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Nachruf
Trauer um Axel Simon: Ein Leben für die Brauerei

FOTO: Bitburger Holding
Bitburg. Völlig überraschend ist im Alter von 74 Jahren Dr. Axel Th. Simon gestorben. Der ehemalige Bitburger-Geschäftsführer erlag am Mittwoch den Folgen einer heimtückischen Infektion. Die Trauer im Unternehmen ist groß. Die Region verliert einen bedeutenden Unternehmer, der in all seinem Wirken seiner Heimat immer verbunden war. Von Heribert Waschbüsch
Heribert Waschbüsch

Der Aufstieg der Bitburger Braugruppe in den vergangenen Jahrzehnten ist ohne den Einsatz und den Weitblick von Axel Simon nicht vorstellbar. Eine junge Unternehmergeneration übernahm Anfang der 70er Jahre die Verantwortung im Familienunternehmen und steht für den Aufstieg zur bedeutenden Getränkegruppe in Deutschland. Axel Simon war ein Architekt des rasanten Aufstiegs.

1972 trat der promovierte Diplom-Ingenieur als jüngste Führungskraft in die Familienbrauerei ein. Damals war die Bitburger mächtig auf Expansionskurs. Ein Jahr später stieg die Bitburger erstmals in den Kreis der „Hektoliter-Millionäre“ auf, und die fünfte Generation der Familiendynastie legte dem Nachwuchs die verantwortungsvolle Aufgabe in die Hände.

Schon ab 1975 übernahm Axel Simon in der Bitburger Brauerei die Geschäfte im Ressort Technik und Umwelt von seinem Onkel Hanns Simon. Die Entwicklung der Brauerei lag damit für drei Jahrzehnte in seinen Händen. Und Axel Simon stellte sich den Herausforderungen mit großem Enthusiasmus. Schon damals legte der Diplom-Ingenieur größten Wert auf Energieeinsparung und Nachhaltigkeit: 1980 schrieb das Unternehmen mit dem integrierten Abwärmekraftwerk ein Stück Brauereigeschichte. Und das Thema Energieeinsparung trieb ihn weiter an. Im Jahr 1986 setzte er im Unternehmen mit der „Einführung der energiesparenden Würzekochung unter Druck“ eine völlig neue Produktionsweise um, die die Energiekosten der Brauerei weiter erheblich reduzierte. Grundlage für diese technische Neuerung war die Doktorarbeit von Axel Simon. Die Idee wurde im technisch-wissenschaftlichen Ausschuss der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin (VLB) geboren, dem der Bitburger angehörte.

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Mit der Inbetriebnahme der Versuchsbrauerei erfüllte sich für den Technikchef 1990 ein großer Wunsch. Die Anlage erlaubte der Braugruppe bei vielen Entwicklungen einen Vorsprung vor den Mitbewerbern. Axel Simon war in der Braubranche ein wichtiger und gern gesehener Netzwerker und Ideengeber. Das Unternehmen erinnert an sein Wirken: „Leidenschaftlich trat er für das Ansehen der Brauwirtschaft und die Ausbildung qualifizierten Nachwuchses ein. Er trieb Innovationen nicht nur innerhalb des eigenen Unternehmens, sondern auch in angesehenen Institutionen wie der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin voran, deren Präsident er von 1989 bis 2014 war und die ihn zu ihrem Ehrenpräsidenten ernannte.“ Mit seiner klaren Meinung prägte er zudem die Arbeit im Vorstand und Präsidium des Deutschen Brauerbundes und im Brauerbund Hessen/Rheinland-Pfalz mit.

Aber Axel Simon blieb auch immer seiner Heimat verbunden. Über ein Jahrzehnt lang gehörte er dem Stadtrat seiner Heimatstadt Bitburg an, und er engagierte sich in allen wirtschaftlichen Bereichen der Region. So war Axel Simon Vorstandsmitglied der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz, im Vorstand der Vereinigung Trierer Unternehmer (VTU) sowie im Aufsichtsrat der Volksbank Bitburg.

Für sein Wirken in Wirtschaft und Wissenschaft wurde Axel Simon vielfach geehrt und ausgezeichnet: 2004 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande, 2007 die Wirtschaftsmedaille des Landes Rheinland-Pfalz und im Jahr 2013 die Ehrenplakette „maximi honoris causa“ der Stadt Bitburg.

Wer Gelegenheit hatte, sich mit Axel Simon über die Brauerei zu unterhalten, wurde schnell von seiner Begeisterung angesteckt. Die Bitburger Brauerei hat sein Leben geprägt, sie war ein Großteil seines Lebens. Als kleiner Junge spielte Axel Simon – die Brauerei wurde nach dem Krieg gerade wieder aufgebaut – auf den Sandhügeln zwischen den Arbeitern. Jeder kannte ihn, er kannte jeden und gerne erzählte er, wie er mit den Brauereimitarbeitern ab und an die Mittagspause verbrachte und auch schon in jungen Jahren mal einen Schluck Bier probieren durfte.

Nach der Schule (1950 bis 1954 Volksschule Bitburg, bis 1960 Gymnasium Bitburg und bis 1964 Institut Montanain Zugerberg, Kanton Zug in der Schweiz) legte Simon sein Studium mit Blick auf den späteren Eintritt in die Brauerei aus. Von 1965 bis 1969 studierte er an der Technischen Universität (TU) Berlin Brauereitechnologie mit Abschluss zum Diplom-Ingenieur. Danach folgte ein Praktikum bei der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft in Köln (Verhülsdonk & Partner), und 1970 bis 1972 absolvierte er zudem das Studium zum Diplom-Wirtschaftsingenieur an der TU München. Kritischer Beobachter und Förderer seiner jungen Karriere war zunächst sein Vater Bert und später sein Onkel Hanns Simon. Von 1972 bis 2007 prägte Axel Simon die erfolgreiche Entwicklung der Bitburger Braugruppe und der der Bitburger Holding. 2007 übergab er diese Aufgabe an seinen Neffen Jan Niewodniczanski.

Im Jahr 2004 übernahm er zudem die Geschäftsführung der Bitburger Holding. Nach seinem altersbedingten Ausscheiden aus der operativen Unternehmensführung im Jahr 2007 gehörte er noch rund zehn Jahre dem Gesellschafterausschuss des Familienunternehmens an. Doch auch sonst blieb Axel Simon der Bitburger Braugruppe eng verbunden, in vielen offiziellen und inoffiziellen, in großen und kleinen Runden als kompetenter Fachmann, Experte und Gesprächspartner. Axel Simon gehörte zur Bitburger, zur Region. Viele Menschen aus seiner Heimat werden ihn vermissen. Er hinterlässt Ehefrau, Kinder und Enkel.

FOTO: Bettina Bartzen (beba)
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