Bistum hilft Jugendlichen beim Einstieg in die Berufswelt

Arbeit : Bistum hilft Jugendlichen beim Einstieg in die Berufswelt

Mit einer neuen Kampagne fördert das Bistum Trier sechs Projekte, die benachteiligten Jugendlichen den Einstieg in das Berufsleben ermöglichen sollen.

Wer in der Berufsvorbereitungsmaßnahme bei Sabine Bollhorst landet, musste schon viel erleben. Manche Jugendliche haben körperliche, manche psychische Probleme. Viele kommen aus Elternhäusern, die sie eher belasten, statt ihnen Rückhalt bieten zu können. Sie haben den Glauben an sich selbst verloren, wissen nicht, für welchen Beruf sie überhaupt geeignet sein sollen.

Der Verein für Berufliches und Soziales Lernen in Sohrschied (VBS) bildet sie im Tischlerhandwerk aus. „Der Möbelbau ist ein Gebiet, wo Jugendliche sich sehr gut entwickeln können, weil sie ein konkretes Ergebnis sehen, und weil sie durch Kontakte zu Kunden sehen: ‚Oh, das kommt gut an‘“, erklärt Bollhorst. Das hebe ihr Selbstbewusstsein: „Wenn man sieht, man kann etwas, dann passiert auch psychisch etwas“, sagt sie.

Der VBS ist eines von sechs Projekten, die die Aktion Arbeit im Bistum Trier im kommenden Ausbildungsjahr mit der Kampagne „TAFF – Talente flexibel fördern“ unterstützt. Sie alle arbeiten daran, Jugendlichen, die durch das Raster des klassischen Bildungssystems gefallen sind, den Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen.

Jede Spende an die Aktion Arbeit wird dafür aus Mitteln des Bischöflichen Stuhls verdoppelt. Insgesamt 150 000 Euro sollen so zusammenkommen.

Zwar haben beinahe alle Jugendlichen, die die ehrenamtlichen Mitarbeiter der VBS bisher unter ihre Fittiche genommen haben, eine sozialversicherungspflichtige, unbefristete Arbeitsstelle gefunden, doch die Problemlagen verschieben sich. Bei der Sprachförderung für Flüchtlinge habe sich in den letzten Jahren herausgestellt: „Auch die Deutschen können eigentlich nicht mehr gut lesen und schreiben“. Gefördert von der Aktion Arbeit sollen sie deshalb mehr als eine Berufsausbildung erhalten. „Das Projekt, das wir jetzt planen, kann man im weitesten Sinne als Grundbildung beschreiben“, sagt Bollhorst. Drei Deutsche und neun Geflüchtete, die entweder keinen qualifizierten Abschluss oder erst gar keinen Rechtsanspruch auf Bildung haben, werden in Zukunft an zwei Praxis- und fünf Theorietagen in der Woche im Hunsrück lernen. „Als wir publik machen konnten, dass wir durch die Unterstützung des Bistums dieses Projekt starten können, waren ganz viele Jugendliche da“, erinnert sie sich.

An vielen Orten im Bistum entstehen durch die Förderung neue Angebote. Der Bürgerservice in Trier kann nun eine Psychologenstelle schaffen, das Projekt „Fit für die Pflege“ der Caritas Rhein-Mosel-Ahr will seine Unterstützung jetzt auch auf die Zeit während der Ausbildung ausdehnen.

Anders als vor 36 Jahren, als die Aktion Arbeit entstand, gebe es heute genug offene Stellen für Arbeitssuchende, erklärt Bischof Stephan Ackermann. Die Frage sei jedoch: „Wie kommen die zusammen?“ Die Antwort darauf gibt er gleich mit: „Die beste Absicherung gegen Arbeitslosigkeit ist eine abgeschlossene Berufsausbildung.“

In vielen Fällen jedoch ist das weitaus schwieriger, als es klingen mag. Im Juli 2019 warteten alleine in Rheinland-Pfalz knapp 6500 Jugendliche vergeblich auf einen Ausbildungsplatz. Es gebe immer mehr Jugendliche, die es schwerhaben, sagt Dr. Hans Günther Ullrich, Bischöflicher Beauftragter für die Aktion Arbeit. Er sieht darin eine „besorgniserregende gesellschaftliche Entwicklung“.

Durch zahllose Strukturreformen habe die öffentliche Hand Arbeitsmarktinstrumente zudem mehr als halbiert, klagt er.

Die sechs Projekte, die sich nun über Unterstützung freuen dürfen, möchten dieser Entwicklung etwas entgegensetzen. Doch auch die Finanzierung des Bistums ist begrenzt. „Das sind Einjahresfliegen“, muss Günther Ullrich eingestehen. Dennoch glaubt er an einen weiterreichenden Effekt der Förderungen. „Es ist unsere Hoffnung, dass wir aufzeigen können: Das hier lohnt sich richtig“, sagt er. „Den Beweis müssen wir aber erst mal antreten.“

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