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Bitburger hofft auf neues Sommermärchen

Bitburger hofft auf neues Sommermärchen

Die Fußball-WM und das Sommermärchen 2006 in guter Erinnerung und mit hoffnungsvollem Blick auf die EM 2008 schließt die Bitburger Brauerei ein schwieriges Geschäftsjahr ab: Der Gesamtausstoß 2007 ging um 4,6 Prozent auf vier Millionen Hektoliter zurück.

Bitburg. Die Bitburger Brauerei betont gerne die positiven Momente im abgelaufenen "Bierjahr" 2007. "Bitburger bleibt das meistgezapfte Bier Deutschlands. Und mit unseren Biermischgetränken wachsen wir trotz schwieriger Rahmenbedingungen", sagt der Sprecher der Geschäftsführung der Bitburger, Peter Rikowski. Nach dem Boomjahr 2006 - mit Fußball-WM und Bilderbuchsommer - schlug das Jahr 2007 in der gesamten Bierbranche mächtig ins Kontor. Der bundesweite Bierabsatz sackte von 106 Millionen Hektoliter auf rund 103,5 Millionen Hektoliter ab. Für die Bitburger erfreulich: Trotzdem konnte Bit seinen Marktanteil von 6,1 Prozent halten. "Der Biermarkt in Deutschland ist ein knallharter Verdrängungswettbewerb", sagt Rikowski. Bitburger werde als Familienunternehmen in der siebten Generation aber nicht den Wettbewerb über den Preiskampf suchen. "Unsere Premium-Qualität gibt es nicht zum Discount-Preis", sagte der Bit-Sprecher und warf auch einigen Marken-Mitbewerbern "Aktionismus" vor. "Wir kaufen nicht kurzfristig Hektoliter hinzu und zahlen dafür drauf", sagte Rikowski. Auf 2008 blicken die Brauer skeptisch, und Rikowski und seine Kollegen rechnen mit "dem schwierigsten Jahr" für die Branche.Um die gestiegenen Rohstoff-Preise aufzufangen, wird die Brauerei aus der Eifel ihre Preise erhöhen (der TV berichtete). Die Kiste Bitburger Pils wird ab Anfang Februar um rund einen Euro teurer. Und die 43 000 Gastronomiebetriebe, die Bitburger beliefert, müssen sich auf eine Erhöhung einstellen. Glas Pils wird vermutlich rund zehn Cent teurer

Experten gehen davon aus, dass das Glas Pils um zehn Cent teurer wird. In Deutschlands Kneipen und Restaurants hat Bitburger Pils seine Spitzenposition mit 1,07 Millionen Hektolitern (2006 = 1,14) verteidigt. Im Heimatmarkt Rheinland-Pfalz legte die Brauerei beim Marktanteil von 37,2 Prozent auf 39,6 Prozent zu. Mit Blick auf 2008 setzt die Bitburger als Partner der deutschen Fußballnational-Mannschaft auf die EM in der Schweiz und Österreich. Das sportliche Großereignis wird ähnlich wie die WM vermarktet und soll der Brauerei Image und Absatz bescheren. Ein Absatzplus erhoffen sich die Brauer von Biermischgetränken: "Bit Passion" kommt runderneuert mit einer "erfrischenden Komponente" auf den Markt, das neue "Bit Cola Libre" mit einer Rum-Zitronen-Geschmacksnote (Alkoholgehalt: zwei Prozent) soll den Bier-Cola-Mix-Getränken Konkurrenz machen. Meinung Motto: Wachse oder weiche Keine rosigen Aussichten für die Brauer im Land: Die Deutschen trinken immer weniger Bier - und das schon seit Jahren. Trendige Mischgetränke können die Verluste nicht wettmachen, nur abmildern. Trotzdem gibt es in Deutschland so viele Brauereien - knapp 1300 - wie sonst nirgendwo. Um zu erkennen, dass der ständig fallende Bier-Absatz und das Über-Angebot an Braustätten nicht zusammenpassen, muss man kein Betriebswirt sein. Der Branche steht ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb bevor. Wer da nicht groß genug ist, um den internationalen Braukonzernen Paroli bieten zu können, wer wirtschaftlich angeschlagen oder von der Produktpalette her nicht breit genug aufgestellt ist, wird diese Marktbereinigung nicht überleben. Er wird übernommen oder kann schließen. Vor diesem Hintergrund bleibt auch den Bitburger Brauern nichts anderes übrig, als weiter zuzukaufen, ohne sich daran zu verheben. r.seydewitz@volksfreund.deextra Aus für Bolzplatz-Kampagne: Die Bitburger Brauerei wird ihre Aktion "Bolzplätze für Deutschland" vorerst nicht fortsetzen. Laut Bit-Geschäftsführer Peter Rikowski hat das allerdings nichts mit der Kritik der Bundes-Drogenbeauftragten Sabine Bätzing zu tun. Bätzing hatte die Kampagne unlängst als "nicht akzeptabel" bezeichnet. Grund: Die Aktion unterlaufe die Selbstverpflichtung der Industrie, Jugendliche nicht gezielt anzusprechen. "Schwachsinn und Populismus", kontert Bit-Chef Rikowski, "Sportförderung ist Prävention." Durch die Initiative seien bundesweit 300 Bolzplätze auf Vordermann gebracht worden. (sey)