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Billiger und mehr Plätze

Billiger und mehr Plätze

Die luxemburgische Fluggesellschaft Luxair muss wachsen, um weiter schwarze Zahlen zu schreiben. Daher wurde nun beschlossen, die Flugzeugflotte zu erneuern. Die kleineren Jets werden durch größere Propellermaschinen ersetzt.

Luxemburg. Der Tiefpunkt war 2012. In diesem Jahr machte Luxair ein historisches Minus. 10,5 Millionen Euro betrug der Verlust der Fluggesellschaft, die zu 39 Prozent dem Staat Luxemburg gehört. Von da an ging es um das Überleben der Traditionsgesellschaft. Luxair-Chef Adrien Ney verordnete einen knallharten Sparkurs, der noch rigider war als der ohnehin schon seit 2007 eingeschlagene Kurs. Der bekannte Unternehmensberater Roland Berger analysierte die gesamten Arbeitsprozesse, hinterfragte die Geschäftsstrategie des Unternehmens und kam zum Schluss, dass Luxair nur dann überleben könne, wenn sich die Gesellschaft konsequent als regionale Fluglinie aufstelle. Und diesen Kurs verfolgt Ney rigoros. Mit Erfolg. 2013 machte Luxair Gewinn, zwar nur 1,9 Millionen Euro, aber gegenüber dem historischen Verlust von 2012 war das doch mehr als ein Lichtblick. Und im vergangenen Jahr vermeldete die Fluglinie dann weiteres Wachstum. Erstmals beförderte sie mehr als eine Million Passagiere in einem Jahr. Das Ziel für dieses Jahr: 1,2 Millionen Passagiere. Dazu muss Luxair aber die Kapazität seiner Flugzeuge erhöhen. Und die Kosten pro Passagier senken, um möglichst viele Billig-Tickets zu verkaufen. Diese sogenannten Primo-Tickets haben 2014 mit zur Steigerung der Passagierzahlen beigetragen. Insofern ist es nicht überraschend, dass der Verwaltungsrat der Luxair Gruppe nun der Erneuerung der Flotte zugestimmt hat. Das Aufsichtsgremium hat den Kauf dreier neuer Propellermaschinen vom Typ Q 400 (Listenpreis ungefähr 29 Millionen Euro) vom Hersteller Bombardier in Kanada bewilligt. Die Maschinen sollen zwischen April und August 2016 geliefert werden. Bis Ende des Jahres hat Luxair darüber hinaus die Möglichkeit, zwei weitere Q 400 zum gleichen Preis vorzubestellen.
Sieben dieser weltweit eingesetzten Maschinen hat Luxair bereits in Betrieb. Seit 2007 setzt man in Luxemburg auf die als besonders sparsam und leise - Q steht für quiet (englisch, ruhig) - geltenden Flugzeuge. Mit dem Kauf der drei neuen Maschinen sollen die in die Jahre gekommenen Jets vom Typ ERJ-145 vom brasilianischen Hersteller Embraer ersetzt werden. Luxair verfügt derzeit über sechs Embraer. Sie sollen verkauft werden. Die Betriebskosten dieser Regionaljets, die wie die Q 400 eher für Kurzstrecken geeignet sind, gelten als vergleichsweise hoch. Außerdem bieten sie mit gerade mal 50 Sitzplätzen weniger Platz als die Propellermaschinen mit 76 Plätzen. Der Kerosinverbrauch der Q 400 sei sehr niedrig, und die Motoren seien "umweltfreundlich", erläutert Luxair-Sprecher Jean Lasar, warum die Propellermaschinen die richtige Auswahl für "die nächsten vier bis sechs Jahre" seien. "Als regionale Fluggesellschaft, die sich in einem harten Wettbewerb behaupten muss, benötigt Luxair für die weitere Entwicklung Flugzeuge, die bestmögliche Kosten pro Sitz und Passagier gewährleisten", begründet Verwaltungsratsvorsitzender Paul Helminger die Entscheidung.
Nach dem Flottenumbau verfügt Luxair dann über mindestens zehn Q 400 für Kurzstreckenflüge, eine Boeing 737-700 für Flüge etwa nach Portugal sowie drei Boeing 737-800 und eine weitere 737-700, die ausschließlich für Urlaubsflüge der zur Luxair-Gruppe gehörenden LuxairTours eingesetzt werden.
Helminger kündigt an, in einem zweiten Schritt Flugzeuge mit einer neuen Triebwerksgeneration zu kaufen. Flugzeuge, die derzeit noch gar nicht auf dem Markt sind, die sich noch in der Entwicklung befinden. Man habe dabei hauptsächlich zwei Typen im Auge: Die sogenannte C-Serie von Bombardier, ein Jet mit 100 bis 160 Sitzplätzen, und die neue E-Jets von Embraer mit Platz für 70 bis 146 Passagiere. Der Bombardier-Jet soll Ende des Jahres auf den Markt kommen, die neuen Embraer sind laut Lasar wohl ab 2018 verfügbar.Extra

Die Fluggesellschaft Luxair wurde 1948 gegründet. Anteilseigner sind der Luxemburger Staat mit 39 Prozent, zwei Banken mit insgesamt 35 Prozent, die Lufthansa mit 13 und weitere Aktionäre ebenfalls mit 13 Prozent. Die Luxair-Gruppe zu der auch der Reiseveranstalter LuxairTours und die für die Frachtabwicklung auf dem Heimatflughafen Findel in Luxemburg zuständige LuxairCargo gehören, beschäftigt über 2000 Mitarbeiter. Der bislang folgenschwerste Zwischenfall in der Geschichte von Luxair ereignete sich 2002. Eine Passagiermaschine stürzte beim Landeanflug ab, 20 Menschen starben. wie