die wichtigsten Eckpunkte des Köhler-Gesundheitsmanagements in Kooperation mit IKK Südwest und HWK: Gesundheitstage mit verschiedenen Checks, Coachingangebote bei persönlichen (auch privaten) Problemen, Mitarbeiterbefragungen, wöchentlicher Rückenfitkurs mit qualifizierter Trainerin, firmeneigene Laufgruppe, zwei Kooperationen mit Trierer Fitnessstudios (17 Prozent der Mitarbeiter sind dort aktiv), Ergonomieberatung für Büroarbeitsplätze, Muskelentspannungskurs durch qualifizierte Trainerin, zertifiziertes Nichtrauchertraining und zertifizierter Anti-Stress-Online-Kursus. Ein Yoga-Kursus ist in Planung.

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