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| 21:44 Uhr

Bitburger greift nach dem Sterntaler

Ungewöhnliche Einkaufspläne im Hause Bitburger: Die Dachgesellschaft der Eifeler Braugruppe will den renommierten hessischen Spielsachen-Hersteller Sterntaler mehrheitlich übernehmen. Entsprechende Pläne bestätigte am Freitag ein Kartellamtssprecher unserer Zeitung. Von unserem Redakteur Rolf Seydewitz

Bitburg. Sterntaler - den meisten Eltern von Babys oder Kleinkindern dürfte dieser Name ein Begriff sein. Die Kuscheltiere, Spieluhren, Wickelauflagen oder Schals des Dornburger Unternehmens sind in deutschen Kinderzimmern ein echter Klassiker. Ihre Markenzeichen: robust, schadstofffrei und ein wenig kostspieliger als viele Konkurrenzprodukte. In Branchenkreisen gilt Sterntaler daher auch als "Hugo Boss" der Babybekleidung, also ein Produzent von Premiumprodukten.

Okay des Kartellamts gilt als Formsache



Diesen Anspruch hat auch die Bitburger Getränkegruppe, zu der neben den Brauereien Bitburger, König, Licher, Köstritzer, Wernesgrüner und Königsbacher auch der Gerolsteiner Brunnen mehrheitlich gehört. Waren die Brauer aus der Eifel bei Zukäufen bislang nur aufs eigene Fach, die Getränkebranche, konzentriert, könnte sich das jetzt ändern. Wie der am gestrigen Freitag veröffentlichten Bundeskartellamts-Liste "der laufenden Zusammenschlussvorhaben" zu entnehmen ist, will die Bitburger Holding, also die Dachgesellschaft der Getränkegruppe, den hessischen Spielsachen-Hersteller Sterntaler übernehmen.

Ein entsprechender Antrag (Aktenzeichen B2-42/10) sei vor einer Woche beim Kartellamt eingegangen, sagte Sprecher Kay Weidner auf TV-Anfrage. Demnach geht es um einen sogenannten Kontroll erwerb. Dies bedeutet laut Weidner "nicht zwingend, dass ein Unternehmen zu 100 Prozent übernommen wird". Aber die Kontrolle gehe auf die übernehmende Firma über. Mit anderen Worten: Stimmt das Kartellamt dem Geschäft zu, hat die Bitburger Holding künftig bei Sterntaler das Sagen.

Im konkreten Fall dürfte das Plazet der Wettbewerbshüter reine Formsache sein. Grund: Die Bitburger agiert bislang nur auf dem deutschen Getränkemarkt. Dass das Eifeler Unternehmen nach der Sterntaler-Übernahme eine marktbeherrschende Stellung in der Spielwaren-Branche bekäme, kann wohl niemand ernsthaft behaupten.

Eine Sprecherin der Bitburger Holding sagte unserer Zeitung, die Dachgesellschaft verwalte unter anderem das Vermögen ihrer Gesellschafter, investiere das Geld in Finanz- und Kapitalanlagen unterschiedlicher Art. "Vorliegend beabsichtigt sie, eine Finanzanlage in Form einer direkten Beteiligung an einem erfolgreichen mittelständischen Unternehmen zu erwerben", sagt die Holding-Sprecherin.

Sterntaler gilt als top-solider Mittelständler



Was so kompliziert klingt, soll wohl auf gut Deutsch heißen: Es ist besser, Geld in ein gesundes Unternehmen mit guter Rendite zu stecken, als es irgendwo anders unter schlechteren Konditionen zu parken.

In Wirtschaftskreisen gilt Sterntaler als top-solider Mittelständler. "Die Firma steht sehr gut da", sagte ein Branchenkenner dem TV. Nach eigenen Angaben beschäftigt der Dornburger Spielsachen-Hersteller 500 Mitarbeiter, davon 170 in Deutschland. Im Ausland hat Sterntaler Produktions-Tochtergesellschaften in Tschechien und in Thailand. Von dem Unternehmen war auf TV-Anfrage gestern keine Stellungnahme zu bekommen.

Die 1965 gegründete Firma ist nach einem Märchen der Brüder Grimm benannt. Darin gibt ein kleines Mädchen aus Gutherzigkeit sein letztes Hemd her und wird dafür mit goldenen Talern belohnt. Auf dieses Märchen nimmt auch das Sterntaler-Logo Bezug.

Mit einer Entscheidung des Kartellamts wird innerhalb eines Monats gerechnet.